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GASTBEITRAG: Junge Banker mit guten elterlichen Kontakten sind einfach besser

Sind Kinder erfolgreicher Eltern einfach leistungsstärker?

Sind Kinder erfolgreicher Eltern einfach leistungsstärker?

Gerade musste JP Morgan eine Bußgeld über 212 Mio. Dollar zahlen, weil sie Kinder von einflussreichen chinesischen Funktionären und Kunden eingestellt hat. Seither agieren die Banken sehr vorsichtig, wenn es um die Vorzugsbehandlungen von jungen Mitarbeitern geht, deren Eltern der Bank weiterhelfen können. Doch das ist jammerschade. Als jemand, der sowohl in Europa als auch Asien gearbeitet habe, weiß ich, dass diese Leute oft zu den leistungsstärksten zählen.

I wusste nie im Voraus, wer von meinen jungen Mitarbeitern einen einflussreichen Papi hat. Das war noch, bevor chinesische Kunden der Bank lukrative Geschäfte für die Einstellung ihrer Sprösslinge versprachen. Dennoch fand ich es meist irgendwann heraus. Die jungen Kollegen mit Vitamin B machten etwa ein Fünftel meines Teams aus und es handelte sich meist um die Fleißigsten.

Dies lag daran, dass sie sich erst selbst beweisen mussten. Wenn Sie die Tochter oder den Sohn von jemanden einstellen, der es zu etwas gebracht hat, dann bringen diese einen großen Ehrgeiz mit. Sie wollen es ihrem Vater zeigen und beweisen, dass man sie auch ohne ihre familiären Verbindungen eingestellt hätte.

Anscheinend war dies bei den faulen Prinzlingen nicht der Fall, die JP Morgan im Rahmen ihres „Empfehlungsprogramms” einstellte. Diese Leute wurden ohne Prüfung ihrer Qualitäten angeheuert, weil ihre Eltern auf diese Weise ihre nutzlosen Sprösslinge unterzubringen vermochten. Doch die jungen Leute, von denen ich spreche, waren über die üblichen Kanäle eingestellt worden. Es handelte sich um hochkarätige und motivierte Kandidaten. Sie wollten tatsächlich erfolgreich sein.

Sie verstehen, woher diese jungen Leute kommen, wenn sie die Stellungnahme durchlesen, die der wohl einzige gute Prinzling aus dem „Empfehlungsprogramm” von JP Morgan der US-Aufsicht SEC gegeben hat. „Alle meine Anstrengungen waren für sie [JP Morgan] bedeutungslos, sondern sie schienen mich nur anhand meiner Beziehungen zu bewerten”, klagte er, bevor er die Bank verließ. Gute junge Leute haben überhaupt kein Interesse daran, auf den Rücken ihrer Eltern zu reiten. Vielmehr wollen sie Erfolge aufgrund ihrer eigenen Leistungen feiern.

Meiner Erfahrung nach sind die besten Einsteiger diejenigen, deren Eltern ein Familienunternehmen betreiben und daher üblicherweise zun den Kunden der Bank zählen. Diese jungen Analysten und Associates wissen, dass sie nur einige Jahre im Banking verbringen werden, bevor sie eine Position im Familienunternehmen übernehmen. Sie wissen, dass sie so viel wie irgend möglich lernen müssen, damit sie auf die reale Welt vorbereitet sind. Sie werden später nicht als Berater und auch nicht als Private Equity-Investoren arbeiten, sondern sie müssen sich selbst um die alltäglichen Probleme kümmern, wie es der Betrieb eines eigenen Unternehmens mit sich bringt. Diese jungen Leute müssen Corporate Finance, Börsengänge und M&A wirklich verstehen. Denn sie sind es, auf die sich die Familienklans bei Bankgeschäften und der Minimierung von Gebühren verlassen.

Leider werden die Banken künftig sehr lange darüber nachgrübeln, ob sie solche Leute mit Vitamin B tatsächlich einstellen. Natürlich dürfte kaum eine Bank so unverhohlen wie JP Morgan vorgehen, wo in Excel-Tabellen auflistet wurde, wie viel Geld ihnen die Mitarbeiter aus dem „Empfehlungsprogramm” eingebracht haben. Dagegen wird jetzt jede Einstellung eines jungen Bankers mit Vitamin B als Risiko betrachtet. Die sicherste Wahl stellen heute Analysten und Associates dar, deren Eltern nichts mit der Bank zu schaffen haben und niemals ihre Kunden sein werden. Das ist traurig,die Banken werden dabei sicherlich verlieren.

Bei Maragold D’Orac handelt es sich um ein Pseudonym. Er war bis vor kurzem in Equity Capital Markets in Asien beschäftigt.

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