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2008 – Das Großherzogtum bekommt die Finanzkrise kaum zu spüren

Der Schwelbrand US-Hypothekenkrise hat längst einen globalen Finanzfeuersturm entfacht, dem sich das Großherzogtum aber im abgelaufenen Jahr weitgehend entziehen konnte.

Während die Zentren des besonders stark betroffenen Investmentbanking in New York und London in diesem Jahr bereits zehntausende, zum Teil hochbezahlte Jobs verloren haben, hatten Luxemburger Banker im großen und ganzen wenig Grund zur Klage.

Tatsächlich zählt der Banker-Arbeitsmarkt zum Gewinner 2008. Ende September beschäftigten die 154 im Großherzogtum niedergelassenen Banken aus 24 Ländern exakt 27.269 Mitarbeiter – ein Zuwachs von 276 (ein Prozent) im Vergleich zu Ende Juni. Bei den übrigen Finanzdienstleistern waren Ende Juni 12.914 Menschen beschäftigt. Das entspricht einem Zuwachs von knapp 50 Prozent im Vergleich zum Juni 2006.

Besonders gut lief das Rekruting-Geschäft im Bereich Private Banking. Christopher Purdy , Partner bei Greenfield, bedauert, dass sein vor sechs Monaten gegründetes Unternehmen mangels Kapazitäten noch nicht in diesem Bereich tätig ist.

Trotz Finanzkrise konnte sich das in Luxemburg besonders gefragte Beratungsgeschäft mit Accounting-Positionen behaupten. Allerdings lassen sich Banken und Finanzdienstleister mehr Zeit bei der Kandidatenauswahl, so Purdy. Wurden Stellen vor einem halben Jahr noch binnen vier Wochen besetzt, so zieht sich der Prozess über zwei bis drei Monate hin.

Gewinner und Verlierer zugleich ist die Fondsindustrie. Luxemburgs Vorzeigebranche konnte sich den Kursturbulenzen natürlich nicht entziehen und musste binnen Jahresfrist einen empfindlichen Rückgang des verwalteten Vermögens hinnehmen. Von Oktober 2007 bis Oktober 2008 fiel der Wert der Assets under Management von 2,124 Bio. Euro auf 1,647 Bio. Euro. Bis auf zwei Kategorien konnte das Grossherzogtum seine führende Rolle im Geschäft mit europaweit vertriebenen Fonds aber verteidigen.

Wenig Grund zur Freude dürften vor allem die Mitarbeiter von Landsbanki, Kaupthing und Glitnir verspüren. Schließlich hat der spektakuläre Zusammenbruch der isländischen Finanzwirtschaft dem Großherzogtum die ersten Bankpleiten seit dem Zusammenbruch der betrügerischen BCCI im Jahre 1991 beschert.

So wird die Niederlassung von Landsbanki zwei Monate nach Verhängung des Handelsverbots aufgelöst – 140 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Glitnir wiederum hat lediglich seine Kundendatei verkaufen können. Und das Schicksal von Kaupthing entwickelt sich immer mehr zu einer Posse. Klar ist, dass potenzielle Käufer lediglich am Private Banking interessiert sind. Dagegen werden das Corporate und Investment Banking mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aufgelöst.

Auch die angeschlagenen deutschen Landesbanken belasten die Arbeitsmarktstatistik. Während sich die WestLB Luxemburg mit den Gewerkschaften bereits auf einen Sozialplan im Zusammenhang mit dem Abbau von 27 Arbeitsplätzen aus den Bereichen Corporate Banking und Investment Banking geeinigt hat, müssen die Beschäftigten der BayernLB Luxemburg voraussichtlich noch drei Monate warten, bis die von der bayerischen Landesregierung kontrollierte Bank ihren angekündigten Sanierungsplan im Detail vorstellt.

Die Mitarbeiter der auf das Institutionelle Geschäft fokussierten State Street Bank werden 2008 ebenfalls in schlechter Erinnerung behalten. Schließlich müssen 80 Mitarbeiter der Luxemburger Niederlassung ihre Arbeitsplätze unfreiwillig räumen.

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