☰ Menu eFinancialCareers

Karrierealternative: Von Goldman Sachs in den deutschen Mittelstand

Auch in der Industrie kommen Banker unter.

Auch in der Industrie kommen Banker unter.

Möglicherweise hat Julian Beckh die perfekte Ausstiegsstrategie aus der Investment Banking Division aufgetan. Und dabei handelt es sich keineswegs um den bewähren Wechsel auf die Buy-Side oder den Einstieg in die Fintech-Branche. Vielmehr hat Beckh seinen Job bei Goldman Sachs in Frankfurt aufgegeben, um den Chefsessel bei einem kleinen Industrieunternehmen in Bremen zu übernehmen. Heute meint Beckh, er habe den optimalen Weg zu einem guten Leben eingeschlagen. Er weiß, wovon er spricht – schließlich hat er recherchiert.

„Ich habe meine Zeit bei Goldman Sachs wirklich genossen, aber ich wollte etwas machen, bei dem ich pro-aktiv arbeiten kann und eher der Herr meiner eigenen Entscheidungen bin”, erzählt Beckh. „Obgleich Private Equity auch ein sehr interessantes Gebiet darstellt, lockte mich die unkonventionelle, aber einträgliche Chance mehr, bei einem erfolgreichen und etablierten mittelständischen Unternehmen einzusteigen. Das war für mich klar, besonders nachdem ich mit Freunden gesprochen hatte, die in Private Equity arbeiteten, und mit anderen, die in ein mittelständisches Familienunternehmen eingestiegen sind.”

Wer indes vom Banking zu Private Equity wechselt, werde dort auf viel Altbekanntes treffen, warnt Beckh. Investmentbanking-Aussteiger würden damit auch weiterhin in einem sehr hierarchischen Unternehmen mit ebenfalls sehr langen Arbeitszeiten arbeiten. „In gewisser Hinsicht ähnelt Private Equity dem Investment Banking”, kommentiert er. „Es geht sicherlich unternehmerischer zu und man erhält Einblicke in verschiedene Investmentchancen, aber gleichzeitig fallen Work-Life-Balance und Aufstieg zu einer Führungsposition überaus schwer.”

Wenn Sie wiederum vom Banking zu einem IT-Unternehmen wechseln, dann gehen Sie ein großes und unnötiges Risiko ein. „Unternehmen im digitalen Raum befinden sich unter Druck von Giganten wie Amazon.” Wieso sollte man prekären Chancen in der angesagten IT-Welt nachjagen, wenn man eine Rolle in einem etablierten Unternehmen mit etablierten Kundenbeziehungen und einem bewährten, greifbaren Produkt übernehmen kann?

Daher ist Beckh Geschäftsführer von „Behälter KG“, einem Bremer Unternehmen, welches mit Tanks für die Industrie handelt. „Ich habe mir zehn bis fünfzehn verschiedene Unternehmen angeschaut, bevor ich zur Behälter KG gegangen bin”, erklärt er. „Es handelt sich um ein führendes Handelsunternehmen für Edelstahltanks, Rührwerke und Industrieausrüstungen in den deutschsprachigen Ländern. Das gibt es schon seit über 50 Jahren und es wurde vom aktuellen Geschäftsführer und Miteigentümer seit drei Jahrzehnten geführt. Seine Kinder wollten nicht ins Geschäft einsteigen und er suchte nach jemanden, der das Unternehmen in Zukunft weiterentwickelt.”

Laut Beckh bieten sich in Europa viele Chancen, es ihm gleichzutun. „Mittelständische Unternehmen mit Nachfolgesorgen gibt es in nahezu ganz Europa, besonders in den deutschsprachigen Ländern; aber auch in Italien und Frankreich scheint dies der Fall zu sein.”

„Sie können es als mein eigenes kleines Leveraged-Buy-Out betrachten”, sagt er. Die Transaktion soll in zwei Stufen ablaufen. Anfangs bleibt der bisherige Geschäftsführer im Amt und Beckh arbeitet mit ihm zusammen. Später soll Beckh sein eigener Chef sein.

Mittlerweile sieht sich Beckh am „perfekten Ort”. Er ist der Herr seiner eigenen Zeit und kann seine eigenen Entscheidungen fällen. Er trägt die Verantwortung für das operationelle Geschäft und als Investor. Seiner Meinung nach sollten sich jüngere Banker mit unternehmerischen Ambitionen die Chancen und Angebote von Klein- und Mittelständischen Unternehmen anschauen. „Es gibt eine Menge solcher mittelständischer Unternehmen, die führend in ihrer Nische oder ihrem Segment sind.  Viele von ihnen operieren in einem sehr stabilen Umfeld, in denen es nur minimale Risiken gibt.”

„Es handelt sich um etwas, was viel mehr Leute mit einem Bankenhintergrund in Erwägung ziehen sollten”, betont Beckh. „Dennoch müssen Sie natürlich eine gewisse Bereitschaft mitbringen, das unternehmerische Risiko zu tragen.”

Kommentare (0)

Comments

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier