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Was Londoner Headhunter von Bewerbern in 2016 erwarten

London, Europas Finanzzentrum Nummer 1.

London, Europas Finanzzentrum Nummer 1.

An der Themse dürfte es in 2016 nicht leicht fallen, einen neuen Job zu finden. Denn die meisten Banken schwingen in London besonders beherzt den Rotstift. So will allein die Credit Suisse hier 2000 Stellen streichen. Wir haben mit ortsansässigen Recruitern gesprochen, was sie im neuen Jahr von Kandidaten verlangen:

1. Sie suchen Kandidaten ohne Altlasten

Derzeit drehen die Banken an der Themse jeden einzelnen Penny um; außerdem wird der Markt besonders im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren von Bewerbern geradezu überschwemmt. Von daher zeigen die Banken keine große Neigung, hohe Bonusansprüche von Kandidaten herauszukaufen.

„In Fixed Income gibt es Jobs, aber hierauf kommen überproportional viele Kandidaten“, warnt Headhunter Nick Stevens von Eximius. „Als Folge davon können sich die Banken die Kandidaten auf dem Markt herauspicken. Sie verfolgen einen zunehmend pragmatischen Ansatz und entscheiden sich für Kandidaten, die gut sind und nicht teuer herausgekauft werden müssen. Sie zahlen keine riesigen Summen, um die bestmögliche Person zu bekommen.“

2. Sie suchen leistungsstarke VPs, aber keine Directors

Laut Headhunter Russel Clarke von Figtree Search befänden sich derzeit die Vice Presidents (VP) „im Fokus.“

„Jeder geht die obersten 15 Prozent der VPs in den Talentpools an“, versichert Clarke. Die Banken wollen jetzt kompetente und erfahrene Leute, die im „Maschinenraum“ der Banken die Arbeit verrichten, aber nicht zu teuer sind. „Falls Sie sich in dieser Kohorte befinden, dann sind sie abteilungsübergreifend gefragt: Trading, Sales and Origination, festverzinsliche Wertpapiere und Aktien; dort spielt derzeit die Musik“, kommentiert Clarke.

Doch nur einen Karriereschritt darüber, auf Director-Level, sieht es schon ganz anders aus. Hier falle die Nachfrage deutlich geringer aus, wie ein Personalberater berichtet, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Es gibt eine Menge Directors, die ihre Stelle verloren haben. Die Banken stellen entweder VPs für den ‚Maschinenraum‘ ein oder Führungskräfte, die Deals hereinholen. An teuren Directors hegen sie kein Interesse.“

3. Sie wollen kompromissbereite Kandidaten

Ein arbeitsloser M&A-Director ohne Job muss sich auf dem Londoner Arbeitsmarkt flexibel zeigen. „Entweder verlassen Sie die Branche oder Sie erfinden sich irgendwo anders neu“, meint der Recruiter. „Wir haben eine ganze Reihe von Leuten gesehen, die ins Corporate Banking gewechselt sind“, ergänzt er. Auch in Deutschland gibt es einen Trend, aus dem Investment Banking ins Corporate Banking oder gleich ganz auf Unternehmensseite zu wechseln.

4. Sie wollen junge, leistungsstarke und unkomplizierte Kandidaten

Der grassierende Juniormangel scheint indes auch in einigen Teilen des Londoner Investment Bankings um sich zu greifen. Jedenfalls gibt es einen Bedarf an Investmentbankern unter 30, die bereit sind, 80 Stunden die Woche für weniger als 100.000 Pfund (133.000 Euro) zu arbeiten. Mit dieser Summe lässt sich aber selbst an der Themse gut auskommen.

