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Wie sich EY die Personalpolitik der Zukunft vorstellt – und was dies für junge Banker bedeutet

Das Hamsterrad hat keine Zukunft.

Das Hamsterrad hat keine Zukunft.

Über die Generation Y wurde schon viel Tinte verspritzt. Auch EY widmet sich jetzt in einer Studie der Frage, wie im Banking die „Talente” der Zukunft aussehen. Nach den Autoren legt die zwischen 1981 und 2000 geborene Generation mehr Wert auf Flexibilität am Arbeitsplatz und auf Work-Life-Balance und weniger auf das große Geld – und natürlich handelt es sich um die bislang kompetenteste Generation beim Thema IT. So weit das Altbekannte. Interessanter ist indes, welche Empfehlung EY den Banken zur Überarbeitung ihres „HR-Lebenszyklus” empfiehlt. Falls sich die Institute tatsächlich an solchen Ratschlägen orientieren, dann dürfte dies erhebliche Folgen für die Karriereentwicklung in der Zukunft haben. Konkret:

1. Der Talent-Pool sollte ausgeweitet werden

Was EY empfiehlt…

Gleich ob USA, UK, Deutschland oder die Schweiz: Die Banken tendieren dazu, junge Mitarbeiter von immer den gleichen Universitäten anzuheuern und dabei großen Wert auf die Abschlussnoten zu legen. Dagegen empfiehlt EY den „Talentpool” auszuweiten, um den Arbeitskräftebedarf der Zukunft zu decken. „Eine wachsende Zahl an Studien belegt, dass die Auswahl der Studenten auf Basis der akademischen Leistung allein zu eng ist und den Bewerberpool zu sehr einschränkt”, heißt es in der Studie. Außerdem sollten sich Banken ein Vorbild an anderen Branchen nehmen und sich ggf. an den Studiengebühren beteiligen.

… was dies für Berufseinsteiger bedeutet

Damit würden künftig auch Absolventen der „gewöhnlichen” Universitäten oder einem schwächeren Abschluss bei Banken haben. Bislang dominieren auch in Deutschland Absolventen von Privatunis wie WHU Vallendar, EBS in Oestrich-Winkel, der Frankfurt School sowie ausgewählter staatlicher Hochschulen wie Goethe-Uni oder Mannheim zumindest das Investment Banking. Und wer sich die teils horrenden Gebühren leisten kann, kommt meist aus einem begüterten Elternhaus.

2. Neue Qualifikationen gezielt angehen

Was EY empfiehlt…

Keine Frage: Banking hat als „Employer-Brand” erheblich verloren. Noch schlimmer ist, dass ausgerechnet begabte IT-Experten und Ingenieure, die die Branche in der Zukunft braucht, lieber zu IT-Firmen als ins Banking gehen. Google oder Apple statt Goldman Sachs oder Deutsche Bank, heißt die Losung. Unter den 25 attraktivsten Arbeitgebern für diese Studentengruppe findet sich keine einzige Bank. EY rät, die positiven Seiten und die Sinnhaftigkeit des Bankings deutlicher herauszuarbeiten.

… was dies für Berufseinsteiger bedeutet

Die Finanzdienstleister könnten spannendere und kreativere Jobs für die Technik-Profis einrichten und endlich die überkommene Kultur überwinden, wonach IT-Experten ins Back Office gehören und nichts zu sagen haben.

3. Die Modernisierung der Recruitment-Kanäle

Was EY empfiehlt...

Berufseinsteiger werden künftig immer häufiger als erstes über moderne Kanäle wie Mobilgeräte oder Soziale Medien in Kontakt mit dem Arbeitgebern treten. Dagegen werden traditionelle Recruitment-Kanäle als altbacken verstanden.

… was dies für Berufseinsteiger bedeutet

Die Banken haben längst begonnen, sich auf den modernen Kanälen zu präsentieren. Studenten sind gut beraten, sich schon vor einer Bewerbung hier gründlich informieren, um sich als „technology savy” zu präsentieren.

4. Die Sinnhaftigkeit der Arbeit

Was EY empfiehlt…

Unternehmenswerte und die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit spielen für die Mitarbeiterzufriedenheit eine wachsende Rolle. Große Arbeitgeber wie die Deutsche Bank haben sich daher bereits den Kulturwandel auf die Fahnen geschrieben.

… was dies für Berufseinsteiger bedeutet

Vermitteln Sie niemals im Bewerbungsprozess den Eindruck, dass Sie nur ins Banking wollen, um das große Geld zu verdienen – auch wenn dies den Tatsachen entspricht. Betonen Sie stattdessen, wie wichtig Ihnen eine sinnvolle und gesellschaftlich verantwortliche Aufgabe ist.

