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GASTKOMMENTAR: Vier Arten von Fragen, die Sie in einem Vorstellungsgespräch fürs Investmentbanking erwarten können

Aus meiner langen Erfahrung aus Investmentbanking-Interviews bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es vier grundlegende Arten von Fragen gibt, um Bewerber auszusieben.

Dabei sollte beachtet werden: Jeder Gesprächspartner ist verschieden und es gibt keine Garantie dafür, dass irgendeine dieser Fragen tatsächlich auftauchen wird. Dennoch glaube ich, dass eine oder mehrere diese Fragekategorien wahrscheinlich in jedem Vorstellungsgespräch vorgebracht werden. Und indem ich Fragen in diese vier Kategorien untergliedere, sollte es den Bewerbern erheblich leichter fallen, sich hierauf vorzubereiten.

Ich möchte auch darauf hinweisen, dass Bewerber diese Themen in ihren Lebensläufen anschneiden sollten, da ihnen dies dabei hilft, die ersten Sichtungsrunden zu überstehen.

1. Wieso haben Sie sich für (XY) entschieden)?

XY stehen hierbei für jede bedeutende Entscheidung, die ein Bewerber in der Vergangenheit gefällt hat.

Beliebte Beispiele sind, wieso Sie sich für die Uni, das Studienfach, den Arbeitgeber oder diesen und jenen Beruf entschieden haben.

Der eigentliche Zweck dieser Frage besteht nicht darin, eine spezifische Antwort zu erhalten, sondern festzustellen, ob der Bewerber konzentriert und zielgerichtet vorgeht.

Arbeitgeber stellen üblicherweise keine Bewerber ein, die sich durch das Leben treiben lassen. Falls ein Bewerber sich durch das Leben geschlängelt hat und zufällig irgendwo gelandet ist, dann ist es reichlich unwahrscheinlich, dass es sich um denjenigen Typ von Angestellten handelt, der über den Tellerrand schaut, Initiative ergreift und wie eine Bombe einschlägt.

Obgleich niemand erwarten kann, dass Sie alles bereits im Voraus wissen und minutiös geplant haben, klingt es doch beeindruckender, wenn die Leute zu wissen scheinen, was sie wollen und selbst in diese Richtung steuern.

Manchmal können derartige Fragen ganz leicht beantwortet werden und die Bewerber werden automatisch die richtige Antwort geben.

Dennoch sollten Bewerber im Hinterkopf behalten, wofür sich der Gesprächspartner tatsächlich interessiert. Beispielsweise könnte eine wahrheitsgemäße und möglicherweise leichte Antwort auf die Frage, weshalb Sie sich für eine Uni entschieden haben, hierin bestehen: “Meine Freundin ging damals dorthin und sie lag in der Nähe” oder auch: “Ich hatte gehört, dass es sich um eine gute Hochschule handelt, und sie lag nah.” Doch eine bessere Antwort sieht eher folgendermaßen aus: “Ich habe mir mehrere Universitäten angesehen und eben diese war für meine Studienrichtung ausgezeichnet. Und dabei war es nicht von Nachteil, dass sie ganz in der Nähe lag.” Eine solche Antwort zeugt von mehr Zielgerichtetheit als die beiden ersten.

2. Welches war das größte Projekt, an dem Sie mitgearbeitet haben

Dieser Fragetyp ist ein wenig direkter als der vorherige.

Generell sind Gesprächspartner daran interessiert herauszubekommen, ob Bewerber an ansehnlichen Projekten mitgearbeitet haben oder nicht. Wenn sie mit einem großen Projekt konfrontiert werden, dann sind einige Leute unmittelbar eingeschüchtert und sehen nur riesige Hindernisse. Dagegen brechen andere Leute große Projekte in viele kleine herunter, die bewältigt werden können. Die Arbeitgeber bevorzugen die letzte Variante. Denn sie wollen Leute haben, die Projekte analysieren, diese in kleinere Einheiten zerlegen, einen Projektplan aufstellen und ausführen können.

Sobald Sie mit einer derartigen Frage konfrontiert werden, müssen Sie eine Reihe von Beispielen ansehnlicher Projekte vorweisen, bei denen Sie diese Fertigkeiten demonstriert haben. Dabei ist es natürlich besser, wenn das Beispiel in einem ansehnlichen Projekt besteht. Dennoch können auch kleinere Projekte und akademische Leistungen ebenfalls von Wert sein.