„Wir haben alle Hände voll zu tun“, bestätigt unterdessen Headhunter Logan Naidu von Dartmouth Partners. „Wir haben gerade einmal die erste Woche und schon herrscht eine immense Nachfrage nach Analysten und Associates in M&A, die eine gute Ausbildung von guten Banken mitbringen.“

5. Sie wollen Kandidaten, die keinen großen Gehaltsaufschlag erwarten

„Wer in diesem Jahr seine Stelle wechseln möchte, sollte dies nicht des Geldes wegen tun“, warnt ein weiterer Personalberater, der anonym bleiben möchte. „Die Banken zahlen ihren Sales-Mitarbeitern einfach nicht mehr so viel Geld wie in der Vergangenheit.“

Dennoch sind auch weiterhin Gehaltssteigerungen möglich, allerdings stellt die Anhebung nur einen Ausgleich für das Risiko dar, das sie mit dem Wechsel eingehen.

„Falls Sie im Vertrieb von Aktienderivaten arbeiten und 400.000 Pfund (532.000 Euro) verdienen, dann können Sie beim nächsten Arbeitgeber womöglich 500.000 Pfund (665.000 Euro) erhalten“, erzählt ein Headhunter. „Nach Steuern schmelzen die zusätzlichen 100.000 Pfund auf 50.000 Pfund (133.000 bis 66.500 Euro) zusammen und diese 50.000 Pfund werden auch teilweise aufgeschoben ausbezahlt. Sofern Sie in Ihrem aktuellen Job erfolgreich sind, ist ein Wechsel für mehr Geld das Risiko nicht wert.“

Vielmehr würden Banker derzeit häufig aufgrund anderer Motivationen wechseln, indem sie beispielsweise einen Geschäftsbereich oder eine Marke aufbauen können. Doch selbst das stellt ein Risiko dar. „Falls Sie wegen einer Beförderung zu einer zweit- oder drittklassigen Bank wechseln, das funktioniert nicht. Die Rückkehr zu einer erstklassigen Bank fällt dann noch schwerer.“

6. Sie wollen, dass die Kandidaten mit ihrem Bonus unzufrieden sind

Einige Recruiter warten einfach, bis sich nach der Bonussaison diejenigen Investmentbanker von selbst melden, die mit ihrer variablen Vergütung unzufrieden sind. Die US-Banken spielen bei der Bekanntgabe der Boni für 2015 in den kommenden Wochen traditionell die Vorreiter. Doch auch dort wird das Geld nicht vor Ende Januar oder sogar Februar überwiesen. Anschließend dürften die Unzufriedenen sich auf die Suche nach einem neuen Job begeben.

„Wir rechnen damit, dass eine Menge Leute aus der Investment Banking Division wechseln werden, weil sie mit ihrem diesjährigen Bonus unzufrieden sind“, erzählt Personalberater Stephane Rambosson von DHR International. „Im Investment Banking dürften die Boni für 2015 stagnieren und als Folge davon werden wir wohl viel Verärgerung erleben.“

7. Sie wollen nicht belästigt werden

Wer im vergangen Jahr seinen Arbeitsplatz im Banking verloren und bislang nichts Neues gefunden hat, dürfte der Panik nahe sein. Dies stellt jedoch keinen Grund dar, seine Angst auch zu zeigen.

„Da draußen gibt es eine Menge verzweifelter Leute“, sagt ein Headhunter. „Die Leute würden nahezu alles machen, nur um zu einem Vorstellungsgespräch bei einer Bank eingeladen zu werden. Daher gibt es auch eine Menge Stalker“, kritisiert er. Doch was heißt das konkret? „Sie rufen mich ständig an, schreiben mir E-Mails und bringen Freunde oder Kunden dazu, mir zu schreiben, wie großartig sie seien…“

8. Sie wollen, dass Kandidaten zum Wechsel zu einer kleineren Bank bereit sind

Schließlich bevorzugen Recruiter, die bereit sind, zur einer Tier 3-Bank und darunter zu wechseln. Denn auf diese Banken dürfte ein Großteil der Einstellungen im neuen Jahr entfallen, was besonders für das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren gilt. Falls Sie jedoch einen großartigen Job bei einer renommierten Adresse anstreben, dann müssen Sie zumindest in London wohl auf 2017 hoffen.

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