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Blick hinter die Kulissen von McKinsey, Bain und BCG

Was befindet sich hinter der schönen Kulisse der Strategieberatung? Wir wagen einen Blick.

Was befindet sich hinter der schönen Kulisse der Strategieberatung? Wir wagen einen Blick.

Die weltweit größten Strategieberatungen – McKinsey, Bain und die Boston Consulting Group (BCG) – besitzen den Ruf regelmäßig am Anfang außerordentlicher Karriere zu stehen. Doch wo liegen die Unterschiede der drei Unternehmen? Wir haben nachgeschaut.

1. Wer zahlt am besten? Bain

Soweit man den Daten der Gehaltsvergleichswebsite Emolument trauen darf, lässt Bain das meiste für seine Beschäftigten springen. Allerdings fällt der Anteil der Boni hier auch besonders hoch aus. Die Zahlen gelten indes für Großbritannien und sind nicht unbedingt auf Deutschland und die Schweiz übertragbar.

Consulting pay emolument

2. Wo fällt die Work-Life-Balance am besten aus? BCG

Auch wer in der Strategieberatung arbeitet, kommt um lange Arbeitszeiten kaum herum. Als 2013 Forscher von der Harvard Business School sich mit den Strategieberatungen beschäftigten, hörten sie Sätze wie: „Es gibt eine Korrelation zwischen Erfolg und der Bereitschaft alles beiseite zu legen und eine Tonne Arbeit zu erledigen. Die Leute arbeiten hier wahrscheinlich 14, 15 Stunden am Tag. Unter der Woche arbeiten und schlafen sie nur. Sie schlafen in der Nacht sechs Stunden oder weniger“, oder: „Wir sind ständig über unsere Blackberries erreichbar. Wir denken 24 Stunden am Tag über die Arbeit nach. Vielleicht können Sie sich hier und dort ein wenig ausklinken, aber die Leute arbeiten ständig.“ Auch an Geschäftsreisen herrscht kein Mangel. Ein Consultant berichtete sogar, dass er im vergangenen Jahr 105 Flüge absolviert habe und sich „ausgelutscht“ fühle. Zwischenzeitlich haben die Beratungsfirmen allerdings das Problem erkannt und versuchen gegenzusteuern.

Die Nominierung von BCG für die besten Arbeitszeiten geschieht auf Grundlage des Programms „Predictable Time Off“. Demnach haben die Berater am Anfang eines Projektes „vorhersagbare Phasen“ von Freizeit. In diesen Zeiten müssen sie sich komplett freinehmen und dürfen weder berufliche E-Mails noch Anrufe beantworten.

Auch McKinsey bemüht sich, das Arbeitszeitproblem in den Griff zu bekommen. Laut Brian Rolfes, Partner von McKinsey und Director of global recruiting gibt es keine Lösung, die für alle passe. „Wir ermutigen die Leute zu fragen, was sie benötigen und wir fördern ein Umfeld der Flexibilität und des Respekts.“

Zu Anfang eines jeden Projekts würde sich das gesamte Team zusammensetzen und besprechen, was herauskommen und wie gearbeitet werden soll, sagt Rolfes. „Das kann auch Dinge wie ein Gang ins Fitnessstudio am Morgen oder Dienstags etwas früher für einen Kurs zu gehen einschließen“, erzählt Rolfes. „Im Fortgang des Projekts messen ‚Team-Barometer‘, wie diese Ziele umgesetzt werden… Bekommt jeder die Unterstützung, die er benötigt? Wie hoch fällt die Arbeitsbelastung aus? Werden Kompetenzen, Berufserfahrung, Networking und ein vollständiges Leben erreicht?“

Weiter gibt es bei McKinsey Projekte wie „Take Time“ and „Pace“. Nach dem Programm „Take Time“ können Mitarbeiter einen Urlaub von zusätzlich fünf bis zehn Wochen beantragen. „Pace“ wiederum soll ihnen eine bessere Kontrolle ihrer Karriereentwicklung erlauben.

