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„Wir senken die Vergütungen”: Schönes und Unschönes aus den Deutsche Bank-Ergebnissen

John Cryan

John Cryan wurde bei der Deutschen Bank zum Ausputzen eingestellt.

Die Deutsche Bank ist immer für eine Überraschung gut – sogar für eine gute: Im dritten Quartal generierte die Bank einen Vorsteuergewinn von 619 Mio. Euro, während die Analysten mit einem Verlust in ähnlicher Höhe gerechnet hatten. Allerdings wird der Erfolg mit kräftigen Einsparungen bei den Boni erkauft. Konkret:

Deutsche Bank senkt Barboni und Anreize zum Bleiben

„Wir senken die Vergütungen”, sagte Finanzchef Marcus Schenk vor Aktienanalysten. Tatsächlich fallen die Einschnitte erklecklich aus. So brach der Personalaufwand allein im Geschäftsbereich Global Markets um 25 Prozent auf knapp 1,4 Mrd. Euro ein, obgleich die Beschäftigung nur geringfügig unter dem Vorjahresniveau lag. Konzernweit gab der Personalaufwand in den ersten neun Monaten um 10 Prozent auf 8,8 Mrd. Euro nach.

Schenk führte diese Entwicklung vor allem auf geringere Barboni und niedrigere finanzielle Anreize zum Verbleib wichtiger Mitarbeiter zurück. Darüber hinaus würden die Kürzungen bei den aufgeschobenen Boni aus den Vorjahren erst jetzt in der Erfolgsrechnung sichtbar. Weiter führe auch der neue „Pay Mix” vornehmlich bei jüngeren Bankern, also höhere Festgehälter bei niedrigeren Boni, zu sinkenden Personalausgaben. Alle drei Effekte zusammen hätten in Global Markets zu einer Verringerung des Personalaufwands um 25 Prozent geführt.

Die 1500 glücklichen IT-ler

Eine weitere Überraschung ist, dass trotz des beherzten Tritts auf die Kostenbremse die Mitarbeiterzahl sogar steigt. Binnen Jahresfrist kletterte die Beschäftigung um rund 700 Stellen auf über 101.000 Mitarbeiter. Allerdings sind hierin gut 1500 Stellen enhalten, die „ingesourct” wurden. IT-Chefin Kim Hammonds hatte vor einiger Zeit kritisiert, dass die Deutsche Bank in der IT beim Outsourcing übertrieben habe und ein Insourcing angekündigt. Jenseits der IT gab es also sehr wohl einen Stellenabbau.

Consultants im Glück

Die Restrukturierung von Banken kennt stets einen Gewinner: die Consultants. So legten die Ausgaben für „Professional Services” binnen Jahresfrist um 6 Prozent auf 511 Mio. Euro zu – allein im dritten Quartal, wohlgemerkt. In der gleichen Zeit gab der Konzern für sein eigenes Personal  keine 2,9 Mrd. Euro aus. Die Deutsche Bank führte diese Entwicklung ausdrücklich auf höheren Beratungsbedarf im Zuge der Implementierung der Strategie 2020 zurück. Kein Wunder, dass die Big 4 und andere Unternehmensberatungen ihr Consulting-Geschäft ausbauen.

Kehrtwende in Global Markets?

In ihrem Kapitalmarktgeschäft ist die Deutsche Bank in den zurückliegenden Quartalen durch fallende Erträge und steigende Verluste aufgefallen. Nicht so im dritten Quartal: Mit knapp 2,6 Mrd. Euro liegen die Erträge 10 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Über die ersten neun Monate hinkt Global Markets aber immer noch 16 Prozent hinterher. Darüber hinaus scheint die Profitabilität zurückzukehren. Im dritten Quartal erzielte Global Markets einen Vorsteuergewinn von 330 Mio. Euro, während im Vorjahresquartal hier noch ein Verlust von fast 2 Mrd. Euro klaffte. Es scheint allerdings verfrüht, von einer Trendwende zu sprechen.

Besser lief es namentlich im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren. Die Erträge in Debt Sales & Trading kletterten um 14 Prozent auf knapp 2,1 Mrd. Euro. Vor allem das Geschäft im Zins- und Kredit-Handel lag „deutlich” über dem Vorjahr. Dagegen purzelten die Erträge aus dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren aus den Schwellenländern.