5. Revolution in der Leistungsbeurteilung erforderlich

Was EY empfiehlt…

In der Vergangenheit stützte sich die Leistungsbeurteilung zu sehr auf quantitative Kennzahlen wie Erträge, die pünktlich zur Bonussaison in einem Jahresgespräch erörtert wurden. „Die Banken müssen ihren Ansatz bei der Leistungsbeurteilung radikal verändern”, heißt es von EY. Die Generation Y bevorzuge zeitnahe, also mehrere, unterjährige Leistungsbeurteilungen mit vielseitigeren Kriterien – also nicht nur Erträge.

… was dies für Berufseinsteiger bedeutet

Beförderungen werden sich in Zukunft weniger nach den reinen Ertragskennzahlen richten als das in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. Bis zu welchem Ausmaß sich dies durchsetzt, bleibt indes vorerst offen. Jedenfalls sollte sich jeder junge Banker die persönliche Ziele bei Werten und Unternehmenskultur gründlich durchlesen.

6. Besseres Wohlbefinden

Was EY empfiehlt…

Besonders das Investment Banking mit seinen endlosen Arbeitszeiten wird von jüngeren Mitarbeitern zunehmend als Tortur empfunden. Laut EY stellt jedoch die Mitarbeiterzufriedenheit einen Schlüssel zu einer höheren Produktivität dar. „Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Produktivität der Angestellten”, betont EY. „Einen Angestellten von einem ,niedrigen’ zu einem ,moderaten’ Level beim Wohlbefinden zu bringen, führt durchschnittlich zu einer Steigerung der Produktivität um 13 Prozent.”

… was dies für Berufseinsteiger bedeuten würde

Eine bessere Work-Life-Balance vor allem im Investment Banking würde sicherlich die Abwanderung der jüngeren Mitarbeiter in die Private Equity-Branche oder zu Corporates vermindern. Doch vorerst bleiben die langen Arbeitszeiten ein Kernproblem der Branche.

7. Die Mitarbeiterentwicklung

Was EY empfiehlt…

EY rechnet damit, dass die Bereitschaft der Generation Y aufgeschlossener für Arbeitgeberwechsel und Karriereschwenks sei. Es herrsche ein Trend zu „Portfolio-Karrieren”. Die künftigen Mitarbeiter legen einen größeren Wert auf die persönliche und berufliche Entwicklung.

… was dies für Berufseinsteiger bedeutet

Dank der demografischen Entwicklung scheinen beste Karrierechancen auf die junge Generation zuzukommen.

8. Generation Y will mehr als nur Geld

Was EY empfiehlt…

„Die Motivation der Generation Y besteht nicht notwendigerweise in Geld. Sie reagieren eher auf Lob, Beförderung, mehr Verantwortung, Fürsorge und Veränderung”, schreiben die Autoren der Studie.

… was dies für Berufseinsteiger bedeutet

Das hört sich zunächst gut an, birgt jedoch ein erhebliches Risiko für junge Banker. So manches Institut könnte auf die Idee kommen, weniger Boni zu zahlen und stattdessen auf nichtmonetäre (und damit günstigere) Anreize zu setzen.

9. Trennung mit Würde

Was EY empfiehlt…

Am Ende eines Anstellungsverhältnisses empfiehlt EY eine Trennung mit Würde. Darüber hinaus sollten Banken mit ehemaligen Mitarbeitern in Kontakt bleiben und auf deren Feedback achten. Damit steige die Chance, dass Ehemalige bei Gelegenheit wieder zurückfinden.

… was dies für Berufseinsteiger bedeutet

Der demografische Wandel wird sicherlich bewirken, dass Arbeitgeber ihre Beschäftigten pfleglicher behandeln – auch bei der Kündigung.

10. Die Zeiten des uniformen Bankers sind gezählt

Was EY empfiehlt…

Das Modewort „Diversity” wird sicherlich dazu führen, dass sich die Banker nicht länger wie ein Ei dem anderen gleichen: Gleiche soziale und ethnische Herkunft, männlich, gleiches Studienfach, gleiche Praktika etc. EY sieht auf die Banken die Herausforderung zukommen, die dann vielfältigeren Vorstellungen und Kulturen der Mitarbeiter zu integrieren und zu balancieren.

… was dies für Berufseinsteiger bedeutet

Die Berufschancen für gesellschaftliche Gruppen, die bis in die jüngste Vergangenheit im Banking als Außenseiter galten, dürften sich auf absehbare Zukunft deutlich verbessern.

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