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Good Bye und Grüß Gott: Was Finanzprofis bei der Rückkehr aus London, New York oder Singapur beachten müssen

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Eine berufliche Station an der Wall Street, in der City oder in Singapur schmückt jeden Lebenslauf ungemein. Dennoch werden Rückkehrer aus den angelsächsischen Finanzzentren in Frankfurt nicht immer mit offenen Armen empfangen. Vielmehr muss die Heimkehr gründlich geplant werden, damit er gelingt und nicht etwa im Frust endet. Im Zuge des Brexits dürfte noch so mancher deutscher Gastarbeiter an der Themse vor diesem Problem stehen.

Das Gesetz von Angebot und Nachfrage

Rückkehrer aus dem Ausland stehen oft vor erheblichen Herausforderungen, weiß Headhunter Patrick Riske von Fricke Finance & Legal in Frankfurt. In vielen Bereichen wie etwa im Kapitalmarktgeschäft gebe es derzeit in Frankfurt nur wenige Vakanzen. „Da herrscht das Gesetz von Angebot und Nachfrage und das Stellenangebot ist in einigen Bereichen schlecht“, sagt Riske. Erschwert werde die Rückkehr durch den Umstand, dass deutsche Arbeitgeber meist fordern, dass der Kandidat möglichst 1:1 zum Anforderungsprofil der Stelle passe. „In angelsächsischen Ländern ist man da oft flexibler als in Deutschland“, kommentiert Riske.

Nach den Erfahrungen von Personalberater Andreas Krischke von Indigo Headhunters in Frankfurt setze die Rückkehr bei Arbeitgebern und Kandidaten eine gewisse Flexibilität voraus. „Die Rückkehrer müssen sich oft mit einer Position begnügen, die nicht ihre erste Wahl war“, erzählt Krischke. Auch bei den Gehaltsvorstellungen sei Flexibilität gefragt.

Zeigen Sie sich bei den Gehältern bescheiden

Bei der Bezahlung müssen Rückkehrer oft Zugeständnisse machen. So fällt nach Einschätzung von Headhunter Dirk Albütz von Fibance in Frankfurt das Gehaltsniveau am Main um ca. 15 bis 20 Prozent niedriger als an der Themse aus. „Die Arbeitgeber sind hier einfach nicht bereit, so viel zu zahlen“, sagt Albütz.

„Die meisten Rückkehrer bringen ein Verständnis dafür mit, dass sie ihre Gehaltsvorstellungen in Deutschland oft zurückschrauben müssen“, erzählt Riske. „Aber was das konkret für Sie bedeutet, ist ihnen selten bewusst.“

Zwei Jahre sind genug – zumindest im Front Office

„Auslandserfahrungen zu sammeln, ist gut und schön, aber man sollte das möglichst in jungen Jahren machen“, warnt Krischke. „Wenn man 33 oder 34 wird, sollte man sich langsam wieder heimwärts orientieren.“ Das gilt namentlich für Positionen im Front Office, wo es auf den Ausbau und die Pflege der Kundenbeziehungen ankomme. „Wer drei Jahre oder mehr im Ausland verbracht hat, kennt oftmals nicht mehr die Namen der Entscheidungsträger bei den Kunden“, erzählt Krischke. Viele Arbeitgeber wünschen sich aber Front Office-Mitarbeiter, die möglichst von Tag 1 an Erträge generieren.

Je länger der Auslandsaufenthalt ausfällt, desto schwieriger fällt die Rückkehr. „Wer zehn Jahre oder mehr in London oder New York gelebt hat, hat bereits die angelsächsische Mentalität angenommen“, meint Riske. Dies könne bei deutschen Arbeitgebern zu Kulturkonflikten führen. In solchen Fällen empfiehlt Riske, sich z.B. bei angelsächsischen Banken in Frankfurt nach einer Stelle umzuschauen.

Vorsicht vor dem Neid der Heimgebliebenen

Auch die Rückkehr bei demselben Arbeitgeber birgt so manche Stolperfalle. So herrscht zwischen den Standorten der Banken z.B. in Frankfurt und London oft eine nicht immer gesunde Rivalität. Albütz warnt Rückkehrer daher vor einem allzu selbstbewussten Auftritt. „Es gibt oft Neid und den Verdacht: ‚Der will uns jetzt zeigen, wo es lang geht“, beobachtet Albütz. „Da ist Fingerspitzengefühl gefragt.“

Vorsicht vor dem Jobhopping

„Bei Rückkehrern sehen die Lebensläufe ab und an anders aus“, berichtet Riske. An Finanzplätzen wie London oder New York sei es nicht anstößig häufiger mal zu wechseln. Die Liste der Arbeitgeber falle so länger und die Betriebszugehörigkeit kürzer als bei heimgebliebenen Finanzprofis aus. „Das sehen deutsche Arbeitgeber nicht so gerne“, sagt Riske.

Was machen, wenn man keine Arbeitszeugnisse hat

Bei Bewerbungen erwarten Arbeitgeber im deutschsprachigen Raum regelmäßig die Vorlage sämtlicher Arbeitszeugnisse. Rückkehrer stehen damit vor einem Problem, denn in Ländern wie England oder den USA sind Arbeitszeugnisse entweder unüblich oder sogar illegal. „Wenn die Rückkehrer einen Reference-Letter vorlegen, wird das von den Arbeitgebern aber meist als Alternative gesehen“, entwarnt Riske.

Meistens gelingt die Reintegration

Trotz aller Vorsicht gelingt die Rückkehr meist reibungslos. „Die Organisations- und Anpassungsfähigkeit haben viele deutsche Expats im Ausland gelernt“, sagt Albütz. „Wer in Deutschland aufgewachsen ist und vielleicht auch studiert hat, integriert sich meist schnell.“

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