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GASTKOMMENTAR: Im Kampf Karriere machen oder wie Frauen in einer Investmentbank überleben

Die klugen Kommentare und die traurigen Befunde anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März sind längst verpufft und die unschönen Realitäten haben längst wieder die Oberhand gewonnen. Doch ein Jahr ist zu lang, um wieder über das Thema Frauen in Finance zu sprechen. Somit möchte ich Frauen konkrete Ratschläge für ihre Karriere geben. Doch mit ein wenig Glück dürften auch männliche Leser, wie ich hoffe, einige nützliche Karrieretipps in meinen Ausführungen finden.

Insgesamt habe ich zwölf Jahre im Handelssaal verbracht, wobei es sich um ein männliches Universum par Excellence handelt. Mit 28 Jahren leitete ich ein Team von 15 Personen. Obgleich die Sache ein wenig gerafft dargestellt ist, handelte es sich doch um einen rasanten Start und wie so viele Frauen bin auch ich in diesem Milieu nicht innerhalb der Bank aufgestiegen. Dennoch bedauere ich absolut gar nichts. Vielmehr habe ich die Bank verlassen, weil ich nicht mehr mit den Entscheidungen meiner Vorgesetzten übereinstimmte. Das hat mir erlaubt, mich mit einem fesselnden Unternehmensprojekt zu beschäftigen.

Dennoch bin ich überzeugt, dass der berufliche “Erfolg” von Frauen nicht davon abhängt, die Bank zu verlassen, auch wenn viele diesen Weg wählen. Darüber hinaus möchte ich in aller Bescheidenheit denjenigen einige Ratschläge geben, die ihren Aufstieg innerhalb der Bank fortsetzen wollen. Einige davon haben mir auch selbst geholfen und andere haben mir seinerzeit gefehlt, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

1. Sie sollten sich bewusst sein, wieso Sie in einer Investmentbank arbeiten wollen. Das Geld, der Ruhm, die persönliche Anerkennung, das intellektuelle Interesse, die täglich neuen Herausforderungen, das Adrenalin, der Wettbewerb oder die Tatsache, dass Sie eine der wenigen Frauen sind – dabei handelt es sich schon um genügend Motivation. Es ist wichtig, einen Sinn in Ihrer Motivation zu erkennen, da dies Ihnen Energie verleiht und Ihnen dabei hilft, Hindernisse zu umschiffen.

2. Finden Sie einen Mentor: Ihren Vorgesetzten, eine andere Führungskraft, jemanden, der daran interessiert ist, dass Sie die Sprossen hinaufklettern, und der da ist, um Ihnen Ratschläge zu geben und Ihnen dabei hilft, Fallen zu umgehen. Ihm können Sie Ihre Zweifel anvertrauen. Ich selbst habe mich während meines Aufstiegs dem Teamleiter anvertraut. Damals war ich eine junge Managerin ohne Ausbildung oder Berufserfahrung. So konnte ich Fehler vermeiden, und nachdem ich einige gemacht habe, konnte ich einfach Rat oder Unterstützung finden.

3. Reagieren Sie nicht vorschnell auf Provokationen oder auf schwierige Emails. Hüten Sie sich vor schriftlichen Spuren, die sich als fatal erweisen können. Fragen Sie bei Ihren Mentor um Rat, um eine delikate Situation zu meistern, Warten Sie ab, bevor Sie antworten.

4. Kommunizieren Sie klar Ihre finanziellen Vorstellungen über Ihren Bonus und zwar vor der Verhandlungssaison. Wissen Sie, wie man fragt, um etwas zu bekommen. Denn das Maß aller Dinge ist das Geld. Ich denke, dass ich selbst zu diesem Zeitpunkt schlecht verhandelt habe. Vielmehr blieb ich recht bescheiden – zu bescheiden in dieser Welt des Geldes.

5. Gehen Sie davon aus, dass Sie allein in einer Welt sind, die nur auf Ihren Fall wartet. Freundschaften sind unmöglich. Daher sollten Sie vermeiden, Ihre Bedenken oder Ihren Seelenzustand gegenüber Ihrer Umgebung zu offenbaren. Vertrauen Sie auf Ihren Erfolg. Doch Vorsicht, bei aller Ausgewogenheit bleibt es wichtig, sichtbar zu sein. Dabei besteht das Problem darin, ein gutes Ansehen zu pflegen, das hilft mir immer noch bei meinen eigenen Unternehmungen. Vermeiden Sie auch, sich an Ihrem Arbeitsplatz Feinde zu machen. Wo anders lassen sie sich derart leicht finden?

6. Wissen Sie, wo Sie in zwei, fünf oder zehn Jahren sein wollen. Denn dadurch können Sie jeden Tag entsprechend handeln. Die Lust zu lernen und die Entwicklung der Fachkompetenzen sind wichtig und nützlich, um Ihre Karriere voranzubringen – aber diese sind nicht hinreichend. Nach zehn Jahren im Handelssaal müssen Sie an strategischen Projekten arbeiten, die Sie wirklich interessieren. Sie müssen an Strategien arbeiten, um aus dem Handelssaal zu entkommen. Sie müssen an alternativen Positionen arbeiten, die weniger fordernd und weniger ermüdend sind.

7. Bleiben Sie in Form, indem Sie Sport betreiben, um Stress abzubauen und um Ihnen die Energie zu geben, die Sie benötigen. Sie sind gewissermaßen ein Sportler, der trainieren muss, um die Anspannung an den Märkten zu ertragen und der seine Leistung in unruhigen Marktphasen steigern kann. Profis unterscheiden sich in ihrer Fähigkeit, in Alarmstimmung zu bleiben, um die Marktchancen zu identifizieren und darauf zu antworten.

8. Bleiben Sie feminin, aber nicht provozierend. Vermeiden Sie mit Kollegen einen Trinken zu gehen, denn das führt zu nichts. Oder nehmen Sie daran teil und stehlen Sie sich frühzeitig davon. Vermeiden Sie auch derbe Ausdrücke, um sich in die maskuline Umgebung einzugliedern, das wird Ihnen später zur Last gelegt.

9. Unterhalten Sie sich, tauschen Sie sich aus und seien Sie neugierig etwas hinzuzulernen. Auch das unwichtigste Treffen kann Sie bereichern und Ihnen neue Gelegenheiten eröffnen, von denen Sie möglicherweise noch nicht einmal geträumt haben. Nehmen Sie an Fortbildungen und Arbeitsgruppen teil, wo Sie lernen durch die Gruppen von Entscheidern hindurch zu navigieren.

10. Und lächeln Sie, das ist Ihr Trumpf!

Sophie von Straelen hat ihre Karriere am französischen Terminmarkt MATIF in 1986 begonnen. Anschließend arbeitete sie als Teamleiterin im Broking mit börsennotierten Derivaten. Nach zwölf Jahren bei großen Investmentbanken (u.a. JP Morgan, Schweizerischer Bankverein) hat van Straelen aus ihrem Wissen über Hedgefonds Kapital geschlagen und in 1999 das Hedgefonds-Beratungsunternehmen Asterias gegründet. Zehn Jahre später wird sie vom britischen Branchenfachblatt Financial News zu den 100 einflussreichsten Frauen im Finanzdienstleistungssektor gezählt.

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