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GASTBEITRAG: Die wichtigste Kompetenz für eine Karriere in Fintech

Matthias Lais

Matthias Lais ist Mitbegründer und Geschäftsführer des main incubators.

Matthias Lais ist Mitbegründer und Geschäftsführer des main incubators – des FinTech-Inkubators und Company Builders der Commerzbank, welcher in acht deutsche Fintechs investiert ist und den Start-ups bei ihrem Aufbau hilft. Vorher war Lais Portfoliomanager bei der Commerzbank.

Bei den nötigen Kompetenzen für eine Fintech-Karriere müssen zwei Dimensionen unterschieden werden: Die erste besteht in den fachlichen Kompetenzen. Kann jemand programmieren, kennt er sich in Business Development oder Finanzen aus und kann er mit Zahlen umgehen? Das läuft letztlich auf die Frage hinaus, welche Ausbildung bzw. welchen Studienabschluss jemand mitbringt.

Die zweite Dimension besteht in den Soft-Skills und dem Mindset. Bin ich bereit etwas Neues zu machen, hinterfrage ich immer wieder den Status quo und bringe so das Produkt, an dem ich mitwirke, voran? Denke und handele ich agil? Kurz, sie sollten einen Sinn für Unternehmertum besitzen.

Unternehmergeist und Agilität als Kernkompetenz

Dabei genügt es nicht, wenn nur die jeweiligen Gründer der Fintechs Unternehmergeist aufweisen. Vielmehr ist es für ein Fintech ein Muss, dass die Mitarbeiter ebenfalls unternehmerisch denken und handeln. Das Unternehmertum ist damit Bestandteil der DNA des gesamten Unternehmens. Allerdings gibt es natürlich auch Unterschiede zwischen den Gründern und den Mitarbeitern.

Ein Gründer muss Unternehmergeist verkörpern. Gründer bringen die Idee mit, haben die Vision für die Entwicklung des Unternehmens und treiben das Start-up voran. Das schließt natürlich auch die Führung und Motivation der weiteren Mitarbeiter ein. Häufig sind sie aber nicht die besten darin, die erforderlichen Aufgaben abzuarbeiten. Wenn Sie in einem Unternehmen nur Leute haben, die vorwegstürmen, dann kehrt keiner hinter ihnen auf. Das geht natürlich auch nicht.

Ein Fintech braucht daher auch Mitarbeiter mit Unternehmergeist. Sie müssen in ihrem Arbeitsbereich unternehmerisch denken und handeln, müssen Entwicklungs- und Verbesserungspotenziale erkennen und insbesondere deren Umsetzung vorantreiben. Die Basis des Unternehmertums ist damit agiles Denken und Handeln.

Mitarbeiter eines Fintechs müssen sich zwingend selbst organisieren und Eigenverantwortung übernehmen können. Denn sie leisten Aufbauarbeit in einem schnell wachsenden Unternehmen. Beide Eigenschaften sind Grundpfeiler agilen Arbeitens, aber auch des Unternehmertums. Hinzu kommt in einem Fintech-Unternehmen, dass die Mitarbeiter die Lust am Marktwettbewerb und an kreativer Reibung im Unternehmen mitbringen müssen. Damit sind wir auch wieder beim Unternehmertum.

Auch Banken werden künftig agile Mitarbeiter benötigen

In der Tat werden in Zukunft Fintechs und Banken um dieselben Mitarbeiter werben – und das tun sie teilweise ja auch jetzt schon. Laut einer Studie von Hays von 2016 suchen Banken jetzt in Zeiten der digitalen Transformation Generalisten und Umsetzer. Diese sollen sich auf Veränderungen einlassen können, sollen Verantwortung übernehmen können – sie sollen damit agil sein. Das finden Banken zumeist bei Absolventen von Hochschulen. Die können mit frischen Wissen an die neuen Fragestellungen herangehen. Und sie finden es bei Generalisten mit branchenübergreifenden Erfahrungen, die über Wissenstransfer aus anderen Branchen Lösungen in die Bankwelt bringen können. Themenspezialisten und erfahrene Experten sind damit jetzt deutlich weniger gefragt. Man sieht: Soft Skills schlagen damit in Zeiten der Transformation ganz offensichtlich die Hard Skills.

Aber ohne Hard Skills geht es nicht

Wer künftig im Bankenumfeld – und dabei ist es egal ob bei einer großen Bank oder einem Start-up – Karriere machen möchte, der benötigt ein fundiertes technisches Verständnis. In den Finanzdienstleistungen gibt es schließlich kein Produkt, das sich anfassen ließe. Alles ist digital, entsprechend technisch und viele Bereiche werden automatisiert. Daher werden Absolventen von Studiengängen wie Wirtschaftsinformatik und Informatik in Zukunft noch stärker nachgefragt werden als heute. Und schon jetzt haben die meisten Fintechs damit zu kämpfen, gute Entwickler zu finden.

IT-Knowhow schlägt Banking-Know-how

So sehen wir es: Vorkenntnisse im Banking sind für eine Karriere im digitalen Banking nicht zwingend erforderlich. Banking-Know-how muss zwar in einem Fintech vorhanden sein, aber wenn ein Fintech einen guten Banker und fünf gute Entwickler hat, dann erreicht es damit bereits sehr viel. Von daher sind Fintechs aktuell stärker auf der Suche nach Mitarbeitern im Bereich IT, die sich dann Banking-Know-how aneignen als umgekehrt. Dennoch ist es ein klarer Vorteil, wenn sie bereits Erfahrungen z.B. mit technischen Bankschnittstellen mitbringen, denn die Lösungen der Fintechs müssen meist irgendwann an die IT-Landschaft der Banken angeschlossen werden.

Das typische Profil eines Fintech-Gründers

Viele Fintech-Gründer haben tatsächlich eher keinen IT-Hintergrund, sondern haben früher schon einmal bei Banken bzw. in der Finanzdienstleistungsbranche gearbeitet. Oft haben diese Leute Ideen, die sie intern nicht umsetzen konnten oder wollten und sich daher für eine Gründung entschieden haben. Die notwendigen Mitstreiter, die sich dann um die technische Umsetzung der Idee kümmern, kommen danach dazu.

Was die IT-Experten angeht, so kommen viele direkt von der Uni. Als Beispiel sei hier ein Start-up erwähnt, in das wir investiert haben und dessen IT-Verantwortlicher vor Abschluss seines Studiums die Verantwortung für die IT-Entwicklung dort sehr erfolgreich übernommen hat.

Auswirkungen des Mindsets auf das Unternehmen, seine Struktur und Kultur

Den Mitarbeitern muss der Raum gegeben werden, diesen Geist auszuleben und ihre Ideen umzusetzen. Daher werden wir in Zukunft noch stärker als heute schon flachere Hierarchien sehen – nicht nur in Fintechs, sondern in vielen Startups und auch in größeren Unternehmen. Flache Hierarchien und agiles Arbeiten bedeuten jedoch nicht Chaos – also arbeiten ohne Struktur. Sondern es bedeutet, dass schnell Entscheidungen getroffen und diese dann strukturiert umgesetzt werden. Das umfasst auch eine entsprechende Fehlerkultur.

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