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GASTKOMMENTAR: Wer nur Vorstellungsgespräche durchführt, um Informationen zu sammeln, beleidigt meine Intelligenz

“Einst habe ich Ihren Chef angeheuert”, dabei handelt es sich bestimmt um keine gute Idee, um das Eis bei einem Vorstellungsgespräch zu brechen. Dies leitete ein reichlich misslungenes Vorstellungsgespräch bei einem Unternehmen ein, das mich m.E. niemals ernsthaft für die ausgeschriebene Stelle in Betracht zog.

Vielmehr ist es für mich überdeutlich, dass der wahre Grund der Einladung darin bestand, mir Informationen aus der Nase zu ziehen. Am Gesprächsende war bereits klar, dass es zu keinem zweiten Vorstellungsgespräch kommen würde. Dabei wurden obskure Ausflüchte vorgebracht, wieso ich nicht auf das Anforderungsprofil passen würde. Argumente, die bereits durch einen flüchtigen Blick auf meinen Lebenslauf ersichtlich waren, bevor ich auch nur durch die Tür gekommen war.

Ich hatte das Recht, ernst genommen zu werden. Auf dem Papier war ich ein passender Kandidat. Ich verfügte über die richtigen Fähigkeiten, die passende Berufserfahrung und den passenden Hintergrund. Denn ich hatte bereits einige Jahre im M&A einer Großbank gearbeitet und einige mehr auf der Buyside.

Schon bevor das Vorstellungsgespräch stattfand, gab es Anzeichen, dass es bei ihnen keine Priorität besaß. So wurde der Termin mehrfach verschoben, weil der betreffende Vorgesetzte in spe von “Meetings mit institutionellen Investoren sehr in Anspruch genommen” würde. Und als es schließlich tatsächlich stattfand, begann das Gespräch zu spät und ich verbrachte unnötigerweise eine Stunde am Empfang mit Zeitungslesen.

Ich weiß, was ich erwarten darf. Bei der Website handelte es sich um Standardkost in der Private Equity-Branche: Fotos von braungebrannten Mitarbeitern mit allerlei elitären akademischen Titeln und einigen Jahren Berufserfahrung in renommierten Investmentgesellschaften oder Investmentbanken. Als mein Gesprächspartner letztlich doch auftauchte, enttäuschte er meine Erwartungen nicht: Mit gut sitzendem Anzug, offenem Kragen, Slippern und perfekt gestyltem Haar schlüpfte er in den Ledersessel hinter seinem Mahagonitisch.

Die folgenden 25 Minuten bestanden in nichts anderem, als einer subtilen Untersuchung der Vorgänge bei meinem aktuellen Arbeitgeber. Wie verlief das jüngste Fundraising? Wer sind unsere Hauptinvestoren? Welche Deals haben wir uns angeschaut? Welche Farbe haben unsere Teppiche?

Zwischendurch checkte mein Gesprächspartner fortlaufend sein Blackberry. Dagegen kämpfte ich mit den Antworten, die einnehmend, aber nicht kompromittierend ausfallen sollten.

Dabei ist es leicht zu erkennen, wieso derartige Vorstellungsgespräche stattfinden. Gelegentlich bewegen sich die Märkte seitwärts und es gibt keine neuen Trends, die zu Geschäften reizen. Der Mann, mit dem ich mich traf, managte einen 1 Mrd. Dollar schweren Fonds in einer verschlafenen und intellektuell nicht sonderlich fordernden Branche. Er war glücklich, damit jedes Quartal seine Managementgebühren einzustreichen.

Er muss sich darüber bewusst gewesen sein, dass das nicht immer so weiter gehen werde, wenn nicht ein neuer Weg gefunden würde, Performance zu generieren. Mein Vorgesetzter ist dafür bekannt, intelligent zu sein, aber kein gutes Händchen im Umgang mit Menschen zu haben. Vielleicht könnten wir ja an einem neuen geheimen Deal arbeiten? Vielleicht könne er einfach vorgeben, mir einen neuen Job anzubieten, um mir dieses Geheimnis zu entlocken? Doch glücklicherweise, bin ich nicht so dumm!

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