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INTERVIEW mit dem neuen ABBL-Präsidenten: “Das Privatkundengeschäft in Luxemburg hat eine Zukunft unabhängig vom Bankgeheimnis”

Ernst Wilhelm Contzen leitet die Niederlassung der Deutschen Bank im Großherzogtum und wurde kürzlich als erster Deutscher zum Präsidenten der Luxemburger Bankenvereinigung ABBL gewählt. Im Interview mit eFinancialCareers spricht Contzen über die Zukunft und die Vorzüge des Luxemburger Finanzplatzes.

eFC: Herr Contzen, Sie wurden als erster Deutscher zum Präsidenten der Luxemburger Bankenvereinigung ABBL gewählt. Wie wollen Sie die ABBL wirksam vertreten und welche speziellen Herausforderungen bringt dies für einen Deutschen mit sich?

Ernst Wilhelm Contzen: Die ABBL, und somit auch den Finanzplatz Luxemburg, vertrete ich am wirksamsten indem ich den Dialog mit allen Akteuren pflege, seien es die Mitglieder der ABBL, politische Entscheidungsträger oder die Aufsichtsbehörden. Es ist meine Aufgabe, Anregungen zu geben, um den Finanzplatz Luxemburg nach vorne zu bringen. Es ist eine Herausforderung, der ich mich mit Freude und viel Energie stelle. Die Nationalität spielt dabei keine Rolle. Luxemburg ist ein internationaler Finanzplatz mitten in Europa. Ich fühle mich als echter Europäer und setze mich voll und ganz für das Wohl des Finanzplatzes ein.

eFC: Durch die Finanzkrise werden die Karten neu gemischt. Welche Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für den Finanzplatz Luxemburg?

Ernst Wilhelm Contzen: Es gehörte schon immer zu den Stärken des Finanzplatzes, sich schnell an Änderungen anzupassen und neue Regelungen rapide und vorteilhaft zugunsten der Kunden umzusetzen. Trotz steigender Tendenz zur Harmonisierung, bin ich überzeugt, dass Luxemburg sich weiterhin durch seine Reaktionsfähigkeit und auch durch seine Stabilität hervorheben kann. Luxemburg wird sich auch in Zukunft als Zentrum für das internationale Kreditgeschäft behaupten. Das Geschäft mit der Verwaltung von Pensionsfonds entwickelt sich ebenfalls erfolgversprechend. Was den Fondsbereich betrifft, bieten die kommende Hedgefondsmanager-Richtlinie sowie die Neufassung der OGAW-Richtlinie ein enormes Entwicklungspotenzial für den Luxemburger Finanzplatz.

eFC: Das Bankgeheimnis neigt sich dem Ende zu. Welche Auswirkungen hat dies auf den Finanzplatz?

Ernst Wilhelm Contzen: Das Bankgeheimnis in seiner traditionellen Form neigt sich dem Ende zu. Es ist aber wichtig, dass Luxemburg weiterhin die Privatsphäre der Kunden schützt. Wir müssen einen strikten Respekt der Privatsphäre beibehalten. Deshalb bleibe ich ein absoluter Gegner eines automatischen Informationsaustauschs. Es kann nicht sein, dass andere Länder mehr von Luxemburg verlangen, als das, was sie selbst von ihren Bürgern einfordern. Eines ist jedoch klar: das Privatkundengeschäft in Luxemburg hat eine Zukunft unabhängig vom Bankgeheimnis.

eFC: Ganz konkret: Wo liegen die Vorteile Luxemburgs gegenüber London, Frankfurt und Zürich?

Ernst Wilhelm Contzen: Luxemburg ist ein durch und durch internationaler Finanzplatz im Herzen Europas. Wie kein anderer Finanzplatz dieser Welt, haben wir es geschafft, uns auf das grenzüberschreitende Finanzgeschäft zu spezialisieren. Unsere Produkte und Finanzdienstleistungen werden auf der ganzen Welt vermarktet und geschätzt. Luxemburg hat es geschafft, in den vergangenen Jahren zu einer “Marke” im Finanzwesen zu werden, die für Stabilität, Kontinuität und höchste Qualität steht.

eFC: Welche Relevanz haben die UCITS für Luxemburg?

Ernst Wilhelm Contzen: UCITS, oder OGAW, spielten und spielen weiterhin eine sehr große Rolle in
der Entwicklung des Luxemburger Finanzplatzes. 1988 hat Luxemburg als erstes Land die OGAW-Richtlinie umgesetzt und sich innerhalb weniger Jahre zum zweitgrößten Fondszentrum der Welt entwickelt. Die Luxemburger Fondsindustrie ist eng mit der Luxemburger Bankenwelt verflochten. Zusammen bilden sie den Motor der Luxemburger Wirtschaft und machen Luxemburg zu einem der Top-Finanzplätze weltweit.

eFC: In der Mercer-Erhebung nach den lebenswertesten Städten rund um den Globus hat Luxemburg deutlich schlechter abgeschnitten als die einschlägigen deutschen und Schweizer Finanzzentren. Was lieben Sie am Leben in Luxemburg ganz besonders?

Ernst Wilhelm Contzen: Ich lebe seit mittlerweile fast zwölf Jahren in Luxemburg – was ich daran liebe, ist die hohe Lebensqualität und die Vielfältigkeit. Luxemburg bietet alles, und für jeden etwas! Einerseits zeigt sich Luxemburg als Weltstadt mit viel Expertenwissen, internationalem Kulturangebot auf höchstem Niveau und geht mit der Zeit. Andererseits genießt man in Luxemburg die Natur, die vielen Sehenswürdigkeiten, die wunderschöne Landschaft entlang der Mosel. Und nicht zu vergessen: Ich weiß nicht, ob es noch einen Fleck gibt auf der Erde, an dem sich auf so engem Raum so viele Spitzenköche finden, und der passende edle Tropfen wächst auch noch vor der Tür. Kurzum: Was will man mehr?

eFC: Vielleicht spielt so mancher Deutscher auch mit dem Gedanken, in Luxemburg sein Glück zu suchen. Worauf müssen Deutsche im Großherzogtum ganz besonders achten, um nicht anzuecken?

Ernst Wilhelm Contzen: Luxemburg ist ein weltoffenes und kulturell vielschichtiges Land, wie bereits erwähnt, ein internationaler Finanzplatz. Da spielt die Nationalität der Herkunft keine Rolle. Aber, wenn man als “Gast” in dieses Land kommt, gehört es dazu, das Land kennenzulernen, die Mentalität zu erkunden und sich selbst einzubringen. Dazu gehört auch, sich mit der leidvollen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

eFC: Welche Qualifikationen werden von den Luxemburger Banken ganz besonders gesucht und wie gut müssen die Französischkenntnisse ausfallen?

Ernst Wilhelm Contzen: Die gesuchten Qualifikationen variieren natürlich stark je nach Geschäftsbereich. Da Luxemburg sich auf hochwertige Tätigkeiten und Produkte spezialisiert hat, werden hier weiterhin hoch qualifizierte Mitarbeiter gesucht. Was die Französischkenntnisse angeht, so hängt dies stark von den einzelnen Banken und Tätigkeitsbereichen ab. Dreisprachigkeit ist eine Selbstverständlichkeit, wobei Englisch ein “Must” als Lingua franca der Luxemburger Finanzwelt ist. Wünschenswert ist natürlich auch das Beherrschen der französischen Sprache hier in Luxemburg.

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