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INTERVIEW: „25jährige Kredit-Trader machen alles nur noch schlimmer“

old bond trader

Eine lange Karriere und Trading – das passt nicht immer zueinander. Die Banken ersetzen die alte Garde sukzessiv durch junge Trader, was Neudeutsch auch als „Juniorisation“ die Runde macht. Dagegen werden diejenigen mit einer profunden Erfahrung an den Märkten an den Rand gedrängt.

Der Markt für US-Unternehmensanleihen ist mit einem Volumen von 9 Billionen Dollar einer der größten der Welt und auch einer der wichtigsten, da die institutionellen Anleger diese in ihren Portfolios höher gewichten. Doch die Veteranen auf dem Markt – und das bedeutet jeder mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung – stellen angesichts des steigenden elektronischen Handels und der bilanziellen Restriktionen immer häufiger fest, dass ihre Kompetenzen nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind.

Wir sprechen mit einem Veteranen mit 13 Jahren Berufserfahrung darüber, wie sich das Berufsbild gewandelt hat. Er möchte allerdings anonym bleiben.

Wie hat sich der Handel mit Unternehmensanleihen im Laufe der Jahre verändert?

In der guten alten Zeit verhielt sich der Markt viel rationaler; er wurde eher durch Fundamentaldaten getrieben. Offensichtlich gab es mehr technische Handelsverzerrungen. Dennoch konnte man viel leichter verstehen und definieren, wieso X hier und Y dort gehandelt wurden. Heutzutage haben Sie absolute keine Ahnung, warum X hier und Y dort gehandelt werden.

Die Bewertungen der Namen haben nichts mit den Fundamentaldaten zu tun. Uns steht wesentlich weniger zur Verfügung, um Kurs und Wert festzustellen.

Was hat dazu geführt?

All die Regulierungen haben den Markt illiquider gemacht. Das seltsame Vakuum, wie wir es heute haben, hängt direkt mit den neuen Regeln zusammen.

Haben die Regulierungsbehörden nicht die Kursfeststellung mit dem neuen System „Trader reporting and compliance engine“ (TRACE) erleichtert?

Üblicherweise hat man sich in der guten alten Zeit um Dinge wie TRACE kaum geschert. Sie hätten sich das angesehen, aber Sie hatten einen Plan in Ihrem Kopf, wie sich die Dinge mehr oder weniger auf unterschiedlichen Kredit-Levels verhalten sollten. Doch heute verlassen sich Sell-Side Trader mehr auf TRACE als auf die Fundamentaldaten des Unternehmens, weil so viele Trades zu hirnrissigen Levels ausgeführt werden. Der Grund dafür liegt darin, dass auf der Sell-Side in der Bilanz nur sehr wenig Spielraum besteht; wir sehen schon bei normalen Trading-Aktivitäten erhebliche Marktverzerrungen. Dies wird noch schlimmer, wenn wir einen massiven Ausverkauf erleben wie etwa im Januar und Februar.

Welchen Einfluss hat dieses Umfeld auf die Liquidität?

Ja, das hat sich verändert, indem die internen Regulierungen strenger wurden. Dies hatte sehr große Auswirkungen. Vorher haben Sie sich kaum darum gekümmert, ob Sie die Position 30, 60 oder 100 Tage hielten. Irgendwann kam einer zu Ihnen und wollte, dass Sie die Position verkleinern. Eine der Banken, für die ich gearbeitet habe, zählte zu den ersten, die die Eigenkapitalanforderungen verändert haben, wodurch die Positionen exponentiell teurer wurden, als es die Trader gewohnt waren. Die meisten Banken haben ihr Risiko verringert, indem sie die Kapitalkosten nach Haltedauer gestaffelt haben: In den ersten 30 Tagen, die Sie die Position halten, wird Ihnen der LIBOR plus 60 Basispunkte in Rechnung gestellt. Aber nach 30 bis 60 Tagen können es LIBOR plus 100 und über 60 Tagen sogar LIBOR plus 200 Basispunkten usf. sein.

Wie waren Ihre Erwartungen an die Vergütung und die Arbeitsplatzsicherheit als Sie vor der Krise begannen und wie sieht es heute aus?

Wenn Sie in der guten alten Zeit vielleicht 5 Prozent und mehr des Profits erzielten, dann haben Sie gut abgeschnitten. Wenn es sogar 7 bis 10 Prozent waren, dann großartig und ein besserer Deal dürfte kaum möglich gewesen sein.

