Ausblick 2011 - wo die besten Karrierechancen in der Schweiz versteckt sind

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"Insgesamt gehen wir davon aus, dass das nächste Jahr ein gutes, aber kein herausragendes Jahr sein wird", meint Klaus Robert Biermann von Biermann Partners in Zürich. Auch das internationale Recruitment-Unternehmen Michael Page sieht der Entwicklung in der Schweiz positiv entgegen und rechnet mit einem Wachstum und Neueinstellungen besonders im Bereich Banking und Financial Services.

Laut Michael Page besitzt die Schweiz eine ungebrochene Attraktivität: "Es gibt immer mehr Senior Executives aus Grossbritannien und den USA, die daran interessiert sind, hierher zu ziehen. Diesen Trend beobachten wir nicht nur auf der Kandidatenseite, vielmehr sind auch viele neue Banken, Versicherungsunternehmen und Hedgefonds in die Schweiz gezogen - um nur einige Grosse zu nennen: Catlin, Novae Re, Breven Howard und Blue Crest."

Private Banking

Die besten Chancen für Private Banker sieht Michael Page hingegen in der Ferne. "Der Fokus für Private Banker liegt definitiv in den Märkten für Asien und Osteuropa", sagt Stephan Surber von Michael Page Schweiz.

Für die Schweiz rechnet Headhunter Stefan Bächer von Guggenbühl & Bächer indes mit einer zwiespältigen Entwicklung. "Das Berufsbild im Private Banking wird in fünf Jahren ganz anders sein als heute. Der klassische offshore Private Banker ist eine aussterbende Gattung", meint Bächer. Ganz ähnlich sieht dies Biermann: "Die Person die wartet, dass das Geschäft kommt, hat keine Chance mehr."

Vielmehr müsse der Private Banker der Zukunft proaktiv an die Kunden herangehen und auch profunde Kenntnisse der Produktwelt mitbringen. Laut Biermann könne sich dies auch auf Kenntnisse im Investmentbanking und in strukturierten Produkten erstrecken, wenn beispielsweise Familienunternehmen eine Akquisition stemmen wollen.

Allerdings rechnen sowohl Bächer als auch Biermann nicht damit, dass der Austausch von Private Bankern alter Schule gegegen den neuen Typus unter dem Strich neue Stellen in der Schweiz schaffe. "Die Anzahl der Headcounts wird eher nicht steigen", sagt Biermann. Dazu sei der Margendruck in der Branche einfach zu hoch.

Asset Management

"Eine besondere Nachfrage beobachten wir in Sales - und zwar über alle Sektoren hinweg, im Investmentbanking, Asset Management und namentlich im Wealth Management", sagt Surber. "Asset Manager und unabhängige Finanzintermediäre versuchen Sales-Profis oder sogar ganze Sales-Teams anzuwerben", ergänzt der Experte.

Die hohe Nachfrage nach Sales beobachtet auch Jonas Neff von Biermann Partners. Besonders gesucht werden Vertriebsprofis mit Kontakten zu Versicherungen und Family Offices. "Das alles steht und fällt mit der Entwicklung an den Märkten im ersten Quartal", ergänzt Biermann. Falls die Eurokrise abebbe und die Aktienmärkte weiter Stärke zeigten, dann werde sich das positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken.

Alternative Anlagen

Ein hohes Potenzial sieht Biermann auch bei den alternativen Anlageformen. Nachdem sich institutionelle Anleger wie beispielsweise Pensionskassen während der Finanzkrise aus den alternativen Anlagen zurückgezogen hatten, werde wieder in Hedgefonds und Emerging Markets investiert.

"Da ist viel Kreativität im Markt", bemerkt der Experte mit Hinblick auf die Schweiz. Neben den Sales dehne sich die Nachfrage auf die Produktseite aus. Demnach könnten sich hier für Portfoliomanager, Produktspezialisten, Produktmanager und Marketingpersonal neue Chancen eröffnen. Allerdings würden hier keine "Hundertschaften" benötigt.

Finance and Accounting

Laut Bächer werden sich die wachsenden Regulierungsanforderungen in Folge der Finanzkrise als Jobmotor für Legal, Compliance und Tax erweisen. "Auch Leute aus anderen Branchen und jüngere Mitarbeiter haben in diesen Bereichen Chancen", sagt Bächer. "Da wird es sicherlich Bedarf geben."

Bei Michael Page wird dies ganz ähnlich gesehen. "Finance and Accounting und besonders Compliance, Risk Management und Tax-Jobs werden auch weiterhin ein Recruitmenttrend bleiben", ergänzt Surber. Damit setze sich die Entwicklung aus dem abgelaufenen Jahr fort: "Die Hauptnachfrage besteht für Finance und Accounting ebenso wie für Backoffice-Positionen in Operations, Business Analysis und Compliance/Legal."

Investmentbanking

Im Investmentbanking wurde von Schweizer Häusern im abgelaufenen Jahr kräftig eingestellt. Allein die UBS hat ihre Personalstärke in diesem Bereich um 1000 Mitarbeiter erhöht. Doch nachdem der Schweizer Branchenprimus im dritten Quartal in seinem Investmentbanking sogar einen Verlust von 400 Mio. Franken verkraften musste, mehren sich die Zweifel, ob die zusätzlichen Investmentbanker auch entsprechende Zusatzerträge erwirtschaften können.

"Im Investmentbanking herrschen schon wieder Zustände wie vor der Krise. Ob das gut geht, wage ich zu bezweifeln", sagt Bächer. Daher rechnet der Experte auch mit keinem weiterem Personalaufbau im Investmentbanking.

Dagegen schätzt Biermann die Lage positiver ein: "Ich glaube nicht, dass gross in der Schweiz entlassen wird." In M&A und Structured Finance sehe der Markt eher schwach aus, aber diese Segemente seien in der Schweiz unterrepräsentiert. Dagegen sieht der Headhunter beispielsweise im Devisenhandel durchaus Potenzial.

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