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Hedgefonds-Chef: Wieso Programmierkenntnisse für Finanzprofis immer wichtiger werden

Sandy-Rattray-Man

Sandy Rattray, Man AHL

Für die Arbeit in den Finanzdienstleistungen gewinnen Programmierkenntnisse ständig an Bedeutung. So kommen Trader, die im elektronischen Handel oder mit quantitativen Methoden arbeiten, immer seltener um Programmiersprachen herum. Umgekehrt sind Leute mit Programmierkenntnissen in den Finanzdienstleistungen heiß begehrt. Für den Trader der Zukunft werden Programmiersprachen nicht nur eine Zusatzqualifikation sein, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Ein Beispiel für die Entwicklung stellt der Hedgefonds Man AHL dar, der 17,9 Mrd. Dollar schwer ist und auf quantitative Methoden vertraut. Um talentierte Studenten ausfindig zu machen, veranstaltet Man AHL einen Wettbewerb, bei dem Studenten einen Algorithmus entwickeln sollen, der das BBC Micro-Spiel Hexplode kontrolliert. Die Idee dabei: Talentierte Programmierer ausfindig zu machen, die sich die Arbeit bei einem Hedgefonds vorstellen können. Viele Kandidaten haben einen solchen Arbeitgeber gar nicht erst auf ihrem Radar. Der Gewinner erhält 5000 Pfund und einen Praktikumsplatz mit der Aussicht, direkt nach der Uni eine Hedgefondskarriere zu starten.

„Nicht jeder bei Man AHL muss wissen, wie man programmiert. Aber als ein technologiegetriebenes Unternehmen sind viele unserer Angestellten Programmierer oder bringen zumindest Kenntnisse im Programmieren mit“, erzählt Man AHL-Chef Sandy Rattray zu eFinancialCareers. „Selbst bei Aufgaben, für die Programmieren keine wesentliche Kompetenz darstellt, halten es die Personen für vorteilhaft, die Grundlagen des Programmierens zu lernen, um ihren Job besser zu erledigen.“

Man AHL nutzt für seine Tradingmodelle die Programmiersprache Python. Darum bittet der Hedgefonds auch bei dem besagten Wettbewerb eben diese Sprache zu verwenden. Generell ist Man AHL mit ähnlichen Personalproblemen wie andere Finanzdienstleister konfrontiert. Es geht darum, Programmierer anzusprechen, die nie daran dachten, in der Branche zu arbeiten, oder Kandidaten zu finden, die ansonsten durch ihre Netze geflutscht wären. Wettbewerbe erfreuen sich dabei wachsender Beliebtheit. Um jegliche Vorurteile gegenüber Kandidaten auszuräumen, setzen große Unternehmen wie die britische Großbank HSBC oder die Wirtschaftsberatung Deloitte sogar anonymisierte Recruitmentprozesse ein.

Auch Rattray selbst bringt einen unkonventionellen Hintergrund mit. „Ich habe mich immer für IT interessiert und besaß als Schuljunge einen BBC Micro“, erzählt er heute. „Ich habe Naturwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften in Cambridge studiert. Nach dem Studium habe ich mich entschieden, meine quantitative Kompetenzen und meine Programmierkenntnisse zu nutzen und im Derivate-Research-Team im Handelssaal von Goldman Sachs zu arbeiten.“

Rattray verbrachte schließlich 15 Jahre bei der US-Investmentbank und schaffte es dort bis zum Managing Director und Leiter der fundamentalen Strategie. In 2007 wechselte es zu GLG Partners, die später von Man übernommen wurden, wo er die systemische Strategie leitete. Als in 2013 der neue Man-Chef Manny Roman das Management der Gruppe umbaute, avancierte Rattray zum Chef von Man AHL.

Laut Rattray bereite einen die Arbeit auf der Sell-side (im Investment Banking also) gut auf die Tätigkeit auf der Buy-side (bei Asset Managern) vor. Allerdings müsse jeder, der den Wechsel anstrebe, die Unterschiede beider Branchen verstehen.

„Die Entwicklung neuer Ideen kann länger dauern, sie haben weniger Chancen, etwas richtig hinzubekommen, und die Kundenbeziehungen sind meist längerfristig“, sagt Rattray. „Ich hatte festgestellt, dass ich wechseln wollte und habe mich mit Leuten von der Buy-side unterhalten. Nach 15 Jahren auf der Sell-side brauchte ich keinen Headhunter mehr.“

Doch Man AHL stellt nicht nur IT-Experten ein, auch Researcher, Risikoanalysten, Client Portfolio Manager sowie Experten für Sales und Trading würden eingestellt. Wer bei Rattray einen bleibenden Eindruck hinterlassen möchte, muss schon eine geradlinigen Karriereweg mitbringen. Man AHL beschäftigt derzeit 83 Researcher und 112 Angestellte im Investment Management.

„Mich interessiert schon, welche Karriereentscheidungen Leute treffen“, erzählt er. „Wieso haben sie sich für einen bestimmten Kurs entschieden und wieso bei einem bestimmten Arbeitgeber angefangen? Wir streben eine langfristige Beschäftigung unserer Mitarbeiter an und wir suchen nach Leuten, die das uns gegenüber genauso sehen.“

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