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GASTKOMMENTAR: Ich bin nicht überqualifiziert, aber über 40

Mensch über 40.

Mensch über 40.

Als ich meinen Job als Manager im Middleoffice eines führenden Asset Managers vor einigen Jahren verloren hatte, ahnte ich nicht, dass ich irgendwelche Probleme haben würde, eine andere Stelle zu finden. Denn immerhin brachte ich fast 20 Jahre Berufserfahrung innerhalb des Investmentgeschäfts mit, viele davon in leitenden und trainierenden Funktionen. Ich verfügte über eine ganze Reihe an Qualifikationen und ein Netzwerk an nützlichen Kontakten. Mit einem anständigen Abfindungspaket in der Hinterhand und der noch bevorstehenden Krise bestand mein Plan darin, mich für ein, zwei Monate mit meinem Garten zu beschäftigen, einige gute Zeit mit meiner Familie zu verbringen und anschließend mit der Jobsuche zu beginnen.

Dabei hatte ich jedoch einen wichtigen Faktor übersehen: Ich war über 40. Als ich ernsthaft mit der Jobsuche begann, schienen meine Versuche, einen Job zu finden, dem Schema zu folgen: „Und täglich grüßt das Murmeltier.“ Ich meldete mich bei Recruitern, was nahezu immer recht positiv ausfiel – zunächst. Deren Standardantwort lautete: „Ja, toller Lebenslauf mit viel Berufserfahrung.“ Doch anschließend wurde ich nur zu sehr wenigen Vorstellungsgesprächen eingeladen, die überdies noch lange auseinander lagen. Das Feedback, soweit ich denn überhaupt eines erhielt, fiel nichtssagend aus. Es lautete immer: „Sie waren von Ihnen wirklich beeindruckt, aber es gab da noch einen anderen, der…“

Erfundene Ausreden

Zwei Ereignisse sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Zum einen ging es um eine Sechsmonatsstelle in einer Custody-Bank. Ohne überheblich klingen zu wollen, handelte es sich um eine Arbeit, die ich mit geschlossenen Augen leisten konnte. Das Vorstellungsgespräch lief tatsächlich sehr gut. Doch als ich einige Tage später bei dem Recruiter anrief, um ein Feedback zu erhalten, wurde mir förmlich mitgeteilt, dass die Stelle wieder eingezogen wurde „weil kein geeigneter Kandidat zur Verfügung stand.“

Zum anderen ging es um einen ausführlichen Eignungstest, bei dem ich sehr gut abschnitt.  Doch letztlich wurde ich abgelehnt, weil ich …. überqualifiziert gewesen sei. Nachdem ich Blogs auf anderen Websites gelesen habe, bin ich gewiss nicht die einzige Person mit solchen Erfahrungen. Auch Direktbewerbungen hatten ebenfalls wenig Erfolg. Das Networking führte zu ein oder zwei Treffen zum Mittagessen, ein paar Vorstellungsgesprächen sowie ein paar Arbeitstage hier und da – aber zu nicht mehr.

Als ich einer Reihe von Finanzdienstleistungs-Recruitern vorschlug, es in einem anderen Sektor zu versuchen und sich dabei auf übertragbare Kompetenzen zu stützen, wurde ich üblicherweise mit einer solchen Bemerkungen abgespeist: „Sie haben nicht die Zeit, Leute einzuarbeiten“ oder „Für Traineepositionen wollen sie nur Absolventen haben.“  Zögerlich musste ich feststellen, dass es sich lediglich um einen kodierten Ausdruck dafür handelt, dass ich als zu alt betrachtet wurde. Daher habe ich einen Karriereschwenk unternommen, der glücklicherweise sehr gut funktionierte.

Kommentare (1)

Comments
  1. Hallo “Anonym”,

    ich durchlebe aktuell eine ganz ähnliche Situation … Einiges an Bewerbungen, wenig Erfolg … aber dank Antidiskriminierungsgesetz traut sich wohl niemand, einem die unangenehme Wahrheit zu sagen, zu alt zu sein …

    Mich würde interessieren, wie Dein “Karriereschwenk” ausgesehen hat, einfach für mich als Anregung, da ich mich auch anderweitig umschauen muss …

    VG

    Shredder

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