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INTERVIEW: Mit dem deutschen Co-Head von Morgan Stanley’s Investmentbanking im Mittleren Osten: Wieso sich Karriere-Umwege auszahlen können

Klaus_Froehlich

Klaus Fröhlich hat fast sein ganzes Berufsleben bei Morgan Stanley verbracht. So hat er bei dem Unternehmen seine Karriere begonnen und ist dort sukzessive die Karriereleiter aufgestiegen.  Dennoch verlief sein Karriereweg keineswegs geradlinig. Laut Fröhlich zählt in dieser Branche ebenso das Glück wie harte Arbeit.

Wie sind Sie in die Finanzdienstleistungen eingestiegen?

Nach meiner Schulzeit habe ich kein Studium aufgenommen, sondern direkt mit einer Banklehre mein Berufsleben angefangen. Anschließend habe ich mich gegen die Wehrpflicht und für den Zivildienst entschieden und auf diese Weise habe ich per „Anderem Dienst im Ausland“ Anderthalbjahre in einem Waisenhaus in Lateinamerika gearbeitet. Erst danach entschloss ich mich zu einem Studium an der London School of Economics, während dessen ich mir ein Sommerpraktikum bei einer französischen Investmentbank sichern konnte, wo ich im Equity Capital Markets-Team arbeitete.

Als das zu Ende ging, boten sie mir eine Stelle für zwei Tage in der Woche an, wo ich im deutschen ECM Team aushelfen sollte. Es handelte sich noch um die Zeit vor digitalisierten Datenbanken und daher benötigten sie einen Deutschsprachigen, um den dortigen Markt anhand von Zeitungsartikeln, Hoppenstedt etc. zu analysieren. Mir gelang es dann im Jahr 2000, eine Vollzeitstelle bei Morgan Stanley zu erlangen.

Welchen Rat würden Sie Leuten mitgeben, die ins Investmentbanking einsteigen wollen?

Ich würde sagen, dass ein interessanter und abwechslungsreicher Lebenslauf weiterhilft. Meiner Meinung nach ist es in Ordnung zu experimentieren und sich eine Auszeit fürs Reisen zu nehmen. Doch wenn Sie am Ende Ihres Studiums nur ein zweimonatiges Praktikum vorweisen können,  dann stellt sich die Frage, wie Sie im Wettbewerb bestehen wollen? Sie benötigen praktische Erfahrung, denn es gibt eine Menge kluger Leute mit erstklassigen Abschlüssen von Spitzenuniversitäten. Daher müssen Sie einen Weg finden zu zeigen, was Sie sonst noch anzubieten haben.

Was zählt am meisten: Talent oder harte Arbeit?

Beides und ich füge noch ein Drittes hinzu: ein bisschen Glück. Sie brauchen schon eine gesunde Intelligenz und Talent, um in irgendeiner Investmentbanking-Stelle voranzukommen. Doch wenn Sie nur klug und faul sind, dann kommen Sie nicht weiter. Selbst wenn Sie clever sind und hart arbeiten, ist das Leben voller Überraschungen und Sie brauchen ein wenig Glück auf Ihrer Seite. Daher denke ich, dass eine Kombination von allen drei Faktoren wichtig ist.

Verlief Ihre Karriere konventionell oder ungewöhnlich?

Ungewöhnlich. Wie ich schon gesagt habe, habe ich im Retailbanking gearbeitet, aber dann habe ich etwas vollkommen anderes gemacht, bevor ich ins Investmentbanking gelangt bin. Eine ungewöhnliche Karriere kann Ihnen tatsächlich weiterhelfen. Ich denke, dass mein Background mir zu einer abgerundeten Persönlichkeit verholfen hat. Wenn Sie mit Kunden umgehen und Beziehungen aufbauen, dann ist es gut, etwas Unkonventionelles und Interessantes vorweisen zu können, über das Sie – abseits der Arbeit – sprechen können.

Welche Tipps können Sie Investmentbankern mitgeben, die über einen Wechsel in den Mittleren Osten nachdenken?

Zunächst ist es hilfreich, wenn Sie schon an verschiedenen Orten gearbeitet haben, bevor Sie hierher ziehen. Berufserfahrung und „Best Practice“ z.B. aus London, Hongkong oder New York sowie breitere Fachkenntnisse sind sehr nützlich im Mittleren Osten. Zweitens sollten Sie es nicht als einen kurzfristigen Auslandsaufenthalt verstehen, denn es braucht Zeit, um die Bedürfnisse der Kunden zu verstehen, die Art und Weise wie hier Geschäfte betrieben werden und ein Netzwerk von Kontakten aufzubauen. Kurzaufenthalte für zwölf oder 18 Monate sind daher nicht unbedingt angebracht.

Was sind die Hauptvorteile, im Mittleren Osten zu arbeiten und was die Nachteile?

Der Vorteil besteht darin, dass Sie geographisch in der Mitte der Welt sitzen und daher handelt es sich um einen viel globaleren Job als – sagen wir mal – in Frankreich oder Deutschland zu arbeiten. Wir haben mit Kunden zu tun, die aufgrund des Ölreichtums des Mittleren Ostens zu den Hauptexporteuren von Kapital zählen. Ich habe mehrmals wöchentlich mit z.B. London, Hongkong, Johannesburg oder New York zu tun. Mein Job besteht nicht darin, mit den „lokalen“ Bankern im Mittleren Osten zu konkurrieren, sondern unseren Kunden das globale Netzwerk und den Ideenstrom von Morgan Stanley zur Verfügung zu stellen.

