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Thiam greift durch: Die Gewinner und Verlierer der Credit Suisse-Restrukturierung

Tidjane Thiam

Der neue CS-Chef Tidjane Thiam

Die Neuordnung der europäischen Großbanken geht rasch voran. Nachdem die Deutsche Bank bereits am Wochenende erste Informationen über die geplante Restrukturierung herausließ, folgte jetzt die Credit Suisse. Die Maßnahmen des neuen Bankchefs Tidjane Thiam laufen auf einen Teilrückzug aus dem angelsächsischen Raum hinaus und auf eine Rückbesinnung auf die Schweizer Wurzeln. Hier die Gewinner und Verlierer:

Verlierer London: 2000 Jobs sollen an der Themse wegfallen

Die Credit Suisse will 3,5 Mrd. Franken einsparen. Einige hundert Millionen entfallen auf einen kräftigen Jobabbau in London. Laut Thiam sei die britische Hauptstadt einfach zu teuer. Daher will der Konzern 1800 Jobs im Back Office von der Themse an günstigere Standorte verlagern. Erwähnt wurde dabei u.a. der Nearshoring-Standort im polnischen Breslau. Darüber hinaus sollen durch mehr „Effizienz“ 200 Stellen im Front Office gestrichen werden. Damit summiert sich der Abbau auf an die 30 Prozent der dortigen Jobs.

Verlierer Uncle Sam: US-Wealth Management wird an Wells Fargo verkauft

Die Credit Suisse will sich auf das Wealth Mangement als ihrem Kerngeschäft konzentrieren. Umso überraschender kommt daher der Verkauf des US-Wealth Managements an Wells Fargo. Thiam begründete diesen Schritt mit der Aufwands-Ertrags-Quote von etwa 100 Prozent. Kurz: Mit vermögenden US-Kunden verdient die Credit Suisse kein Geld. „Das ist kein Geschäft, das wir besitzen sollten“, sagte Thiam.

Verlierer Schweiz: 1600 Jobs fallen weg

Die Rückbesinnung auf das Wealth Management bedeutet jedoch nicht, dass die Schweiz beim anstehenden Kostenabbau ungeschoren davonkommt. Vielmehr sagte Thiam, dass im Heimatmarkt in den kommenden drei Jahren 1600 Jobs wegfallen würden. Dies sei jedoch mit natürlicher Fluktuation zu erreichen. Da Thiam jedoch die Bedeutung des Schweizer Wealth Management betonte, dürften die Stellen vor allem im Back Office eingespart werden. Jedenfalls will die Bank den Kostenanteil der Shared Services in der Schweiz von 40 auf 20 Prozent verringern. „Es handelt sich nicht um das Blutbad, das von einigen erwartet wurde“, sagte Thiam.

Gewinner Wealth Management: Thiam will in der Schweiz auf Einkaufstour gehen

Kürzlich hat KPMG in einer Studie vorgerechnet, dass rund 30 der 130 Privatbanken der Schweiz mittelfristig aufgeben werden. Die Kosten angesichts steigender Regulierung seien von den kleineren Playern nicht zu stemmen und eine Konsolidierung überfällig. Thiam will jetzt ausdrücklich auf Einkaufstour gehen, wie er heute sagte. 20 bis 30 Prozent des Schweizer Geschäfts werde bis 2017 selbständig an die Börse gebracht. Dieser Schritt soll den Aufkauf von kleineren Schweizer Wealth Managern erleichtern. Er ließ dabei offen, ob er nur den Aufkauf der Assets oder ganzer Banken beabsichtige. Generell sei das Schweizer Geschäft der Credit Suisse unterbewertet, sagte Thiam.

Gewinner Schweizer Wealth Management: Einstellungsoffensive bei Kundenbetreuern

Der neue Chef der Swiss Universal Bank Thomas Gottstein kündigte unterdessen beim Investorentag an, rund 80 neue Kundenbetreuer zur Betreuung der High-Net-Worth-Individuals anzuheuern und die Zahl der Kundenbetreuer für das Ultra-High-Net-Worth-Individuals-Segment um 30 Prozent zu steigern.

Verlierer Fixed Income: Thiam will Investment Banking aufspalten

Thiam ließ keinen Zweifel daran, dass sich die Credit Suisse teilweise aus dem Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren zurückziehen werde. Dabei verwies er ausdrücklich auf das Vorbild von der anderen Seite des Zürcher Paradeplatzes. Der UBS-Aktienkurs habe sich seit ihrem Teilrückzug aus dem Fixed Income-Geschäft besser als der der Credit Suisse entwickelt. Er ließ jedoch offen, wie viele Jobs dies kosten werde.

Darüber hinaus werde das Investment Banking in das Advisory und Emissionsgeschäft sowie ins Kapitalmarktgeschäft aufgespalten. Eine ähnliche Maßnahme hatte die Deutsche Bank bereits am Wochenende bekannt gegeben. Auf diese Weise werden die kapitalintensiven Geschäftsbereiche wie z.B. Fixed Income von den kapitalschonenden Bereichen wie M&A abgespalten. Die neuen Bereiche heißen Global Markets und Investment Banking & Capital Markets.

Gewinner Asien und Schwellenländer: 1000 neue Jobs im Wealth Management

Doch die Credit Suisse plant nicht nur einen Kahlschlag beim Personal. Vielmehr sollen im Wealth Management auch 1000 neue Stellen geschaffen werden. Diese dürften jedoch schwerpunktmäßig in Asien entstehen. Die größere Selbständigkeit des Asiengeschäfts bedeute auch, dass dort rund 100 neue Stellen im Wealth Management erforderlich würden.

Gewinner Compliance: Neuer Vorstandsposten für Regulierungsexperten

Die wachsende Bedeutung der Regulierung für das Geschäftsmodell der Banken führt jetzt auch dazu, dass Lara Warner ans Chief Compliance and Regulatory Officer in den Vorstand einzieht. Dabei scheint es sich um einen Trend zu handeln, denn einen ähnlichen Beschluss hatte die Deutsche Bank bereits am Wochenende getroffen.

Die Credit Suisse will weitere Details auf ihrem heutigen Investorentag vorstellen. Wir werden daher den Artikel im Tagesverlauf ergänzen.


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