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GASTBEITRAG: Wieso ich nicht mehr bei einem Hedgefonds arbeiten möchte

Hedgefonds

Dürre bei Hedgefonds.

Arbeiten Sie auch in Finance? Dann wollen Sie es womöglich zu einem Hedgefonds schaffen. Viele betrachten Hedgefonds als den Gipfel einer Finanzkarriere. Allerdings hat sich der Hedgefondssektor gründlich verändert.

Hedgefonds stehen derzeit vor einer ganzen Reihe an Problemen, von denen die Erträge das größte darstellen. Insgesamt ist die Performance des Sektors grauenvoll ausgefallen. Vor zehn Jahren hätten die Investoren nicht darüber nachgedacht, Gebühren von 2 Prozent auf die verwalteten Vermögen und 20 Prozent auf die Gewinne zu bezahlen. Doch heute mit der glanzlosen Performance in der Branche können das nur noch wenige privilegierte Fonds verlangen und von den neu aufgelegten Fonds noch weniger. Damit ist der Druck auf die Erträge der Hedgefonds gestiegen.

Der Druck resultiert aus einem engeren Markt. Seit der Finanzkrise haben sich die Fonds auf die größten und etablierten Player konzentriert. Die Investoren sind in der Defensive und fokussieren sich auf Jobsicherheit. Wer will ihnen das vorwerfen?

Obgleich diese Einstellung klar größere Fonds begünstigt, hat dies nicht nur Konsequenzen für den Marktanteil, sondern auch für kleinere Fonds. Investoren kommen heute mit einer langen Liste an Fragen zur Due Dilegence an. Sie erwarten tiefere Einblicke in, was die Performance des Fonds angetrieben hat. Das ist zwar fair, aber nur für teures Geld zu leisten. Entweder geben die Fonds viel Geld für teure Analyseinstrumente aus oder investieren die Zeit darauf, eigene Kompetenzen dafür aufzubauen.

All dies bedeutet, dass die Mindestgröße von Hedgefonds dramatisch angestiegen ist und weiter steigt. Um vom Boden abzuheben, ist hohes Kapital erforderlich. In der Vergangenheit war es möglich, einen profitablen Fonds mit nur einem zweistelligen Kundenvermögen zu betreiben. Doch durch den Druck auf die Gebühren und die steigenden Kosten für den Kundenservice entwickelt sich dies in die falsche Richtung. Oft genügen nicht einmal 200 Mio. Dollar (180 Mio. Euro) an Anlagevermögen, um die Kosten zu decken, wenn ein großes Team finanziert werden muss und viele Investoren nur noch halb so hohe Gebühren wie in der Vergangenheit zahlen.

Das Marktumfeld erschwert die Arbeit zusätzlich. Die Politik und die Äußerungen der Zentralbanken treiben die Märkte so stark wie nie zuvor an. Das hat nicht nur Folgen auf das Portfoliomanagement, sondern auch auf das Verhalten der Investoren. Die Investoren setzten zunehmend auf einen aktiven Top-Down-Ansatz bei der Anlageverteilung. Die Fondsinvestoren reagieren auf die Entscheidungen der Zentralbanken und erwarten, dass auch die Fondsmanager es ihnen gleichtun, gleich ob es Teil ihrer Investmentstrategie ist oder nicht. Falls der Fondsmanager dies unterlässt, dann macht es der Investor eben für ihn.

Angesichts der armseligen Hedgefonds-Performance übernehmen die Investoren die Aufgaben des Hedgefondsmanagers zunehmend selbst. Sie besitzen oft eine dezidierte Meinung, was die Manager mit ihrem Geld anstellen sollten.

Investoren können tatsächlich einige Aufgaben des Hedgefondsmanagers selbst übernehmen, in dem sie Instrumente wie ETFs einsetzten, mit denen sich schnell auf Marktbewegungen reagieren lässt. Wir leben in einer Zeit, in der Informationen für jeden zugänglich sind. Heute hat jeder eine Nachrichten-App auf seinem Smartphone. Ob diese Investoren in der Lage sind, durch Market-Timing oder Stock-Picking einen Mehrwert zu generieren, ist dabei unerheblich. Falls sie daran glauben, dann können sie einfach gehen und es umsetzen, sofern sie über die erforderlichen Instrumente verfügen. Mal ehrlich: Wer wird daran zweifeln, wenn die Erträge der Hedgefonds so dürftig ausfallen?

Die großen Asset Management-Häuser verfügen über die Ressourcen, Sales-Experten einzustellen und neue Strategien auszuprobieren – Dinge, die kleineren Fondsgesellschaften schwer fallen.

Kurz: Beim Betreiben eines Hedgefonds-Geschäfts fällt heute nichts leicht. Da gibt es Druck von oben. Es gibt Druck auf die Kosten. Der Kundendienst wird immer lästiger. Es gibt Druck von den Aufsichtsbehörden. Hedgefonds befinden sich derzeit einfach in einer schwierigen Situation.

Aus diesen Gründen wechsle ich die Branche. Ich bin gerade dabei, ein eigenes Geschäft in der Gesundheits- und Fitness-Branche aufzuziehen, wo das Umfeld m.E. deutlich besser ausfällt, wo wir noch echte Innovationen leisten und gute Erträge erzielen können. Mit anderen zusammen habe ich das Unternehmen Digme Fitness gegründet, welches Fitnessstudios betreibt, bei denen für die tatsächliche Nutzung bezahlt wird. Bislang gibt es bereits Fitnessstudios in Richmond und Oxford. In der Londoner City wird in kurzer Zeit das dritte öffnen.

Als Amateur-Ironman-Athlet gilt meine Leidenschaft den Themen Gesundheit und Fitness. Es handelt sich um einen Wachstumsmarkt, da das Fitnessstudiogeschäft reif für Innovationen ist. Die bestehenden Anbieter sind verschlafen, besitzen aufgeblähte Strukturen und setzen nur schleppend neue Technologien ein.

Ich war wie geschlagen als ich feststellte, wie wenig bürokratisch diese Branche im Vergleich zu den Finanzdienstleistungen ist. Sicherlich haben auch wir uns an Regulierungsvorgaben zu halten, aber an weitaus weniger. Und auch das erforderliche Eigenkapital fällt viel niedriger aus. Anstatt in hunderten von Millionen zu rechnen, geht es um hunderttausende. Die Größenordnung ist eine andere, der Druck von den Märkten fällt geringer aus und die Steuervorteile sind für Investoren deutlich attraktiver als bei Fonds.

Würde ich zu einem Hedgefonds zurückkehren? Das kann ich nicht wirklich ausschließen. Die Verhältnisse müssten sich dann allerdings ändern. Ich bevorzuge es, wenn die Wettbewerbsdynamik für kleinere Anbieter vorteilhafter ausfällt. Ich bevorzuge es auch, wenn sich die Märkte in gesünderer Verfassung befinden als heute. Doch am wichtigsten ist, dass ich begeistert von den Chancen bin, die sich im Gesundheits- und Fitness-Geschäft auftun und es handelt sich um den Ort, wo ich in absehbarer Zukunft den meisten Mehrwert für mich und meine Investoren stiften kann.

Geoff Amber ist Geschäftsführer von Digme Fitness. Vorher war er sechs Jahre Chief Investment Officer von Skyline Capital Management, einem Hedgefonds, der auf Long/Short-Strategien im Aktienmarkt setzt.

 

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