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INTERVIEW mit einem Hedgefonds-Manager: Um es wirklich zu etwas zu bringen, müssen Sie für sich selbst arbeiten

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Slava Rabinovich ist Chef des Hedgefonds Diamond Age Capital Advisors in Moskau, der ein Vermögen von 105 Mio. US-Dollar verwaltet. Wir haben mit Rabinovich über seine Karriere und das Leben im Allgemeinen gesprochen.

Wie sind Sie in die russische Hedgefonds-Branche gelangt?

1996 hatte ich gerade die Stern School of Business an der New York University abgeschlossen und besuchte Vorstellungsgespräche mit Investmentbanken mit der Absicht, an der Wall Street zu arbeiten. Ich führte jedoch auch Gespräche mit Investmentbanken aus Russland wie Renaissance Capital, Alfa Bank, Creditanstalt etc. Dann erhielt ich plötzlich einen Anruf von Bill Browder, dem Gründer von Hermitage Capital Management, dem mein Lebenslauf von gemeinsamen Bekannten gezeigt worden war. Nach einem ausgedehnten Vorstellungs-Prozess bei Hermitage erhielt ich ein Stellenangebot und ich dachte, dass es in der nächsten Zukunft im Vergleich zum Banking schwierig wäre, ins Asset Management zu gelangen, wenn ich dies nicht annehmen würde. Dieser Aspekt der Finanzwelt hatte mich schon an der Business School fasziniert, wo ich ein Mitglied des Investment Management-Clubs gewesen war. Also entschloss ich mich, nach acht Jahren in den Vereinigten Staaten nach Russland zurückzugehen.

Was hat Sie dazu inspiriert, Ihren eigenen Fonds aufzumachen? Welche Ressourcen standen Ihnen hierfür zur Verfügung?

Ich wollte mein kreatives Potenzial umsetzen, mein eigener Chef sein und Geld verdienen. Mir standen zwei Mio. Dollar von Freunden und meiner Familie zur Verfügung. Mein erster Schritt bestand darin, mich nach einem sogenannten Anker-Investor umzuschauen, der einen Anteil am Geschäft für die Einbringung von Kapital in den Fonds erhalten würde.

Doch schnell stellte sich heraus, dass es keine leichte Aufgabe darstellen würde, einen solchen Investor zu finden. Denn viele wollten einen unverhältnismäßig hohen Unternehmensanteil erhalten, benötigten zu lange, um sich zu einer Entscheidung durchzuringen oder verlangten andere Auflagen, die in diesem Geschäft ungerechtfertigt sind. Kurz, meine Bemühungen haben mich dazu gebracht, meinen eigenen Fonds und eine unabhängige Fondsgesellschaft ohne Anker-Kapital zu gründen, klein anzufangen und sukzessive Investments im Fonds anzusammeln, das üblicherweise nicht von Anker-Investoren stammte.

Wie unterscheiden sich russische Finanzprofis von ihren westlichen Kollegen? Fällt die Kultur sehr unterschiedlich aus?

In der russischen Unternehmenskultur gehen Leute zur Arbeit, um dort Freunde zu finden und in der amerikanischen Unternehmenskultur gehen die Leute zur Arbeit, um zu arbeiten.

Doch wenn Sie Spezialisten auf dem gleichen Level vergleichen, dann gibt es dort kaum Unterschiede. Nehmen Sie z.B. Stephen Jennings, den Hauptaktionär von Renaissance Capital. Jennings wird sich überall treu bleiben. Und all die Spitzenkräfte in der Bank, gleich ob es Russen, Amerikaner oder andere Ausländer sind, weisen alle das Kaliber von Wall Street-Banken auf.

Woran mangelt es Ihrer Meinung nach dem russischen Finanzmarkt?

Da könnte ich Ihnen eine Liste mit 100 oder sogar 1000 Punkten geben. Die verbleibenden Staatsunternehmen müssen so schnell wie möglich privatisiert werden. Die Gesetze und Vorschriften müssen so weiterentwickelt werden, um Hedgefonds in Russland zu gründen, die die gleichen Geschäfte onshore im eigenen Land machen dürfen, die derzeit nur außerhalb Russlands möglich sind. Das Rentensystem muss reformiert werden, um die Entwicklung privater Rentenfonds zu fördern, um dann Kapital anzusammeln, das auf dem Kapitalmarkt mit einem langen Investment-Horizont verfügbar ist. Was die Struktur des Finanzmarktes betrifft, könnten viele Dinge von Hongkong oder Singapur kopiert werden – das Rad muss nicht neu erfunden werden. Es lohnt sich Jim Rogers zuzuhören, der selbst mit seiner Familie aus den USA nach Singapur umgezogen ist und hat diesen Schritt aus verschiedenen Blickwinkeln erklärt – inklusive den Investmentgründen.

Worauf achten Sie, wenn Sie Leute für Ihr Unternehmen einstellen? Was stellt einen todsicheren Weg dar, um von Ihnen NICHT angestellt zu werden?

Als kleines Unternehmen haben wir uns nie Headhuntern bedient und wir verfügen auch über keine HR-Abteilung. Jeder, der hier arbeitet, wurde uns von Freunden und Bekannten empfohlen. Ein todsicherer Weg, nicht eingestellt zu werden, wäre unangemessene Arroganz in Verbindung mit unzureichender Sachkenntnis.

Viele Leute wollen einige Jahre bei einer Investmentbank arbeiten, bevor sie ihr eigenes Geschäft aufmachen. Doch oftmals verschieben sie diese Pläne. Welchen Rat würden Sie ihnen mitgeben?

Da kann ich nur Steve Jobs zitieren: „Bleiben Sie hungrig und albern.“

Halten Sie Moskau und Russland für Orte, wo man immer noch das ganz große Geld machen kann?

Sicher ist das noch immer möglich. Geld kann praktische überall und zu jeder Zeit gemacht werden, sofern Sie nicht in Nordkorea oder im Iran sind. Doch es ist sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich Milliarden zu verdienen, wenn Sie für jemanden anders als für sich selbst arbeiten.

Bleibt es für russische Finanzprofis sinnvoll, Berufserfahrung im Ausland zu sammeln?

Niemand wurde jemals von der Erfahrung, im Ausland gelebt zu haben, behindert, so lange die Erfahrung positiv war, d.h., so lange die Leute die Zeit im Ausland für die Weiterentwicklung ihrer Karriere oder Persönlichkeit genutzt haben. Besonders hilfreich ist es, wenn Leute im Ausland studieren und dort einen Abschluss machen, gleich ob es ein MBA oder ein Master in Engineering von einer Top-Uni ist. Man kann seinen Kopf nicht in den Sand stecken und seine Umgebung preisen, wenn man nicht weiß, wie es andernorts aussieht.

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