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Karriereturbo oder Ruin: Was der Doktortitel für den beruflichen Erfolg in Banking und Consulting bringt

Krampf oder Karrierepush - eine Promotion kann beides sein.

Krampf oder Karrierepush - eine Promotion kann beides sein.

Gemessen an der Bevölkerungsgröße wird nirgends so viel promoviert wie in Deutschland. Allein 2014 durften über 28.000 frisch Promovierte die beiden begehrten Buchstaben auf ihre Visitenkarten drucken. Im Vergleich zu 1993 erhöhte sich die Zahl der Promovierten um rund ein Drittel. Doch wie jede Inflation drückt auch die Flut der Doktortitel auf den Wert.

In den Vorständen dominieren die Doktoren

Nach den Erfahrungen von Headhunter Rolf Behrens von Banking Consult in Bad Nauheim fragen Kunden selten nach einer Promotion. Dennoch könne der Titel vor allem im späteren Karriereverlauf durchaus weiterhelfen. „Wenn Sie sich die Vorstände von Banken und Industrieunternehmen anschauen, dann haben dort überproportional viele promoviert“, beobachtet der ebenfalls promovierte Wirtschaftswissenschaftler.

Doktor Methusalem

Der Erwerb eines Doktortitels lässt sich auch mit einer schlichten Investitionsrechnung beziffern. Zunächst müssen die Promovenden einige frühe Karrierejahre für ihre Doktorarbeit aufwenden. In dieser Zeit verdienen sie in der Regel schlechter als ihre ehemaligen Kommilitonen, die direkt nach ihrem Master ins Berufsleben gestartet sind. Nur um diese Verluste wettzumachen, müssen Promovierte später also mehr verdienen.

Oft werden Anspruch und Dauer eines Doktortitels unterschätzt. So waren die frisch Promovierten bei ihrem Abschluss in 2010 in Deutschland durchschnittlich 32,7 Jahre alt. Dabei drückten die Humanwissenschaften mit ihren Kurzpromotionen den Schnitt sogar noch nach unten. Auch in Mathematik- und Naturwissenschaften wird verhältnismäßig rasch promoviert. Dagegen waren Kunsthistoriker durchschnittlich fast 38 Jahre alt.

Promotion ersetzt keine Praktika

Um den beruflichen Anschluss an die Masterstudenten nicht zu verlieren, rät Behrens Promovenden dringend, praktische Erfahrungen in Praktika oder als Werkstudent zu sammeln. „Wenn jemand promoviert hat und in dem Bereich, in den er hineinmöchte, einige Praktika gesammelt hat, kann er oft als Analyst im zweiten oder dritten Jahr oder sogar als Associate anfangen“, erläutert Behrens. Auf diese Weise ließen sich zumindest einige der drei oder vier Jahre, die eine Promotion kostet, wieder hereinholen. „Das Einstiegsgehalt ist oft auch höher“, ergänzt Behrens.

Was ist besser, Promotion oder MBA?

„Eine Promotion spielt für eine Karriere im Investment Banking keine Rolle und wird von meinen Kunden auch nicht nachgefragt“, sagt Headhunterin Angela Hornberg von Advance Human Capital in Frankfurt. „Ein MBA von einer richtig guten Business School in Großbritannien, den USA oder Asien bringt für die Karriere tausendmal mehr.“ Hornberg prophezeit, dass in einer kundenorientierten Banking-Karriere der Doktortitel künftig an Bedeutung verlieren werde. „Die Globalisierung schreitet voran. In den USA und England spielt der PhD nur für Leute eine Rolle, die an der Uni bleiben möchten.“ Selbst die Aufnahme eines Kredits für die horrenden Studiengebühren eines guten MBA-Programms zahle sich dagegen aus.

Senior Berater Carsten Baumgärtner, der bei der Boston Consulting Group für das Recruitment zuständig ist, sieht dies differenzierter. Es lasse sich nicht pauschal sagen, ob eine Promotion oder ein MBA besser sei. Dies müsse jeder für sich entscheiden. „Während man sich während einer Promotion einem speziellen Thema innerhalb eines Fachgebietes widmet, erhält man mit einem MBA ein breitgefächertes wirtschaftswissenschaftliches Fachwissen“, erläutert Baumgärtner. „Sowohl Fachwissen auf kleineren speziellen Gebieten als auch ein tiefgreifendes aber breit gefächertes wirtschaftliches Fachwissen ist für uns innerhalb der Projektarbeit von großer Bedeutung.“

Eine Promotion bringt Persönlichkeit und Intellekt voran

Neben dem reinen Fachwissen bringt eine Promotion weitere Vorteile mit sich. „Eine akademische Aus- und Weiterbildung erweitert natürlich die Persönlichkeit eines jeden Mitarbeiters und bereichert so auch die tägliche Arbeit bei und mit unseren Kunden. Daher unterstützen wir unsere Berater auch dabei, wenn sie sich für eine Promotion entscheiden“, sagt Baumgärtner, was Freistellung und finanzielle Hilfe umfasse. „Uns geht es weniger darum, dass die Berater schnell und praxisorientiert promovieren, sondern mehr um strategisches Denkvermögen, komplexe Sachverhalte zu durchschauen und verbinden zu können.“

Allerdings stellen auch bei der Strategieberatung MBA oder Promotion keine Karrieregarantie dar, betont Baumgärtner. „Titel und Abschluss bestimmen bei BCG per se nicht von vorneherein den persönlichen Karriereweg. Was zählt, ist immer die persönliche Leistung jedes Einzelnen.“


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