3. Wo ist die Ausbildung am besten? Bain oder McKinsey

Wo immer man auch hinblickt, Strategieberatungen lassen sich die Fortbildung ihrer Mitarbeiter einiges kosten. Laut Rolfes gibt McKinsey alljährlich 100 Mio. Dollar für Fortbildungen aus. BCG rühmt sich sogar in jeden Mitarbeiter im Verlauf seiner Karriere 200.000 Dollar zu investieren. Bain will keine Zahlen nennen, gibt aber ebenfalls viel Geld aus.

Wer sein Berufsleben bei McKinsey beginnt, muss erst einmal ein einführendes Trainingsprogramm absolvieren. Dabei handelt es sich um das „Basic consultant readiness programme“. Wer bereits einen MBA vorweisen kann, bekommt einen zusätzliches „Mini-MBA“ von McKinsey. Um den eigenen Führungsnachwuchs heranzuziehen, unterhält McKinsey ein „Engagement Manager College“ in Cambridge.

Bei Bain ist Keith Bevans für das Global recruiting verantwortlich. Das Unternehmen schicke alle Einsteiger zum „New Consulting Training“, wo sie in Kleingruppen von vier bis sechs Leuten von rund um die Welt von einem Partner oder Manager in die Grundlagen eingeführt würden. Ähnliche Programme würden alle anderthalb Jahre folgen. Selbst Praktikanten würden schon Fortbildungen erhalten.

BCG indes betreibt ein Know-how-Portal namens LAB. „Dadurch erhalten Sie den Zugang zu BCGs kollektivem Wissen.“

4. Wer bietet die höchste Internationalität? McKinsey

Wer international Karriere machen möchte, ist bei McKinsey am besten aufgehoben. Von den drei Strategieberatungen ist McKinsey die größte und globalste. 10.000 Berater arbeiten in 100 Niederlassungen in mehr als 60 Ländern. McKinsey ist weiter dafür bekannt, Auslandsaufenthalte zu fördern.

„Falls sie wollen, können unsere Berater an Kundenprojekten rund um die Welt mitarbeiten, wobei ihr Heimatbüro als Standardeinsatzort verbleibt“, sagt Rolfes. Laut dem Recruitmentchef könnten Interessierte unter Auslandsaufenthalten von etwa sechs, zwölf und 24 Monaten wählen. Weiter bietet McKinsey Rotationen an, während derer die Teilnehmer sechs bis zwölf Monate an zwei Stationen außerhalb ihrer Heimat eingesetzt werden.

Demgegenüber unterhält die Boston Consulting Group weltweit 80 Niederlassungen in 46 Ländern. Nach eigenen Angaben würden jedes Jahr rund ein Viertel aller Consultants außerhalb ihrer Heimatländer eingesetzt. Bain wiederum steht im Ruf weniger Geschäftsreisen zu verlangen.

5. Wer bringt am meisten für die Karriere? McKinsey

Die Karrierewege ähneln sich bei den einzelnen Strategieberatungen ungemein. Einsteiger beginnen als „Business Analyst“ und steigen dann über „Consultant“, „Engagement Manager“, und „Associate Partner“ hoffentlich zum „Partner“ auf.

Mittlerweile versuchen die Unternehmen wie McKinsey den Weg etwas flexibler zu gestalten. „Unsere Berater arbeiten mit ihrem persönlichen Coach daran, welche Studiendimension – Ort, Branche, Team etc. – für sie am wichtigsten ist“, sagt Rolfes. „Für den einen ist es wichtig nahe bei zuhause zu arbeiten; für den anderen mit einem bestimmten Team oder Partner zusammenzuarbeiten; für den dritten wiederum steht eine bestimmte Branchenerfahrung im Vordergrund. Wir sind in der Lage zu bieten, was Ihnen am besten passt, bei Ihrer Entwicklung hilft oder Ihren Prioritäten entspricht.“

6. Wer bietet die beste Vorgehensweise? BCG

Alle erstklassigen Strategieberatungen verfügen über eine ausgefeilte Methodik; doch Boston Consulting steht im Ruf jedes neue Problem innovativ anzugehen. Am Bekanntesten ist sicher die Marktwachstums- und Marktanteils-Matrix, die BCG-Gründer Bruce Henderson in den 70er Jahren entwickelte.

