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DER BERATER: Meine Odyssee durch Vorstellungsgespräche

Unser Gastautor arbeitet als Consultant im Kapitalmarktumfeld und ist auf der Suche nach einem neuen Job. In einem Blog berichtet unser Kolumnist über seine Erfahrungen bei diesem Unterfangen.

Eigentlich dachte ich, dass mein zweites Vorstellungsgespräch in der Corporate Strategy einer Großbank zum Erfolg geführt hatte. Doch nach einer informellen Zusage landete der Vertrag nie in meinem Briefkasten und auch meine Anrufe und Emails blieben unbeantwortet. Also befinde ich mich weiter auf meiner Odyssee. An dieser Stelle möchte ich kurz beschreiben, wo mich meine Irrfahrt bislang hinführte.

Bei meiner erneuten Suche wurde ich auf eine Position im Loan-Portfolio-Management einer ausländischen Bank aufmerksam. Dort bewarb ich mich direkt über die Job-Börse auf der Website. Ein online Mathe- und Englischtest war hier vorgeschaltet. Dieser war aber weder schwer, noch dauerte er lange. In den beiden Stufen des folgenden Vorstellungsgesprächs wurde ich von potenziellen Kollegen interviewt.

In der ersten Runde sprach ich mit einem sympathischen Inder, mit dem ich innerhalb von wenigen Minuten sehr offen sprechen konnte. Im Verlauf dieses Interviews stellte sich dann zu meiner großen Überraschung und Enttäuschung heraus, dass die Position tatsächlich im Backoffice lag. Es handelte sich entgegen der Ausschreibung lediglich um die Unterstützung des Portfoliomanagements. Da ich nicht im Backoffice arbeiten möchte, war die zweite Runde für mich nur noch eine Formsache.

Zu einem weiteren Interview kam ich wieder über eine Phone-only-Headhunterin, die mich bereits vorher einmal über eine Jobbörse aufgespürt hatte. Hier ging es um die Corporate Strategy einer Großbank. Das Gespräch bereitete ich wieder intensiv vor und es verlief sehr angenehm. Ich dachte wirklich, dass dort meine Zukunft liegen könne. Jedoch stellte sich heraus, dass ich zu sehr Spezialist und zu wenig Generalist war. Somit ging die Suche weiter…

Nun entschied ich mich, aggressiver vorzugehen. Dieser Entschluss war mehr oder minder erfolgreich: Ich musste zwar Beiträge für die Mitgliedschaft in mehreren Job-Börsen zahlen, jedoch hatte ich über ein Job-Portal noch nie eine Anfrage erhalten. Somit entschied ich mich, einen Standard-Text an viele Headhunter zu versenden. Die Antwortquote der Headhunter war gut, obgleich sich viele reichlich Zeit ließen.

Bei dem Kontakt mit diesen Headhuntern fiel mir auf, dass angeblich JEDER für die ganz großen internationalen Namen arbeitet. Dieses “Name Dropping” begangen einige bereits im ersten Telefonat. Wenn ich mir jedoch die Ausschreibungen anschaue, die ich von diesen Leuten bekomme, dann frage ich mich, woher die große Diskrepanz zwischen ihrem zuerst kommunizierten Anspruch und den Ausschreibungen herrührt. Für mich stellt sich die Frage, ob die Headhunter für diese Adressen vor ein paar Jahren einmal einen Praktikanten rekrutiert haben?

Name-Dropping ist für mich von jetzt an ein Knock-out. Das gleich gilt für Zeitdruck, den einige Headhunter aufzubauen versuchen. Dies ist unnötig und auch ein schlechtes Zeichen, da der Kandidat immer Zeit zum Nachdenken erhalten sollte. Inzwischen stehen zwei weitere Interviews in naher Zukunft an.

Wie Ihr seht, bin ich nach wie vor auf meiner Odyssee. Ich möchte Euch jedoch mit diesen Postings über lange Interviews, viel Vorbereitung und endlose Telefonate mit Headhuntern klarmachen, dass Ihr – wenn Ihr ähnliches erlebt – ganz sicher nicht alleine steht. Auch läuft die Jobsuche sicher nicht so, wie man sich das vorstellt, oder wie es idealtypisch in irgendwelchen schlauen Ratgebern steht.

Kommentare (1)

Comments
  1. Mich verwundert, dass Sie keine Anfragen auf den marktführenden bezahlten Headhunterportalen erhalten haben, ich wurde darin fast täglich kontaktiert. Allerdings können gut die Hälfte dieser Headhunter-N00bs nicht zwischen “Business” und “Business Intelligence” unterscheiden, das ist ein einziges Elend. Der Grund ist klar: Selber nie die Branche gesehen, aber den Chef, der schon mit 38 einen 500AMG fährt.
    Wie schon früher gepostet, unterhalte ich mich nie mit Personalern (intern wie extern), die kein gewisses Alter haben und wirklich aus dem Branchen-Nähkästchen plaudern können, es bringt schlichtweg nichts. Oder wollen Sie sich von einer 25 oder 30jährigen Schnullerbacke Ihre Zukunft bestimmen lassen? Aber selbst bei alten Hasen gibt es die üblichen Dampfplauderer, die ihre Rente aufbessern wollen und ihren mittlerweile auseinanderfallenden Beraterladen als ganz dolle Firma anpreisen, wo aber schon die Reisekostenregelungen eine Frechheit sind; aus denen kann man übrigens wunderbar Rückschlüsse auf die Firma und Kultur ziehen…

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