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Was bringt mehr für die Karriere: CFA oder MBA?

MBA or CFA

Beides kostet viel Zeit und Nerven: CFA und MBA. Ein MBA kostet überdies auch noch viel Geld. Von daher sollte sich jeder Interessent gründlich überlegen, was ihm mehr für die Karriere bringt. Das hängt teilweise auch davon ab, wo man Karriere machen möchte.

So stellt der MBA vor allem in den Vereinigten Staaten den traditionellen Weg ins Investment Banking dar. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Ausbildung im Zeitalter hyperkomplizierter Derivate und eines strengen Risikomanagements noch angemessen ist. Der CFA wiederum vermittelt profunde Fachkenntnisse, allerdings kein Management und Führungs-Knowhow. Wir haben eine umfangreiche Checkliste zusammengestellt, die Ihnen bei der Entscheidung hilft.

Kosten und Verdienstpotenzial

Der CFA stellt gewissermaßen den Aldi unter den Fortbildungen dar: Er ist gut und günstig – vor allem im Vergleich zu einem MBA. Dies mag auch ein Grund dafür sein, wieso immer mehr Studenten sich für den CFA anmelden. Die Kosten für die Teilnahme belaufen sich auf 650 bis 1280 Dollar, je nachdem wie früh man sich einschreibt. Da bei den Prüfungen regelmäßig mehr als die Hälfte durchfallen, muss diese Summe jedoch meist mehrfach gezahlt werden.

Dagegen werden für einen MBA an einer renommierten Business School schnell Gebühren von 60.000 bis 100.000 Dollar fällig – Lebenshaltungskosten nicht einberechnet.

So viel zu den Kosten, doch welche Einnahmen kann ein CFA-Charterholder erwarten? Da das CFA-Institute diese Zahlen nicht mehr ermittelt, lässt sich die Frage nur mühsam beantworten. Nach unseren eigenen Daten werden bei 41 Prozent der Jobs zwischen 62.000 und 125.000 Dollar gezahlt. Bei 31 Prozent sind es aber immerhin 125.000 bis 235.000 Dollar. Die letzte Umfrage des CFA-Institutes datiert aus dem Jahre 2005 und ermittelte eine durchschnittliche Jahresvergütung von 150.000 Dollar.

Unterdessen geht das Marktforschungsunternehmen QS bei MBA-Absolventen von einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 95.000 Dollar in Westeuropa und Nordamerika aus. Hinzu kommt ein durchschnittlicher Bonus von 20.500 Dollar. Bei renommierten Anbietern kann das deutlich höher ausfallen. Laut der London Business School strichen ihre Absolventen, die in den Finanzdienstleistungen angefangen haben, im Schnitt 117.600 Dollar ein. Hinzu kommen auch hier noch ein Antrittsbonus von 38.800 und eine Jahresbonus von 49.800 Dollar. Mithin zahlt sich ein MBA in den Finanzdienstleistungen nach drei bis viereinhalb Jahren aus, was sich nach keiner schlechten Investition anhört.

Welche Karrierechancen MBA und CFA bieten

International bringen die Studenten Berufserfahrung von etwa vier bis fünf Jahren mit, bevor sie an einer Business School studieren. Es geht also meist darum, die nächste Karrierestufe nach Basisstudium und gelungenem Berufseinstieg zu erklimmen. Dagegen wird der CFA bei Studenten immer beliebter, die noch nicht einmal ihren Bachelor erworben haben. Auch viele Arbeitgeber erwarten von jüngeren Mitarbeitern, einen CFA zu erwerben – namentlich in der Asset Management-Branche.

Dabei ist der CFA noch immer besonders im Asset Management gefragt. Während 23 Prozent dort beschäftigt sind, arbeiten nur 4 Prozent als Investment Banking-Analysten. „Der CFA war schon immer die dominierende Qualifikation auf der Buy-Side“, sagt der Managing Director des CFA-Institutes für Europa, den Mittleren Osten und Afrika Nitin Mehta. „Da der Finanzsektor aber immer komplexer und in Hinsicht auf die Fachkenntnisse anspruchsvoller wird, wird der CFA auch für Positionen auf der Sell-Side immer häufiger als nützlich erachtet.“

Während früher viele MBA-Absolventen in den Finanzdienstleistungen oder bei Unternehmensberatungen unterkamen, gehen heute immer mehr in andere Branchen wie etwa die IT. Dennoch bietet ein MBA im Banking auch weiterhin verlockende Perspektiven.

„Wenn wir uns die Statistiken der Sommerpraktika in 2015 anschauen, dann sehen wir einen Anstieg von Funktionen auf Associate-Level im Investment Banking gegenüber 2014 um 43 Prozent“, berichtet Richard Bland von der London Business School (LBS).

