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Wirtschaftsprüfer warnen Luxemburg vor schleichenden Bedeutungsverlust

Die Gesamtbilanz der deutschen Banken im Großherzogtum Luxemburg für das Jahr 2008 fällt einem Bericht von Price Waterhouse Coopers (PWC) viel schlechter aus als in der Vergangenheit.

Laut Angaben des Wirtschaftsprüfungsunternehmens ist die Bilanzsumme der 42 deutschen Banken in Luxemburg 2008 wegen der Finanzkrise auf 52 (minus 16) Mrd. Euro gesunken. Am stärksten hat sich der Negativtrend auf die Landesbanken und die mittelgroßen Banken ausgewirkt.

Während eines Vortrags an der Universität Trier sagte der deutsche Botschafter in Luxemburg, Hubertus von Morr, dass im Großherzogtum wohl schon bald mehrere Niederlassungen vor allem von deutschen Landesbanken vor dem Aus stünden. Davon seien vor allem deutsche Grenzgänger betroffen. Sie stellten die Mehrzahl der Beschäftigten bei den betroffenen Bankfilialen.

Auch andere Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind für die weitere Entwicklung skeptisch.
“Der Finanzplatz Luxemburg hat spätestens im Jahre 2003 die Chance versäumt, sich neu aufzustellen und ein neues Profil zu gewinnen”, sagte Walter Koob, Partner bei der Beratungsfirma KPMG, vorm International Bankers Forum in der LB Lux.

Koob ist Spezialist für den deutschen Teil des Finanzplatzes, für dessen generelle Entwicklung und auch für die Investmentfonds. Die Schwächen Luxemburgs als Finanzplatz seien 2001/02 beim Platzen der Internetblase deutlich geworden. Da es damals aber relativ schnell wieder bergauf gegangen sei, habe man sich nicht die Mühe gemacht, an ihnen zu arbeiten. In der neuen Krise würden die Schwächen des Finanzplatzes nun aber wieder sehr deutlich werden.

Das Großherzogtum muss derzeit mehrere Baustellen gleichzeitig bearbeiten: Da ist die zum einen die Aufarbeitung des Madoff-Skandals, der Luxemburgs Rolle als Custodian in Mitleidenschaft gezogen hat.

Aber auch die Insolvenzen mehrerer Banken aus Island hat das Land schwer getroffen. Auch die Diskussion um graue und schwarze Listen und die Debatte um Steueroasen belasten den guten Ruf des Finanzplatzes.

Nach Ansicht von Koob sei aber auch die Tatsache besorgniserregend, dass hiesige Geldmarktfonds ein Vermögen von 300 Mrd. Euro angesammelt haben. Würde ein Fonds in Schwierigkeiten geraten, könnte das einen Domino-Effekt auslösen und sich auf ganz Europa auswirken.

Auf Dauer, daran ließ Koob keinen Zweifel, ist die Zwei-Säulen-Strategie des Landes nicht tragfähig sein. Man könne in der jetzigen Form keinen Finanzplatz aufrechterhalten, der sich auf Vermögensverwaltung und auf die Fondsindustrie stütze. Beide hingen ab von der Entwicklung der Kapitalmärkte.

Luxemburg ist zu verwaltungslastig geworden. Das führe zu zwei Punkten, die dem Land international schadeten. Luxemburg verfüge nicht über eine genügende internationale Profilierung und auch nicht mehr über eine genügende Anziehungskraft für Führungskräfte.

Das zeige sich auch in den Verwaltungsräten. Sei es früher bei den internationalen Banken normal gewesen, die Vorstände der Mutterhäuser in die Luxemburger Verwaltungsräte zu entsenden, so würden heute die Mitarbeiter auf den Ebenen unterhalb des Vorstandes zur Kontrolle nach Luxemburg geschickt.

Das tut dem Ansehen Luxemburgs nicht gut, sagte Koob. Weltweit befände sich das Land nicht unter den ersten 15 beim Rating der Finanzplätze. London, die Schweiz, Paris, in Asien Singapur, Hongkong, Dubai, aber auch die Bermudas hätten ein höheres Ansehen.

Luxemburg müsse insbesondere bei der Infrastruktur deutlich zulegen, um international attraktiv zu werden. Diese Attraktivität benötige das Land aber im Wettbewerb um die Vermögen, die man für die Vermögensverwaltung suche.

Und noch ein Trend droht dem Standort zu schaden: die Renationalisierung des Bankwesens. Nach der Wirtschaftskrise sind offenbar viele Regierungen, aber auch die EU-Kommission der Meinung, dass Auslandsgeschäfte per se Risikogeschäfte sind.

Wenn die Finanzkonglomerate dann auf die Idee kommen, ihre Doppelstrukturen zu prüfen, dann werden sich noch mehr Banken als bisher fragen, ob man eine Struktur in Luxemburg benötigt.

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