Bei dem idealen Projekt haben Sie den ganzen Prozess von der Skizze bis zur Vollendung begleitet. Dazu können beispielsweise die Organisation von Events, die Programmierung von Software, die Zusammenstellung und das Halten einer Präsentation, die Erstellung einer Studie usf. zählen.

3. Beschreiben Sie eine Gruppenarbeit, bei der Sie die Führung innehatten

Fragen, die Ihre Führungsfähigkeit betreffen, sind zumeist sehr direkt. Arbeitgeber bevorzugen üblicherweise selbstbewusste Bewerber, bei denen es sich um potenzielle Führungskräfte handelt. Dabei sollte indes beachtet werden, dass Selbstvertrauen normalerweise beachtet, aber nicht angesprochen wird. Überdies wird Arroganz sehr leicht erkannt, weshalb ein zu großes Maß an Selbstvertrauen nicht ratsam ist.

Wenn Führungsqualitäten abgetastet werden, dann achten Arbeitgeber auch auf Kommunikationsfähigkeit und Charisma. Schließlich müssen Führungskräfte auch in der Lage sein, andere zu motivieren.

Um diese Frage angemessen zu beantworten, müssen Sie detaillierte Beispiele von Gruppenprojekten oder Events vorweisen können, bei denen Sie diese Fähigkeiten bewiesen haben. Vielleicht werden Sie auch gefragt, wie Sie Probleme in der Gruppendynamik gelöst haben und wie Ihr Eingriff die Gruppe dazu motiviert hat, bessere Ergebnisse zu erzielen.

4. Analysen und Denkaufgaben

Für Leute, die sich in den Finanzdienstleistungen bewerben, handelt es sich hierbei vermutlich um die berüchtigste Fragegattung, die die höchste Aufmerksamkeit genießt. Arbeitgeber stellen diese Fragen oft, um die mathematische Begabung von Kandidaten abzuschätzen. Dabei reichen die Fragen von arithmetischen Grundkenntnissen (z.B. “Was ist 252?”) oder allgemeiner Statistik (z.B. “Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit von zwei Standardabweichungen vom Mittelwert?) bis hin zu Stochastik und Differentialgleichungen.

Seine mathematisch-naturwissenschaftliche Kenntnisse aufzufrischen, mag weiterhelfen (Mathematik, Physik, Statistik etc.) Allerdings dürfte es schwer fallen, sich auf derartige Fragen vorzubereiten, da sie ein so breites Gebiet abdecken.

Der zweite Zweck dieser Fragen besteht darin, das logische Verständnis zu testen. Derartige Fragen mögen nicht auf spezifische mathematische Fertigkeiten abzielen. Zudem können die Fragen lösbar oder unlösbar sein. Der Denkprozess und die Logik sind wichtiger als die Antwort. Hier einige Beispiele:

Frage: Worin besteht die Quadratwurzel von 0,1?

Antwort: Zwischen 0,31 und 0,32 (dabei geht es um einen Annäherungsprozess, wobei mehrere Lösungswege möglich sind)

Frage: Nehmen wir einen Würfel von 10x10x10, der aus Würfeln von 1x1x1 besteht. Wie viele der kleineren Würfel sind sichtbar?

Antwort: 488 (100+100+80+80+64+64)

Frage: Wie bekommen Sie einen Fuchs, eine Gans und ein wenig Korn mit nur einem Boot über einen Fluss?

Antwort: Schlagen Sie nach!

Frage: Wie viele Telefone gibt es in Manhattan?

Antwort: Es gibt keine richtige Antwort. Der Gesprächspartner interessiert sich nur für ein sinnvolles Annäherungs- und Schätzungsverfahren.

Außerdem sollte noch erwähnt werden, dass einige Gesprächspartner sadistisch erscheinen und es anscheinend genießen, wenn Bewerber mit den Fragen zu kämpfen haben. Doch das sollte nicht allzu persönlich genommen werden. Für manche Menschen stellt ein Vorstellungsgespräch eine Gelegenheit dar, ihr Ego zu streicheln und über ihre eigenen Unsicherheiten hinwegzutäuschen. Kandidaten, die das Unglück haben, auf solche Gesprächspartner zu treffen, sollten einfach ihre Haltung bewahren und ihr Bestes geben. Vielleicht versucht der Gesprächsparnter lediglich zu prüfen, wie ein Bewerber unter Stress reagiert.

Aaron Brask verfügt über eine Promotion in Finanzmathematik und hat früher bei JPMorgan und Barclays Capital gearbeitet. Außerdem hat er das Buch: “Wall Street Primer” verfasst.

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