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GASTKOMMENTAR: Es ist Zeit, realistisch zu sein und sich für einen Job im Backoffice zu bewerben

Sad man again

Seien wir ehrlich: Das Banking hat seinen Glanz verloren. Unter der glühenden Hitze der Staatsschuldenkrise haben sich die Bonuspools in Pfützen verwandelt und wir alle riskieren, vor die Tür gesetzt zu werden. Wenn man dann auch noch die beständige Bankerhetze in der Presse berücksichtigt, dann ist schwer zu erkennen, wo der Reiz des Bankings liegen soll. Daher ist es erstaunlich, dass so viele junge Leute in die Branche einsteigen wollen. Naive Uni-Absolventen und Migranten von den Big 4 stehen auch weiterhin zu Tausenden Schlange, allerdings sind sie in einer langen Ungewissheit gefangen. Die Zahl der Chancen hat sich beträchtlich verringert. Und falls die Märkte wieder anspringen sollten (falls das überhaupt eintritt), dann wird die erste Wahl der Banken diejenigen Nachwuchsbanker sein, die sie gerade haben ziehen lassen. Doch was können Sie unternehmen, wenn Sie ein aufstrebender Banker sind, dessen Ambitionen – in Frontoffice-Positionen wie Sales, Trading oder M&A zu arbeiten – hintertrieben wurden?

Geben Sie dem Backoffice eine Chance

Das Backoffice einer Investmentbank (die Verwaltungs- und Unterstützungs-Funktionen hinter der Szene) wird üblicherweise als das Ostberlin der Investmentbanking-Welt dargestellt. Als Angestellter einer Finance-Abteilung einer Großbank erzähle ich Ihnen mit Freude, dass dies nicht der Fall ist.

Ich will gerne zugeben, dass es sich um einen guten Arbeitsplatz mit großartigen Karrierechancen, freundlichen Kollegen, einer anständigen Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen handelt. Und das beste daran ist gerade jetzt die relative Jobsicherheit und meiner Meinung nach sind die Leute, mit denen ich zusammenarbeite, üblicherweise netter als diejenigen aus dem Frontoffice.

Falls Sie in einer Bank arbeiten wollen, dann gibt es so viele unterschiedliche Geschäftsbereiche, die Sie wählen können, wozu Finance, IT oder Marketing zählen. Mit anderen Worten: Das Backoffice stellt einen großartigen Ort dar, um sein Handwerk zu erlernen. Dort können Sie sich sowohl eine solide Karriere erarbeiten oder es als Sprungbrett zu einem dynamischeren Bereich im Banking nutzen.

Sicherlich sieht die Vergütung im Vergleich zum gefühlten Nirwana des Frontoffice bescheiden aus. Doch mittlerweile scheint es sich um den einzigen möglichen Einstiegsweg ins Banking für alle Leute zu handeln, die über keinen schussfesten Lebenslauf verfügen.

Seien Sie gewarnt

Vielleicht sind Sie jetzt bereit, dem Backoffice eine Chance zu geben. Doch diejenigen unter Ihnen, die machiavellistische Pläne hegen und das Backoffice als Sprungbrett zu einem Job im Frontoffice nutzen wollen, denen gebe ich zwei Ratschläge mit auf den Weg:

Erstens: Wenn Sie sich in einem Vorstellungsgespräch befinden, dann erwähnen Sie bitte Ihre Ambitionen fürs Frontoffice nicht. So habe ich zwei Bekannte, die todsichere Chancen auf einen Finance-Job im Investmentbanking hatten, und die geliefert waren, weil Sie zu freimütig von ihren wahren Karriereambitionen erzählten. Wieso sollte ein Kandidat eingestellt und ausgebildet werden, wenn er seinen Job nur als Notlösung betrachtet?

Zweitens: Wenn Sie sich bewerben, dann sollten Sie weder selbstgefällig noch arrogant auftreten. Glauben Sie mir, ich arbeite mit vielen schlauen Leuten zusammen: Leute mit erstklassigen Uniabschlüssen, Absolventen von Eliteuniversitäten, Promovierten und CFA-Absolventen. Sicherlich generieren wir selbst keine Erträge, aber wir kommen direkt von der Uni mit nichts anderem als einem Abschluss und hochfliegenden Plänen, ein Spitzenbanker zu werden. Daher sind Sie nicht in der Position, auf jemanden anderes herabzublicken.

Immer noch nicht überzeugt?

Falls Sie felsenfest direkt im Frontoffice anfangen wollen, dann glauben Sie mir, dass Ihnen ein langer und steiniger Weg bevorsteht. Falls Sie bereits über Berufserfahrung im Banking verfügen, ein gutes Netzwerk besitzen und sich selbst verkaufen können, dann haben Sie eine Chance.

Doch falls Sie nichts davon mitbringen, dann besteht womöglich in einem Backoffice-Einstiegsprogramm einer Bank Ihre einzige Option. Auch auf diese Positionen gibt es weit mehr Bewerber als Stellen und Sie werden mit den hellsten und besten Bewerbern aus aller Welt konkurrieren.

Am Ende fällt die Wahl leicht: Werden Sie sich auch weiterhin Tagträumereien hingeben, ein Star-Trader oder ein Dealmaker bei Goldman Sachs zu werden, oder sind Sie realistisch und schauen sich nach Chancen um, um eine feste Grundlage für Ihre Bankkarriere zu legen? Ich überlasse Ihnen die Entscheidung.

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