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Brexodus: Mehr und mehr Londoner Banker wollen Jobs in Frankfurt

Brexodus

Londoner Banker rufen immer häufiger Frankfurter Headhunter an.

Frankfurt galt lange ein wenig als das hässliche Entlein unter den Finanzplätzen: klein, hässlich und ein wenig langweilig. Doch wegen des Brexits scheinen immer mehr Londoner Banker in Frankfurt einen Schwan zu sehen. „Seit Mai erhalten wir wöchentlich etwa vier bis fünf Anrufe von Londoner Finanzprofis, die wegen des Brexits bereit sind nach Frankfurt zu gehen“, berichtet Headhunter Thomas von Ciriacy-Wantrup von Fricke Finance & Legal in Frankfurt. Kurz nach dem Referendum hätten die Telefone noch geschwiegen. Es handle sich also um keine spontane, sondern wohl überlegte Anrufe. „Es sind meist eher seniore Kandidaten mit sechs oder mehr Jahren Berufserfahrung“, ergänzt von Ciriacy-Wantrup. Sie kämen oft aus dem Investmentbereich, Private Equity oder generell Corporate Finance.

Sogar Briten wollen nach Frankfurt

Viele deutsche Finanzprofis an der Themse scheinen also Zukunftssorgen zu plagen. „Etwa 80 Prozent sind Deutschsprachige, die nach Frankfurt zurückkommen wollen. Der Rest sind zumeist Briten“, erzählt von Ciricacy-Wantrup. „Dagegen erhalten wir kaum Anrufe von z.B. Franzosen oder anderen Europäern.“ Deutschkenntnisse in Frankfurt seien in Frankfurt immer noch ein großes Plus, aber keine Pflicht. „In Frankfurt gibt es ganze Teams, in denen nur Englisch gesprochen wird.”

Auch Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt erhält seit dem Brexit-Referendum verstärkt Nachfragen von deutschsprachigen Bankern aus London. „Ich erhalte allerdings wenige Anrufe von Italienern, Niederländern, Franzosen und anderen EU-Europäern“, erzählt Tamm. „Bei vielen gilt Frankfurt immer noch als unattraktiv – selbst bei Leuten, die noch nie in Frankfurt gewesen sind. Da muss die Stadt noch an ihrem Image arbeiten.“

Rückkehrbereitschaft unter Deutschen in London ohnehin hoch

Dagegen erhält Personalberater Tim Zühlke von Indigo Headhunters in Frankfurt nur gelegentlich Anrufe von Londoner Investmentbankern, die auf den Brexit zurückgehen. „Generell herrscht unter deutschen Bankern in London eine große Rückkehrbereitschaft, vor allem wenn sie einen bestimmten Karrierelevel erreicht und Familie haben”, beobachtet Zühlke. „Der Nachteil war in der Vergangenheit, dass es hier oft keine passenden Jobs gab oder die weiteren Karrieremöglichkeiten begrenzt waren. Das kann sich aber ändern.”

Die Rückkehr der Tradingjobs

Die Kandidaten sind also wechselwillig, fehlen nur noch die Jobs. Bislang haben mehrere Headhunter aus Frankfurt lediglich Gespräche über die Besetzung von Middle Office-Jobs geführt, wie sie zum Erhalt einer Banklizenz erforderlich sind.

Aktuell kommen erste Front Office Positionen in den Markt. „Seit vielen Jahren haben wir erstmals wieder eine Trading-Position zu besetzen“, versichert von Ciriacy-Wantrup. Mit einem größeren Angebot an Front Office-Jobs rechnet der Personalberater erst für das kommende Jahr.

„In den letzten Jahrzehnten haben wir eigentlich nur gesehen, wie Tradingjobs nach London gegangen sind”, ergänzt Zühlke. Noch seien jedoch kaum Brexitjobs im Front Office in Frankfurt angekommen. Dies werde sich voraussichtlich ab dem kommenden Jahr ändern.

Mit dieser Prognose könnten beide recht behalten. Erst heute hat Citigroup durchblicken lassen, 150 bis 250 Tradingjobs von London nach Frankfurt zu verlagern. Was den einen der Brexodus ist den anderen der Brexsegen.


Kommentare (1)

Comments
  1. Frankfurt ist nicht langweilig und nicht “hässlich”. Au contraire: Es lebt sich in der Stadt am Main sehr, sehr gut.
    Dies ist leider nich nicht zu vielen durchgedrungen, aber das wird noch werden.

    Die im Artikel erwähnten Banker werden die vergleichsweise Ruhe und die Amenities in Frankfurt mehr schätzen, als sie erwarten dürfen bei dem “schlechten Ruf” Frankfurts.

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