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Skandalbanken zahlen einfach besser: Wieso Sie für HRE, WestLB und HSH Nordbank arbeiten sollten

Banken, die in der Finanzkrisen Geldspritzen vom Steuerzahler erhalten haben, dürfen ihren Mitarbeitern nicht mehr als 500.000 Euro im Jahr zahlen – denn alles andere wäre unredlich. So hieß es jedenfalls bis zum Wochenende. Doch dem scheint nicht so zu sein, denn diese Beschränkung gilt nur für den Vorstand – in der zweiten Führungsebene darf hingegen auch weiterhin kräftig kassiert werden.

Laut der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sollen wenigstens 200 Banker bei Instituten, die durch großzügige Staatshilfen vor der Pleite bewahrt worden sind, mehr als 500.000 Euro pro Jahr erhalten. Ein Commerzbank-Mitarbeiter soll sich sogar gerühmt haben, dass Doppelte seines Chefs zu “verdienen”. Commerzbank-Chef Martin Blessing muss sich mit eben jenen 500.000 Euro begnügen.

Politiker fordern gesetzliche Gehaltskürzungen

Unterdessen schlagen die Wellen in der Politik hoch. So fordert bereits der FDP-Finanzmarktspezialist Florian Toncar eine gesetzliche Deckelung der Spitzengehälter auch für Mitarbeiter aus den zweiten Ebene: “Notfalls muss man gesetzlich regeln, dass bei einer vom Staat geretteten Bank auch Gehälter gekürzt werden können. Es ist ein Unterschied, ob jemand bei einer Bank arbeitet, die mit staatlicher Hilfe gerettet worden ist oder nicht.”

Doch so einfach liegen die Dinge nicht. So hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wiederholt darauf hingewiesen, dass hochbezahlte Experten von Nöten seien, um die Giftmüllkippen in den Bankbilanzen aufzulösen, da nur so weitergehender Schaden vom Steuerzahlen abgewendet werden kann.

Dieser Logik zufolge müssen sich gerade die Institute mit den miserabelsten Geschäftszahlen als erstklassige Arbeitgeber präsentieren. Ein Blick in die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr belegt, dass es offenkundig nicht immer klug ist, für erfolgreiche Banken zu arbeiten.

So liegen beim Vorsteuergewinn die Deutsche Bank mit 4,3 Mrd. Euro und die Hypo Vereinsbank (HVB) mit 1,1 Mrd. Euro im ersten Halbjahr an der Spitze. Eben jene Institute, die in der Krise nicht auf das Portemonnaie des Steuerzahlers zurückgreifen mussten, erweisen sich somit auch weiterhin als höchst profitabel.

Dagegen geht die Geldvernichtung bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit einem Minus von 321 Mio., bei der HSH Nordbank mit -427 Mio. und der Hypo Real Estate (HRE) mit -719 Mio. Euro munter weiter – wobei die HRE in dieser Rolle eine unrühmliche Spitzenposition einnimmt. Abgesehen von der BayernLB konnten sich die übrigen Landesbanken mit einem vergleichsweise niedrigen dreistelligen Millionengewinn gerade noch in die Gewinnzone retten.

Bei dieser Aufstellung sind dies immensen Risiken, die aus der Abschirmung der Giftmülldeponien in den Bilanzen für die Steuerzahler resultieren nicht einmal berücksichtigt. Allein bei der HRE muss der Steuerzahler mit über 140 Mrd. Euro geradestehen.

Das gute Abschneiden der Deutschen Bank und der Hypo Vereinsbank (HVB) mag zwar die Aktionäre entzücken, nicht jedoch unbedingt die Mitarbeiter. Zwar zeigte sich der Branchenprimus mit einem durchschnittlichen Personalaufwand pro Kopf von über 80.000 Euro im ersten Halbjahr besonders spendabel, doch findet sich die recht erfolgreiche HVB mit 47.000 Euro gerade einmal im Mittelfeld.

Stattdessen befinden sich auf den Plätzen zwei bis vier der bestzahlenden Banken ausgerechnet die Skandalbanken. So ist Giftmüllkippenbetreiber WestLB mit einem durchschnittlichen Personalaufwand von annähernd 60.000 Euro äußerst großzügig – obgleich nicht immer klar wird, für welche Leistung die üppigen Saläre bezahlt werden.

Erfolg zahlt sich nicht immer aus, Misserfolgt dagegen schon

Nach der Enthüllung vom Wochenende erstaunt es auch nicht, dass die HRE mit einem Personalaufwand pro Kopf von ebenfalls fast 60.000 Euro auf Platz drei landet und die HSH Nordbank mit rund 55.000 Euro auf Platz vier.

Da für die Bewältigung der toxischen Wertpapiere in den Bilanzen – wie Branchenexperten zu Recht bemerken – hochqualifiziertes Personal erforderlich ist, erweisen sich ausgerechnet die Skandalbanken als erstklassige Arbeitgeber, bei denen es laut in den Portemonnaies der Mitarbeiter klingelt.

Erfolg zahlt sich also nicht immer aus, das müssen namentlich die Mitarbeiter der HVB realisieren – Misserfolg dagegen schon, wofür die HRE das beste Beispiel abgibt. So verteilt die HRE jetzt auch noch Boni in Höhe von insgesamt 25 Mio. Euro für 2009, was pro Kopf über 18.000 Euro ausmachen würde.

Kommentare (2)

Comments
  1. Haha, ich lach mich schlapp!
    80 Mio. € Personalaufwand pro Kopf?
    Die Bank möchte ich sehen, die das stemmen kann.

  2. aber @ Erbsenzähler: die Angaben mit den Mio € waren eine Tabelle vorher, daher gilt auch hier: wer lesen kann ist klar im Vorteil.

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