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EBA nach Frankfurt? Die üppigen Vergütungen der Europäischen Bankenaufsicht

EBA

Auch Frankfurt bewirbt sich um die Europäische Bankenaufsicht EBA.

Der Wettkampf ist eröffnet: Nachdem sich Frankfurt abgesehen von HSBC und Bank of America als bevorzugte Destination für Brexit-Banker durchzusetzen vermochte, ist jetzt der Wettlauf um den künftigen Standort für die Europäische Bankenaufsicht (EBA) eröffnet, die bislang in London residiert. Frankfurt zählt unter den rund 20 Bewerbern aus der Mehrzahl der EU-Länder zu den Favoriten.

Es geht durchaus um eine signifikante Zahl von Jobs. Ende 2016 beschäftigte die EBA in London immerhin 169 Mitarbeiter – aus sämtlichen 28 EU-Ländern, ausgenommen Kroatien. Allein 23 Mitarbeiter stammten aus Italien, 19 aus Deutschland, 16 aus Spanien und 15 aus Frankreich. Ob jedoch alle Mitarbeiter umziehen werden, ist zweifelhaft, was vor allem für die zwölf britischen Beschäftigten gilt.

Doch lohnt sich die Arbeit für die EBA überhaupt?

Grundsätzlich orientiert sich die Bezahlung am „Statut der Beamten der Europäischen Gemeinschaften“. Demnach werden die Mitarbeiter in fünf Besoldungsgruppen und 16 Dienstalterststufen eingeteilt. Die monatliche Bruttovergütung beginnt in der Gruppe 1 und Stufe 1 bei 2325 Euro und steigt bis zur Gruppe 3 Stufe 16.095 Euro an. 119 der 169 Mitarbeiter sind allerdings der sogenannten Administration (AD) zugeordnet, wo das monatliche Grundgehalt ab 3811 Euro beginnt. Das maximale jährliche Grundgehalt beträgt indes nur 193.137 Euro, was so manchem Investmentbanker als reichlich niedrig erscheinen dürfte.

Doch Vorsicht! Die EU-Beschäftigten unterliegen weder der nationalen Besteuerung noch den Sozialabgaben, sondern EU-Regelungen, die selbstverständlich deutlich besser als die deutschen Gesetze ausfallen. Erst kürzlich hatte die OECD errechnet, dass Steuern und Sozialabgaben von Arbeitnehmern in Deutschland nach Belgien die zweithöchsten aller Mitgliedsländer sind.

Neben dieser Vergünstigung gewährt die EBA diverse Zulangen und Zahlungen. Hier nur einige Beispiele:

Familienzulage

Mit den Bruttogehältern ist die Vergütungsfrage noch lange nicht erledigt. Vielmehr regnen Zulagen über die EU-Beschäftigten hernieder. Die wichtigste davon stellt die sogenannte Familienzulage dar, die sich in Haushaltszulage, die Zulage für unterhaltsberichtigte Kinder sowie in die Erziehungszulage untergliedert. Denn auch Schulkosten für den Besuch internationaler Schulen werden teilweise übernommen. In Frankfurt gibt es sogar eine eigene Schule für die Sprösslinge der Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank.

Auslandszulage

Von den 169 Mitarbeitern der EBA in London stammten Ende 2016 immerhin 157 aus dem Ausland. Das ist selbst für die polyglotte City ein Spitzenwert. Jeder dieser Beschäftigten hat den Anspruch auf eine Auslandszulage, die mindestens 443 Euro monatlich beträgt, ansonsten aber 16 Prozent der Grundgehälter plus der Zulage für unterhaltspflichtige Kinder ausmacht. Auf diese müssten im Falle eines Umzugs nach Frankfurt wohl die bisher 19 deutschen Mitarbeiter verzichten.

Zuschläge für teuren Dienstort

Die Vergütungen werden nach dem Statut an die jeweiligen Lebenshaltungskosten vor Ort angepasst. Bislang gab es in London also mehr Geld als in der offiziellen Tabelle ausgewiesen. Dies könnte in Frankfurt in wohl abgespeckter ebenfalls der Fall sein.

Üppige Krankenversicherung

Selbstverständlich zahlen EBA-Beschäftigte – wie deutsche Beamte auch – keinen Cent in die öffentlichen Krankenversicherungen ein. Vielmehr übernimmt die EU 80 Prozent der Behandlungskosten im Krankheitsfall. Falls es sich jedoch um ein ernstes und entsprechend teures Leiden wie etwa Krebs handelt, steigen die Erstattungen auf 100 Prozent an. Familienmitglieder sind übrigens mitversichert.

Zahlungen im Todesfall und Vollinvalidität

Falls ein EBA-Beschäftigter verstirbt, erhalten seine Hinterbliebenen eine Zahlung von dem Fünffachen des durchschnittlichen Grundgehalts der zurückliegenden fünf Jahre. Falls der Beschäftigte beispielsweise zu einem Vollinvaliden wird, erhält er sogar das Achtfache.

Altersvorsorge

Das Rentenalter beginnt mit dem vollendeten 63. Lebenslahr und damit deutlich früher als nach der deutschen Rentensicherung. Die maximale Altersvorsorge umfasst maximal 70 Prozent des letzten Grundgehalts. Pro Beschäftigungsjahr enthält der Betroffene 1,9 Prozent des Grundgehalts. Nach zehn Jahren erhält er also 19 Prozent des Grundgehalts. Klingt nach wenig, ist aber viel. Denn schließlich unterliegen EU-Mitarbeiter nicht der staatlichen Rentenversicherung und zahlen auch keine Rentenbeiträge.

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