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Bankenplatz im Wandel

Der Luxemburger Bankenplatz steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Immer mehr Finanzkonzerne wollen sich von ihrem Privatkundengeschäft trennen. Auf der Verkaufsliste ganz oben stehen dabei luxemburgische Banktöchter.

Es ist nicht allein die Krise, die Geldinstitute dazu veranlasst, umfassende strategische Neuorientierungen durchzuführen. Viele beugen sich dem Druck der EU-Kommission, die als Gegenleistung für die milliardenschweren staatlichen Rettungsaktionen eine Schrumpfung der Bilanzen verlangt. Bereits seit geraumer Zeit sucht daher die WestLB International einen Käufer für ihr Privatkundengeschäft. Die LBBW, die 2008 noch das Private Banking der Landesbank Berlin übernommen hatte, wird auch den Besitzer wechseln. Der belgische Finanzkonzern KBC will sich von seiner Luxemburger Tochter KBL European Private Bankers trennen. Inzwischen soll auch Dexia eine Veräußerung der BIL prüfen. Die Verkaufswelle beschränkt sich jedoch nicht allein auf luxemburgische Töchter.

Die deutsche Commerzbank oder die niederländische ING trennten sich ebenfalls von Gesellschaften, die Kapital für vermögende Privatkunden verwalten. Es gibt zwei Gründe, warum bei den Banken gerade die Vermögensverwaltung auf den Prüfstand geraten ist. Zum einen bilden vor allem die Luxemburger Tochtergesellschaften eine zumeist in sich geschlossene Einheit, die sich ohne größere Schwierigkeiten aus dem Konzern herauslösen lässt. Auf der anderen Seite führt die Diskussion über Bankgeheimnis, Offshore-Konten und Steuerhinterziehung bei vielen Instituten dazu, ihr internationales Private-Banking-Geschäft zu überdenken.

Das bedeutet jedoch nicht das Ende der Vermögensverwaltung in Luxemburg. Im Zuge der anstehenden Verkaufswelle werden kleinere Einheiten aufgelöst und integriert, bekannte Namen könnten verschwinden. Bei großen Instituten wechselt voraussichtlich nur der Besitzer. Ein Teil der bisherigen Kunden wird dem Platz den Rücken kehren. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es auch weiterhin einen Bedarf an grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungen geben wird. Damit wird auch das Privatkundengeschäft eine wichtige Säule des Bankenplatzes bleiben. In diese Zukunft investieren will z.B. die Unicredit Luxembourg, die nach der Verschmelzung mit der HVB Banque das paneuropäische Geschäft mit Privatkunden ausbauen will. Die Gelegenheit dazu scheint für den italienischen Bankriesen angesichts des reichhaltigen Angebots geradezu ideal zu sein.

Die DZ Bank International, die vor kurzem zum besten deutschsprachigen Vermögensmanager in Luxemburg ausgezeichnet wurde, plant langfristig am hiesigen Standort. Auch andere Konzerne werden ihre internationale Plattform ausbauen. Vermögende Kunden lassen sich allerdings nicht mehr mit Hilfe traditioneller Standortvorteile anziehen. Statt mit schrumpfenden Souveränitätsnischen muss sich der Finanzplatz mit eigenen Kompetenzen im Wettbewerb behaupten. Luxemburg hat über viele Jahre Erfahrungen aufgebaut und muss künftig mit der Qualität seiner Leistungen überzeugen. Diesen Wandel gilt es jetzt zu vollziehen.

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