Der einzige Nachteil besteht in der Sommerhitze, doch das stört mich nicht allzu sehr – ich ziehe dies dem grauen und kalten Wetter vor.

Es handelt sich um eine schwierige Zeit fürs Investmentbanking im Mittleren Osten. Glauben Sie, dass es wieder aufwärts geht?

Wenn Sie eng auf ein besonders Produkt wie Börsengänge spezialisiert sind, dann ja, dann wird Ihrer Karriere wahrscheinlich keine lange Lebensspanne beschieden sein, weil der ECM-Markt derzeit einfach nicht über genügend Volumen verfügt. Doch wenn man breiter aufgestellt ist, dann kann man solche zyklischen Trends überwinden: Bei den Anleihe-Emissionen ging es recht aktiv zu in den zurückliegenden Jahren und es gibt eine anständige Menge an M&A-Aktivitäten, besonders bei den Staatsfonds in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar. Es herrscht auch nach wie vor hoher Bedarf für Advisory bei Non-Thomson-Transaktionen, die es niemals in die Schlagzeilen schaffen.

Was wissen Sie heute, was Sie gerne vor 15 Jahren gewusst hätten?

Was die Karriere betrifft, bin ich zufrieden, wie sich die Dinge entwickelt haben. Ich wache also nicht am Morgen mit dem Gefühl auf: „Hätte ich das bloß gewusst….“  Das einzige, was ich mir wünschte, ist, dass ich die Entwicklung des Aktien- und Immobilienmarktes besser vorhergesehen hätte  (besonders in Dubai!) Wenn Sie hart arbeiten, dann finden Sie kaum noch Zeit, um einen gerissenen Privatanleger abzugeben.

Stellen Sie sich vor, ich wollte für Sie arbeiten, welche Eigenschaften sollte ich mitbringen, damit Sie mich einstellen?

Harte Arbeit, Talent und Ehrlichkeit. Es herrscht ein starker Wettbewerb, die Kunden erwarten Lösungen für komplexe Probleme und daran haben Sie zu arbeiten. Sie sollten Talent mitbringen, da ich der Meinung bin, dass Leute, die von Natur aus klug sind, ihre harte Arbeit üblicherweise effizienter einsetzen. Ehrlichkeit ist extrem wichtig, insbesondere wenn es um schlechte Nachrichten geht. Etwas zu verstecken und dabei ertappt zu werden, kann ein unverzeihbarer Fehler sein.

Worin besteht ein todsicherer Weg, damit Sie mich NICHT einstellen?

Da kann ich nur wiederholen: Unehrlichkeit. Bei einigen Gelegenheiten habe ich schon Vorstellungsgespräche abgebrochen, wenn jemand eindeutig nicht aufrichtig zu mir war.  Falls es z.B. ein Loch in Ihrem Lebenslauf gab, weil Sie freigestellt worden sind, dann sollten Sie nicht versuchen, mich mit Ausflüchten zu täuschen wie: „Ich bin gegangen, weil ich mich nicht genug gefordert fühlte im Downturn“ oder „Ich wollte eine Auszeit nehmen.“ Im gegenwärtigen Umfeld werden viele Leute entlassen und dann bevorzuge ich, wenn sie dies ehrlich sagen. Wenn mir einer das erklärt, dann bekommt er von mir Pluspunkte und wenn Sie in einem Vorstellungsgespräch nicht aufrichtig sein können, dann besteht eine große Chance, dass Sie es auch in Ihrem Arbeitsalltag nicht sind.

Sie arbeiten seit zwölf Jahren bei Morgan Stanley, worin besteht das Geheimnis, bei einem Arbeitgeber Karriere zu machen?

Geduld. Wenn Leute bei  einer Investmentbank anfangen, dann wollen Sie gleich nach den Sternen greifen, doch die Wahrheit ist, dass es harter Arbeit und Geduld bedarf, um in der Karriere voranzukommen. Beim Investmentbanking handelt es sich um eine zyklische Branche. Es gibt Zeiten, wenn Unternehmen wachsen und es eine Menge Chancen gibt und es gibt magerere Zeiten. Wenn jemand für einige Zeit als Vice President fest sitzt und denkt, dass er es eigentlich zum Director-Level gebracht haben sollte, dann ist es verführerisch, das Handtuch zu werfen und es bei einem anderen Unternehmen zu versuchen.

Doch wenn Sie in der gleichen Bank bleiben, dann verfügen Sie über ein viel besseres Netzwerk, eine effizientere Arbeitsweise und sind letztlich weitaus produktiver. Wenn Sie bereits wissen, wie die Dinge funktionieren, dann verlieren Sie keine Zeit damit, die Arbeitsprozesse zu lernen. Und immer wenn Sie das Unternehmen wechseln, erfinden Sie das Rad neu. Sie müssen mit den neuen Prozessen zurechtkommen, neue Netzwerke aufbauen und immer härter arbeiten, um sich selbst zu beweisen. Das ist nicht gut für die Work-Life-Balance.

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