In den ersten Jahren nach der Krise – 2009 und 2010 – fiel die Bezahlung immer noch recht gut aus. Irgendwann um 2011 fielen die Dinge auseinander. Die Profite im Geschäft mit festverzinslichen Papieren brachen dramatisch ein und das höhere Management begann das Problem auf die Bezahlung der Trader abzuwälzen. Das Hauptproblem bestand darin, dass ein Arbeitsplatz im Trading traditionell 10 bis 15 Mio. Dollar im Jahr generierte. Aber in 2011/12 waren es lediglich 5 bis 10 Mio. Dollar. Handelte es sich bei diesem Einbruch nur um schlechte Performance oder hatte sich der Markt verändert?

Nachdem die Erträge aus dem Market Making seit Jahren dahingeschmolzen sind, haben die meisten Banken mit einer Anhebung der Grundgehälter reagiert, während die Jahresboni zusammengestrichen wurden.

In der Vergangenheit galten 300 bis 400 Mio. Dollar in einer Abteilung als gutes Ergebnis. Heute stellen 100 bis 200 Mio. Dollar das neue Normalmaß dar.

Wie sieht heute die Mentalität eines Trading-Veteranen aus? Worin besteht Ihre Karrierestrategie?

Blackrock stellt jetzt junge Trader ein, um das Ergebnis ihres Handels zu verbessern, allerdings denke ich, dass Credit Trading einen anderen Markt darstellt. Jüngere Leute anzuheuern, hilft Märkten auch nicht auf die Sprünge. Junge Leute mit dem Credit Trading zu betrauen, macht die Sache nur noch schwieriger.

Warum?

Weil sie wenig Erfahrung im Handel auf illiquiden Märkten und mit Volatilität mitbringen. Und sie verfügen über absolut keine Vertriebserfahrung, wobei es sich um die Kernkompetenz eines guten Traders handelt.

Die Folgen davon beginnen bereits einzutreten. Wenn ein junger Trader getroffen wird und sieht, wie der Markt fällt, dann wird er das sofort an den Markt weitergeben. Damit beginnt ein Schneeballeffekt und die Anleihekurse stürzen ab, weil die Leute Angst haben und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Ein erfahrener Trader wird überlegter handeln, wenn er getroffen wird und verfügt über verschiedene Methoden, die eigenen Positionen abzusichern.

Wie haben sich die Erwartungen auf der Buy-Side im Verlauf der Jahre verändert?

Aus meiner Sicht hat die Buy-Side der Marktverfassung und der Liquidität ebenso geschadet wie die Regulierungsbehörden. Sie haben ein Problem herbeigeführt, indem sie bei akzeptablen Niveaus nicht traden, weshalb sich die Anleihen nicht bewegen. Wenn ein großer Kunde anruft und sie geben ihm einen Markt über 2 Mio. Dollar, dann wollen sie den gleichen Markt für 10 Mio. haben. Falls Sie das nicht mitmachen, dann schauen sie sich anderswo um und drohen das Geschäft von Ihnen abzuziehen. Für Trader, die eine Position in dieser Anleihe halten, stellt das ein echtes Problem dar, weil Sie den Markt gegen Sie bewegen, indem sie mit anderen handeln. Daher stellt dies eine unglückliche Situation dar.

Generell sucht die Buy-Side nach Ausführungsformen, die Trader gar nicht anbieten können. In der derzeitigen Marktverfassung müssen sie beim Preis deutlich flexibler sein, damit die Händler ins Risiko gehen. Falls alle sich etwas aufeinander zubewegen, sowohl Buy- als auch Sell-Side, und alle ein wenig flexibler sind, dann würde vieles geschmeidiger laufen.

Worin besteht Ihr nächster Karriereschritt?

Ich selbst würde gerne auf die Buy-Side wechseln, weil es sich einfach um einen besseren Arbeitsplatz handelt. Sie können Trades aufgrund von Fundamentaldaten durchführen, sie haben die Zeit eine Position zu halten und der elektronische Handel erleichtert den Marktzugang.

Wie wichtig ist das Verständnis für den elektronischen Handel?

Sehr wichtig. Auch wenn die Leute gerne sagen, dass der Anleihemarkt nicht mit dem Aktienmarkt gleichzusetzen sei, geht die Liquidität definitiv zu den elektronischen Handelssystemen. Seltene Anleihen werden immer noch manuell gehandelt, aber der elektronische Handel wird sicherlich eine große Rolle spielen. Das können Sie nicht verhindern, wenn Sie eine Zukunft im Markt haben wollen.

Unser Gastautor mit dem Pseudonym William R. Valentine hat mehr als 20 Jahre für führende Finanzdienstleister gearbeitet. Währenddessen war er in Sales, Trading und mit dem Aufbau von Handelsplattformen für Aktien und Anleihen beschäftigt.

 

 

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