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ANALYSE: Die Hintergründe für Zielkes Commerzbank-Kahlschlag

Markus-Beumer

Die Tage des Mittelstands-Vorstands Markus Beumer scheinen gezählt. (Foto: Commerzbank AG)

Das Handelsblatt dürfte so manchem Mitarbeiter der Commerzbank das Wochenende verdorben haben. Laut Insidern spiele Bankchef Martin Zielke mit dem Gedanken, die Mittelstandsbank aufzuspalten: Die Großkunden sollen künftig von Corporates & Markets und die kleinen Unternehmenskunden vom Filialgeschäft betreut werden. Im Gespräch ist ein Abbau von 1000 Jobs allein in der Mittelstandsbank. Betroffen von dem Kahlschlag dürfe vor allem das Back Office sein. „Man kann mit einer solchen Struktur immens im Back Office sparen“, zitiert das Handelsblatt denn auch einen Manager. Darüber hinaus sollen weitere Stellen im Trading wegfallen.

Wer schlachtet schon seine Cash Cow?

Dieser Schritt ist umso erstaunlicher, als die Mittelstandsbank lange die Cash Cow des Konzerns darstellte. Und wer schlachtet schon seine Kuh mit der höchsten Milchleistung? Zu dem operativen Konzernergebnis von 615 Mio. Euro im ersten Halbjahr hat die Sparte immerhin 412 Mio. beigetragen. Dagegen beschränkte sich der Beitrag des Privatkundengeschäfts auf 371 Mio. und von Corporates & Markets auf 201 Mio. Euro. In früheren Jahren hatte das Mittelstandsgeschäft sogar eine noch größere Rolle gespielt. So generierte die Mittelstandsbank im ersten Halbjahr 2015 ein operatives Ergebnis von 679 Mio. Euro, während sich die Privatkundensparte mit 327 Mio. und Corporates & Markets mit 473 Mio. Euro begnügen mussten.

Auf der Kostenseite haben die Mittelstandsbanker ebenfalls die Nase vorn: Die Aufwands-Ertragsquote lag hier in den ersten sechs Monaten bei bescheidenen 59,9 Prozent. Für jeden Euro Ertrag mussten die Mittelstandsbanker also keine 60 Cent auf den Tisch legen. Zum Vergleich: In Filialgeschäft und Corporates & Markets waren dies jeweils knapp 80 Cent.

Erlegt Zielke nur einen Rivalen?

Mit der Aufspaltung der erfolgreichen Mittelstandsbank dürfte für den Bereichsvorstand Markus Beumer „kein Platz mehr sein“, wie das Handelsblatt schreibt. Der 52jährige Volkswirt galt im vergangenen Jahr beim Rennen um die Nachfolge des langjährigen Konzernchefs Martin Blessing als Favorit. Umso erstaunter reagierten die Beobachter, als mit Martin Zielke der damalige Privatkundenvorstand das Rennen machte. Mit der Auflösung der Mittelstandssparte hätte Zielke jedenfalls gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Bank würde ihre Kosten weiter senken und Zielke einen Rivalen los.

Was die Spaltung der Mittelstandsbank für die Mitarbeiter bedeutet

Bei einem solchen Schritt dürften die meisten Stellen im Back Office wegfallen. Sämtliche Banken versuchen ihre Kosten in den nachgelagerten Aufgaben deutlich zu verringern und Arbeitsschritte zu automatisieren. Da bei den Erträgen keine Erholung in Sicht ist und die Regulierungskosten auch weiterhin schmerzen dürften, bleibt den Banken kaum etwas übrig als im Back Office Stellen einzusparen.

Bei der Commerzbank kommt erschwerend hinzu, dass die Vergütungen bereits die Unterschwelle erreicht haben. Das durchschnittliche Bruttogehalt lag 2015 im Konzern bei gerade einmal etwa 74.000 Euro plus einem Bonus von rund 6600 Euro. Ein noch so beherzter Kahlschlag erbringt kein Feuerholz, so lange er in einem Bonsai-Wald stattfindet.

Dennoch stehen die Chancen gut, dass die Folgen für die Back Office-Mitarbeiter überschaubar bleiben. Denn für den Stellenabbau müsste der Vorstand erst eine Lösung mit dem Betriebsrat aushandeln. Für so manchen Betroffenen wird der Abbau sich auf Frühverrentung, einen goldenen Handschlag oder einen internen Wechsel beschränken. Weniger glimpflich dürften die Trader davonkommen. Denn im Handel mit den meisten Wertpapiergattungen herrscht derzeit weithin Einstellungsstopp.


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