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Ein senior UBS-Banker erklärt, wie Sie ein Vorstellungsgespräch mit Bravour bestehen und ein Scheitern in den ersten Tagen Ihres Jobs vermeiden

Von den Höhen der akademischen Lehre zu den niedrigen Einstiegspositionen einer Bank hinabzusteigen, kann für Absolventen verwirrend sein. Doch abgesehen von der Statusveränderung empfinden viele die ungeschriebenen Spielregeln – wie Verhaltensregeln oder die Gründe für Anerkennung – für irritierend.

Bei den zwei Stadien des “Kulturwandels”, die Einsteiger durchmachen müssen, handelt es sich um die folgenden:

1. Das Vorstellungsgespräch

a. Schalten Sie auf Selbstvermarktung um

Erwarten Sie nicht, dass die Tatsachen aus Ihrem Lebenslauf selbsterklärend sind. Während ein Lebenslauf üblicherweise in der visuell-ansprechenden Form einer stichwortartigen Chronologie geordnet ist, können Sie in einer verbalen Darstellung Ihres Werdegangs Bereiche auswählen, die Sie näher darstellen wollen. Erzählen Sie nicht nur Ihre Geschichte, sondern verkaufen Sie sie auch – natürlich vollkommen korrekt und ohne Rechtschreibfehler.

Viele Vorstellungsgespräche ermöglichen Ihnen eine gewisse redaktionelle Kontrolle über den Gesprächsverlauf.

Nutzen Sie die Gelegenheit zu zeigen, dass Sie Ihre Hausaufgaben über das Unternehmen und sein Geschäft gemacht haben. Wie bei jedem anderen Marketing auch sollten Sie bewusst versuchen, Ihr Angebot mit den Anforderungen des Jobprofils zu verbinden.

b. Schon in der Kommunikation besteht die Message

Ihr Kommunikationsstil wie die Klarheit der Aussprache oder die Körpersprache haben einen überdurchschnittlichen Einfluss auf den Gesprächspartner. Die Fachkompetenzen werden üblicherweise vor dem Vorstellungsgespräch geprüft. Doch wie Sie Informationen präsentieren und wie Sie das Optimum aus der Zeit mit dem Gesprächspartner herausholen (der wahrscheinlich Dutzende von Absolventen-Gesprächen an einem Tag durchführt), stellt einen Schlüssel für den Erfolg dar.

a. Verhalten

Die Wahl Ihrer Worte muss von persönlicher Zuverlässigkeit zeugen. Wenn jemand jede schlechte Erfahrungen als einen Fehler von jemand anderen darstellt, dann erweckt dies kein Vertrauen. Darüber hinaus sollte sich in Ihrem Lebenslauf zumindest ein Punkt finden, der von einer echten Leidenschaft zeugt – auch wenn dieser nichts mit dem Job zu tun hat.

Letztlich müssen Sie darauf vorbereitet sein, über jeden Punkt zu sprechen, der in Ihrem Lebenslauf auftaucht. Eine Antwort wie “an meine Abschlussarbeit von vor drei Jahren kann ich mich nicht mehr erinnern” führt garantiert zu einem Misserfolg.

2. Die ersten Tage des neuen Jobs

a. Der nicht-lineare Ablauf

Anders als an der Hochschule, wo der Lehrplan im Voraus bekannt ist und wo die Themen von den grundlegenden zu den anspruchsvolleren voranschreiten, präsentiert das Berufsleben seine Herausforderungen nicht in einer klaren Ordnung der Schwierigkeit nach.

Das Lernen findet nicht aufeinander aufbauend statt, weshalb es erforderlich ist, am Ball zu bleiben: Stellen Sie Fragen und improvisieren Sie, wo immer das möglich ist. Bei vielen der Aufgaben strampeln Sie sich wie ins kalte Wasser geworfen ab, ohne genügend Unterstützung zu erfahren. Es handelt sich nur um eine zeitlich begrenzte Phase, dennoch kenne ich viele akademisch begabte Absolventen, die damit zu kämpfen haben. Daher kommt der Beharrlichkeit entscheidende Bedeutung zu.

b. Gewöhnen Sie sich an unvollständige Arbeitsaufträge

Bei vielen Arbeitsabläufen werden die vollständigen Anforderungen eines bestimmten Projekts erst im Laufe der Zeit durch Wiederholung deutlich. Für frisch eingestellt Absolventen scheinen sich sowohl Kunden als auch Vorgesetzte unvernünftig zu verhalten, wenn Sie nach unvollständigen Aufträgen Resultate erwarten.

Wieder habe ich erstklassige Studenten getroffen, die davon paralysiert waren, dass “das Problem mehr Variablen als Gleichungen” habe. Bei dem Umgang mit solchen Problemen handelt es sich um eine ganz eigene Kunstform, doch Untätigkeit stellt in keinem Fall eine Option dar.

c. Einfluss ohne Autorität

In so manchem Studiengang – wenn auch nicht in allen – können Studenten anständige Noten erhalten, ohne mit anderen nennenswert zusammenzuarbeiten. Vielmehr wird ein Großteil der möglichen Konfliktsituationen von den Autoritäten des akademischen Betriebs entschieden.

Dagegen hängt die Effizienz Ihres Jobs ganz entscheidend von Ihrer Fähigkeit ab, mit Leuten zusammenzuarbeiten und diese zu beeinflussen, über die Sie keinerlei formale Autorität besitzen. Zwischenmenschliche Kompetenzen wie Überzeugungskraft und Verhandlungsgeschick werden schon früh benötigt und ein Nachwuchsbanker sollte diese Herausforderung nicht unterschätzen.

d. Zuverlässigkeit

Schließlich besteht meist geschätzte Eigenschaft – sowohl im Vorstellungsgespräch als auch im Job – in der Zuverlässigkeit. Auf jeder Stufe Ihrer Karriere stellen Sie einen Teil einer längeren Wertschöpfungskette dar. Daher ist es sehr wichtig, sich als ein starkes Glied dieser Kette zu erweisen. Sie sollten sich eine Reputation als ein paar sichere Hände erarbeiten.

Lutfey Siddiqi ist Head of FICC corporate coverage & FX distribution Asia-Pacific bei der UBS.

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