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Traumjob oder Albtraum? Wieso es für Trader über 30 nur noch abwärts geht

UBSHandelssaal

Im Handelssaal der UBS haben die meisten Beschäftigten ihren 30. Geburtstag noch vor sich, was Investmentbanking-Chef Andrea Orcel einiges Kopfzerbrechen bereitet. Denn gerade zu dieser Altersklasse gehören die Trader, die wie Kweku Adoboli in den zurückliegenden Jahren für Schlagzeilen sorgten.

Dafür gibt es auch einen Grund: Während die Investment Banking Division hierarchisch aufgebaut ist, sind die Strukturen in den Handelssälen vergleichsweise flach und es kommt eher auf die Leistung an. Auch stellt die Länge der Berufserfahrung noch längst keinen Garanten für Kompetenz dar.

„Im Investment Banking gibt es eine klare Hierarchie und man benötigt Jahre, um genügend Berufserfahrung und Kundenkontakte zu sammeln, um tatsächlich Geschäfte anzubahnen“, erzählt ein Investmentbanker, der auch im Karrierecoaching tätig ist. „Dagegen dreht sich im Trading alles um die Performance. Daher kann ein talentierter junger Mensch seinen Weg machen. Er betrachtet die erfahreneren Leute normalerweise als Konkurrenz.“

Der emeritierte Professor für Neurowissenschaften Joe Herbert von der Uni Cambridge hält Handelssäle für von Menschen geschaffene Dschungel, die junge Männer mit hohem Testosteronspiegel ansprechen. Herbert muss es wissen. Für seine Studie hat er zehn Tage in einem Handelssaal verbracht. Von den 220 Angestellten dort berichtet er: „Es gab vier Frauen und ich habe niemanden über 40 gesehen.“

„Es handelt sich um das natürliche Umfeld für junge Männer mit einem hohen Testosteronspiegel. Sie gehen hohe Risiken ein, die die Fähigkeit erfordern, innerhalb eines stressreichen Szenarios rasch Entscheidungen zu treffen“, ergänzt Herbert. „Wenn Sie älter werden, verlieren Sie die Fähigkeit aus dem Stand heraus Entscheidungen zu fällen und der ständige Stress erhöht das Risiko für Burnout. Durch Erfahrung lässt sich das teilweise kompensieren, aber nicht genug.“

Wieso Trader ausbrennen

Laut dem ehemaligen Trader David Hesketh, der heute Trading Hub betreibt, sollten sich die Banken über den Mangel an Berufserfahrung in ihren Handelssälen sorgen. „Trader werden sehr gut bezahlt und arbeiten unter hohem Stress, wodurch sie häufig mit Mitte 30 ausscheiden. Als Folge davon verlieren Investmentbanken regelmäßig Wissen über die Institutionen und die Märkte“, sagt Hesketh.

Erfahrene Trader haben beispielsweise schon sämtliche Marktzyklen miterlebt. Bei jüngeren Tradern besteht indes die Gefahr, dass sie durch die Erfahrungen in ihrer frühen Karriere geprägt werden. Auch dies scheint zu einem frühzeitigen Ausscheiden vieler Trader beizutragen. Ein weiterer Trading-Coach bestätigt, dass viele Leute zu sehr auf ein bestimmtes Marktumfeld fixiert seien.

„Die Muster des Marktmomentums, wie wir sie in den späten 90ern und zu Beginn des Jahrtausends gesehen haben, wurden durch Märkte mit schwächeren Trends ersetzt, in denen das Kapital auf eine kleinere Zahl an liquiden Assets konzentriert ist“, sagt er. „Dabei stellt das Alter nicht das eigentliche Problem dar, sondern die Schwierigkeit, das über die Märkte einmal Gelernte beiseite zu legen. Das ist der gleiche Grund, wieso viele Geschäfte keinen Wandel der Konsumgewohnheiten überleben.“

Skandaltrader wie Kweku Adoboli, Tom Hayes und Navinder Sing Sarao litten sicherlich nicht unter Mangel ans Selbstbewusstsein. An Stelle von erfahrenem Personal besetzen junge Männer die Führungspositionen. So avancierte Joshua Bertman im zarten Alter von 31 beim Hedgefonds Brevan Howard zum Partner. Manuel Stotz verantwortete im Alter von 30 sein eigenes Portfolio bei THS Partners. Weiter hat es Andrew Silverman mit 30 bereits zum Managing Direktor und Startrader bei Goldman Sachs geschafft.

„In der Studie gab es jemanden, der 12 Mio. Pfund verdiente und einen anderen mit 12.000 Pfund“, erzählt Herbert. „Das heißt nicht, dass das so bleibt. Beim Stress, der darin besteht, dass Ihr Lauf irgendwann einmal zu Ende sein könnte, handelt es sich um eine Form von Druck, dem Sie nicht allzu lange ausgesetzt sein wollen.“

„Das Leben eines Traders ist wie das eines Fußballspielers. Sie treffen nicht viele, die über 30 in dem Job arbeiten, weil die Leute ausbrennen“, erzählt der ehemalige Goldman Sachs-Managing Director Ziad Awad, der mittlerweile seine eigene M&A-Boutique betreibt. „Mein Vorgesetzter fragte mich, was ich mit 30 machen wolle. Wolle ich Trader bleiben? Wolle ich einen besseren Job am Anleihen-Desk? Wolle ich ins Derivate-Trading Team oder irgendetwas auf der Kapitalmarktseite machen?“

Was Sie nach einer Trading-Karriere machen können

Die Handelssäle schrumpfen ohnehin von Jahr zu Jahr. Da sich die Märkte rasant entwickeln, sind Trader sowieso zur Fortentwicklung ihrer Kompetenzen gezwungen. Es gibt aber auch Auswege aus dem Trading.

„Da sich für Trader die Management-Pyramide sehr schnell ausdünnt, entscheiden sich viele ältere Trader dazu, die Früchte ihrer Arbeit zu genießen und nicht länger in dem stressigen Umfeld zu arbeiten“, sagt Hesketh. Dies setzt jedoch voraus, dass die Trader in den wenigen Jahren im Handelssaal genügend Geld angesammelt haben.

Wer sich nach einem Ausweg umschaut, dem empfiehlt Awad die eigenen Vorgesetzten nach Karrierealternativen innerhalb der Bank zu fragen. Auf diese Weise hat sich auch Awad sukzessive vom Trading den Weg zu einer Advisory-Funktion gebahnt.

Laut Awad würden die meisten Trader jedoch näher bei ihren Wurzeln bleiben. „Zu meinen Kollegen gehörten einige der besten Trader meiner Generation bei Goldman Sachs. Die meisten davon investieren jetzt Geld für andere Leute, seien es Hedgefonds oder Fondsgesellschaften, oder sie sind ins Kapitalmarktgeschäft gewechselt. Einige wiederum haben etwas ganz anderes gemacht oder die Finanzdienstleistungen ganz verlassen.“

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