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„Wenn Sie von einem ordinären Trader angeschrien werden, dann lernen Sie richtig mit der IT umzugehen“

Mary Cybulski/Paramount Pictures

Mary Cybulski/Paramount Pictures

Mehr als 15 Jahre hat Jonny Wolfson an IT-Projekten im Trading von Top-Investmentbanken wie Goldman Sachs, Bank of America und der Société Générale mitgearbeitet. Dabei hat er zumindest eines gelernt: Wenn Sie bei der Technik etwas falsch machen, dann werden Sie von den Tradern, die damit arbeiten, heruntergeputzt.

„Wenn Sie ein Trader anschreit, Sie mit Schimpfwörtern überschüttet und dabei wie wild gestikuliert, weil in der IT etwas, für das Sie verantwortlich sind, nicht funktioniert oder zumindest nicht so, wie er sich das vorstellt, dann lernen Sie zwei Dinge: Erstens muss es idiotensicher sein und zweitens muss es an die persönlichen Vorlieben anpassbar sein. Falls nicht, dann werden sie sich bei Ihnen beschweren“, erzählt Wolfson.

Während seiner Zeit in der Banking-IT entwickelte er ein Rastersystem für die sogenannten „Blotter“ der Banken. Diese Blotter registrieren die Details der Trades, die die Bank durchführt – vom Kurs, über das Timing bis hin zum Volumen. Da nach der neuen Regulierung MiFID II die bestmögliche Ausführung verlangt wird, werden die Anforderungen an die Blotter immer größer. Dass die Entwicklung große Ressourcen verschlingt, erhöht nur noch die Herausforderung.

„Im Herzen eines jeden Blotters befindet sich ein Rastersystem, das die Banken von einem Anbieter kaufen. Anschließend verbringen hunderte von Programmierern Monate damit, die Details hinzuzufügen, damit das System bei der jeweiligen Bank funktioniert“, erzählt Wolfson. Bei sämtlichen großen Investmentbanken kommen da jährlich rasch 40 Projekte zusammen, die jeweils 200 Tage Entwicklungsarbeit verschlingen.

Vor drei Jahren haben sich Wolfson und eine paar andere Leute aus der Banking-IT zusammengetan, ihre Arbeitgeber verlassen, um das Problem anzugehen. Sie haben Adaptable Tools gegründet, wobei es sich um ein Fintech-Unternehmen handelt, das einen universellen Blotter anbietet, der leicht von den Banken an ihre individuellen Bedürfnisse angepasst werden kann. Damit können die Trader leicht auf die richtigen Informationen zugreifen und ihren Desktop ihren persönlichen Bedürfnissen anpassen.

„Ich kenne Trader, die bei dem geringsten Anlass hochgegangen sind“, erzählt er weiter. „Beispielsweise wollen einige Trader Daten in eine Excel-Tabelle mit zwei Nachkommastellen exportieren, während andere die gesamte Zahl sehen wollen. Für viele dieser Probleme gibt es keine alleingültige richtige Antwort; vielmehr handelt es sich um Vorzüge. In der Vergangenheit lief es daher so: Wer am lautesten gerufen hat, bekam was wer wollte.“

Bei Adaptable Blotter gehe es jedoch nicht allein um die Anpassungsfähigkeit an die jeweiligen Bedürfnisse der Bank, sondern auch an die individuellen jedes einzelnen Traders. Doch was passiert, wenn diese Heerscharen an Entwicklern nicht mehr an den Blottern arbeiten müssen?

„Wenn Sie ein Entwickler in einer Bank sind, dann wird Ihnen die Arbeit schon nicht ausgehen“, meint Wolfson. „Die Entwickler verbringen viel Zeit damit, an reichlich obskuren User-Interface-Geschichten zu arbeiten, während sie eigentlich Kernprodukte der Bank entwickeln sollten, die ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Ich gehe davon aus, dass viel Arbeit an Projekten zur IT-Unterstützung auf Projekte für das eigentliche Geschäft verschoben wird.“

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