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Auch Deutsche Bank flüchtet aus Wien: Wie die Staatsschuldenkrise den Finanzplatz Österreich bedroht

Anders als auf dem Prater geht es auf dem Finanzplatz Wien nicht hoch hinaus.

Anders als auf dem Prater geht es auf dem Finanzplatz Wien nicht hoch hinaus.

Neben dem Medienrummel um das Downgrade Österreichs durch die Ratingagentur S&P ging eine andere bedrohliche Meldung für den Finanzplatz Wien unter. So versandte die Deutsche Bank kürzlich laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg eine Email an ihre Kunden, die es in sich hat. Demnach will das Institut sein Equities-Geschäft in Österreich deutlich verkleinern und seine Aktivitäten in größeren Standorten wie Frankfurt oder London konzentrieren.

Der deutsche Branchenprimus hat diese Pläne unterdessen bestätigt. Kündigungen schloss die Bank allerdings aus. Die Maßnahme wurde auf ungünstige Trends bei den Entwicklungen in Sales und bei den Margen zurückgeführt. Diese Nachricht ist umso beunruhigender, als es sich bei der Deutschen Bank um den Marktführer in Österreich im Investmentbanking und namentlich auch im Geschäft mit Equities handelt.

Damit kehrt nicht die erste Großbank im Investmentbanking der Alpenrepublik den Rücken zu. So hat die deutsche Unicredit-Tochter Hypo Vereinsbank bereits vor einigen Wochen verkündet, sich von ihrem Equities-Geschäft in Westeuropa zu trennen. Die Mitarbeiter wurden kurzerhand nachhause geschickt. Von der Maßnahme waren in Wien zwölf Mitarbeiter betroffen. Überdies schloss die französische Großbank Credit Agricole im vergangenen Jahr die Niederlassung ihrer Tochter CA Cheuvreux Brokerage in Wien.

Damit zeigt sich, dass besonders die kleinen Standorte von den umfangreichen Abbauprogrammen im internationalen Investmentbanking betroffen sein könnten. Die Banken beginnen ihre Teams an zentralen Standorten zu konzentrieren. Für österreichische Kunden bedeutet dies, dass sie künftig verstärkt von Frankfurt aus betreut werden dürften.

Doch nicht nur der Exodus internationaler Großbanken, sondern auch das Downgrade des österreichischen Staates von AAA auf AA+ (und das auch noch mit negativem Ausblick) zeugt von der Krise des Finanzplatzes Wien.

Denn abgesehen vom Hickhack der großen Koalition zwischen SPÖ und ÖVP in Wien über Sparmaßnahmen oder Steuererhöhungen stellt das Engagement der österreichischen Banken in Osteuropa eine massive Bedrohung dar. So sind die Institute allein in Ungarn – ein zweiter Fall Griechenland, nur außerhalb der Eurozone – mit 40 Mrd. Euro engagiert. Umgerechnet auf das wesentlich bevölkerungsreiche Deutschland würde dies einem Risiko von 400 Mrd. Euro gleichkommen. Und auch in anderen mittel-osteuropäischen Staaten sowie im kriselnden Italien sind österreichische Institute stark vertreten.

Von daher verwundert es kaum, dass der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) am heutigen Montag (16. Januar) einen Bankengipfel einberufen hat. Wie auch immer die Ergebnisse ausfallen werden, für die Mitarbeiter in der österreichischen Hauptstadt und den Finanzplatz Wien stehen die Zeichen auch weiterhin auf Sturm.

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