Das Geschäft Equity Sales & Trading gab indes um 5 Prozent auf 603 Mio. Euro nach. Während die Erträge im Aktienhandel sanken, stiegen sie bei Aktienderivaten deutlich an.

Corporate & Investment Banking besser als im Vorjahr

Während die Erträge im Corporate & Investment Banking von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10 Prozent auf knapp 5,7 Mrd. Euro zurückgingen, sprang der Vorsteuergewinn um 23 Prozent auf knapp 1,4 Mrd. Euro nach oben. Hauptertragsquelle bleibt mit knapp 3,4 Mrd. Euro weiterhin das Transaction Banking, das allerding mit einem Minus von 3 Prozent gegenüber dem allerdings guten Vorjahr schwächelte. In Orgination fielen die Erträge um 17 Prozent auf 1,9 Mrd. und im M&A-Geschäft sogar um 27 Prozent auf 367 Mio. Euro.

Steigende Gewinne und Erträge im Asset Management

Immer wieder geistern Spekulationen durch die Medien, die Deutsche Bank wolle ihr Asset Management versilbern. Dabei zählt die Sparte zu den überzeugenderen Geschäftsbereichen des Konzerns. So kletterten die Erträge in den ersten drei Quartalen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro und der Vorsteuergewinn sogar um 7 Prozent auf 549 Mio. Euro.

Die Mitarbeiter bekommen von dem Erfolg allerdings wenig ab. Obgleich die Beschäftigung im Asset Management kaum unter Vorjahresniveau liegt, brachen die Personalausgaben um 23 Prozent auf 463 Mio. Euro ein. Damit ist ein Bonusmassaker für 2016 vorgezeichnet.

Nichts neues von der Postbank

Gestern hieß es in den Medien, der Konzern wolle die Postbank vielleicht doch nicht veräußern, sondern voll integrieren. Ursprünglich hatte das Institut die Postbank übernommen, um so seine Finanzierung über deren zahllosen Kleinsparer zu verbessern. Die Aufsichtsbehörden haben jedoch dem Zugriff der Deutschen Bank auf die Einlagen der Postbank einen Riegel vorgeschoben, so dass die Übernahme die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllte. Falls der Konzern allerdings die Postbank mit dem eigenen Filialgeschäft zusammenführen würde, könnte der Zugriff vielleicht doch noch gelingen.

Zu all dem äußerten sich Konzernchef John Cryan und Financhef Schenk nicht. Offiziell wartet die Deutsche Bank immer noch auf eine Gelegenheit, die Postbank zu einem guten Preis abzustoßen. Zuletzt war allerdings niemand in Sicht, der einen anständigen Preis zahlen wollte.

In den ersten drei Quartalen konnte die Postbank bei Erträgen von 2,5 Mrd. Euro einen Vorsteuergewinn von 369 Mio. Euro generieren. Im Vorjahr hatte aufgrund horrender Abschreibungen hier noch ein Verlust von 2,3 Mrd. Euro gestanden. Groteskerweise ist die Postbank damit genauso profitabel wie das eigene Filialgeschäft der Deutschen Bank, das bei Umsätzen von 5,3 Mrd. Euro (-5 Prozent) einen Vorsteuergewinn von nur 367 Mio. Euro erwirtschaftete.

Mehr Geld für Bußzahlungen

Unterdessen hat der Konzern seine Rückstellungen für Bußgelder von 5,5 auf 5,9 Mrd. Euro aufgestockt. Nachdem bekannt geworden war, dass das US-Justizministerium von der Deutschen Bank für ihre Geschäfte vor der Finanzkrise eine Buße von 14 Mrd. Dollar verlangt, war der Aktienkurs zwischenzeitlich auf unter 10 Euro abgestürzt. Schenk äußerte die Hoffnung, die Verhandlungen mit dem US-Justizministerium noch bis Jahresende oder spätestens Anfang des neuen Jahres abschließen zu können, damit die Buße noch im Jahresabschluss 2016 berücksichtigt werden könne.

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