Bain hat sich wiederum mit seiner „Balanced Scorecard“ einen Namen gemacht. Laut einem Bain-Angestellten gehe es weniger darum, dem Kunden zu erzählen, was er idealerweise tun sollte, sondern ihm zu helfen sein Potenzial vollständig auszuschöpfen. Dabei spiele die Zusammenarbeit eine größere Rolle als die Erstellung von Berichten.

McKinsey beruft sich wiederum auf den „McKinsey Way“, wie es der ehemalige Berater Ethan Rasiel genannt hat. Der Ansatz sei „mutually exclusive, collectively ehaustive“ (MECE). Zunächst müsse man die verschiedenen Probleme analysieren, die es zu lösen gelte. Handelt es sich tatsächlich um separate und unterschiedliche Probleme – lassen sie sich gegenseitig unterscheiden (mutually exclusive)? Oder lassen sich die Probleme unter einem davon zusammenfassen (collectively eshaustive)?

7. Wer bietet den Zugang zu Unternehmenschefs? Alle

Falls Sie den Kontakt zu führenden Unternehmern und Managern suchen, dann sind Sie bei jeder der Strategieberatungen an der richtigen Adresse. „Bain, BCG und McKinsey sind fast die einzigen Strategieberatungen, die Vorstandsvorsitzende beraten“, erzählt ein Consultant von Bain. Bain selbst rühmt sich mit zwei Dritteln der 500 größten Unternehmen zusammenzuarbeiten. Ähnliche Aussagen lassen sich auf bei der Konkurrenz finden.

8. Wer hat die beste Unternehmenskultur? McKinsey

McKinsey steht im Ruf Erstklassigkeit mit niedrigen Hierarchien zu verbinden. Auch versucht das Unternehmen aktiv die Frauenquote aufzustocken. „Ich kann mir keine flacherer Organisation als McKinsey vorstellen“, erzählt Rasiel in „The McKinsey Way“. „Als Associate konnte ich in das Büro meines Executive Directors ohne Anmeldung gehen und mit ihm über unsere Studie sprechen. In den Unternehmensmeetings bekam jede Idee, gleich ob sie vom jüngsten Business Analysten oder vom ältesten Director kam, den gleichen Raum und wurde entsprechend diskutiert und kritisiert – zumindest handelt es sich um die Art und Weise, wie es sein sollte und meistens ist.“

Dagegen hat die BCG den Ruf weg, eher „nerdy“ zu sein und Bain „verklemmt“. Dennoch versichert der Bain-Berater, mit dem wir gesprochen haben, dass es sich um einen guten Arbeitsplatz handle. „Die Leute hier sind sehr abgerundet. Wenn Sie außergewöhnlich klug sind und eine Marotte aufweisen – z.B. eine schwierige Persönlichkeit – dann werden Sie vielleicht bei McKinsey, nicht aber bei Bain eingestellt. Dies erzeugt eine unterschiedliche Stimmung. Weiter nimmt Bain seine Arbeit ernst, aber nicht sich selbst.“

9. Wer hat das größte Prestige? McKinsey

Im Vaults-Ranking der Beratungsunternehmen belegt McKinsey den ersten Platz, gefolgt von Bain und BCG. Laut den Angestellten von McKinsey handle es sich um den besten Ort für angehende Führungsplätze, ein erstklassiges Beratungsunternehmen und einen Ort, an dem man mit den interessantesten Kunden und talentiertesten Kollegen zusammenarbeiten könne.

10. Wer bietet die besten Ausstiegschancen? McKinsey

Es gab einmal eine Zeit, als 70 Prozent der aktuellen und vergangenen Vorstandschefs in Fortunes Liste der größten 500 Unternehmen von McKinsey stammten. Auch heute noch stehen viele ehemalige Berater von McKinsey an der Spitze von Großbanken wie James Gorman bei Morgan Stanley und Tidjane Thiam bei der Credit Suisse.

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