Laut Bland stellt allein die LBS 40 Prozent aller MBAs, die von Londoner Investmentbanken angeheuert werden. Im vergangenen Jahr seien 28 Prozent der LBS-Absolventen in Finance, 12 Prozent ins Investment Banking, 7 Prozent in Private Equity und 6 Prozent ins Portfolio Management gegangen.

In den USA scheint die Nachfrage nach MBA-Absolventen aus der Finanzbranche robust zu sein. Dies gilt besonders für Absolventen von Business Schools mit einer engen Bindung an die Branche. So gingen 27 Prozent der Absolventen der Stern Business School in New York 2014 in Banking. 35,5 Prozent der MBA-Absolventen der Wharton Business School fanden ihren Weg in die Finanzdienstleistungen und 14 Prozent davon ins Investment Banking.

Allerdings stellt es schon einen Unterschied dar, ob nur der Einstieg oder auch noch die Karriere gelingt. Nach unseren eigenen Daten verfügen 16 Prozent der Managing Directors über einen MBA und 7 Prozent über einen CFA.

„Die Zahl der Leute, die jedes Jahr von den Investmentbanken eingestellt werden, liegt im niedrigen zweistelligen Bereich. Es herrscht eine unglaubliche Konkurrenz und die meisten müssen trotzdem die formalen Analystenprogramme durchlaufen“, sagt Bland.

„Die Finanzmärkte sind so eng miteinander verbunden wie noch nie und das breite Fachwissen, das der CFA vermittelt, hilft zweifellos auch bei der Karriere“, betont wiederum Mehta.

Die Nachfrage nach CFA und MBA

Der CFA entwickelt sich immer mehr zu einer Massenveranstaltung. Mittlerweile haben bereits 125.000 Menschen sämtliche drei Level bestanden – 14.000 davon allein im Juni 2015. Allerdings stammen 72.000 aus den Vereinigten Staaten, wo die Qualifikation über eine längere Tradition verfügt.

Doch auch der MBA stellt jenseits des Atlantiks keinen exklusiven Club dar. Allein in den Vereinigten Staaten schreiben sich jedes Jahr 100.000 bis 150.000 Menschen für ein solches Studium ein. Auch wenn nur ein Viertel der Hochschulen über eine enge Bindung zu den Finanzdienstleistungen aufweist, gibt es also immer noch reichlich Absolventen.

Allerdings scheint die Zahl der CFA-Charterholder geradeso die Nachfrage zu befriedigen. Für jeden Job, dessen Anforderungsprofil einen CFA verlangt, kommen in der eFinancialCareers-Datenbank rein rechnerisch gerade einmal 19,3 Lebensläufe. Beim MBA liegt das Verhältnis etwas schlechter bei 21,9.

Doch die meisten renommierten Finanzdienstleister stellen nur MBA-Absolventen von ausgewählten Hochschulen wie LBS, INSEAD, Harvard, Wharton, Columbia oder IESE ein. Dann fällt die Relation deutlich geringer aus. Von Pimco wird sogar berichtet, dass die Fondsgesellschaft selbst in Deutschland von seinen Sales-Mitarbeitern einen MBA einer international renommierten Business School erwartet.

„Die Leute denken, dass ihnen ein MBA automatisch die Tür öffne. Aber die Leute müssen wirklich die für sie bestmögliche Business School besuchen“, betont Bland. „Die guten Schulen verfügen über Kontakte zu den Arbeitgebern aus einer Vielzahl von Branchen und Spitzenunternehmen,  die unsere Absolventen aktiv rekrutieren.“

Fachwissen oder Strategisches Management

Für jedes Examen empfiehlt das CFA-Institute eine Vorbereitung von 300 Stunden. Dabei dreht sich alles um die Beherrschung komplexer Formeln, Quantitativer Methoden, des Financial Reportings und der VWL.

Laut Mehta handelt es sich dabei um einen „Werkzeugkasten“, der sich im Verlauf einer Karriere als sehr nützlich erweise. Von daher lohne sich auch aus Arbeitgebersicht die Investition in einen Mitarbeiter mit CFA.

Dagegen haben die MBA-Programme in Sachen Fachkenntnisse vergleichsweise wenig zu bieten. Allerdings haben viele Beschäftigte mit einem MBA bereits vor ihrem Aufbaustudium in der Branche gearbeitet.

Doch laut Bland komme es bei einem MBA-Absolventen auch nicht so sehr auf die Fachkenntnisse an. „Die Ausbildung an einer Business School ist ganzheitlicher und die Recruiter schätzen die Softskills sowie die kaufmännische Einstellung zusätzlich zu den Fachkenntnissen“, sagt er. „Bei einem MBA geht es darum, dass größere Bild von den Wachstumsaussichten eines Unternehmens zu sehen, um Branchenkenntnisse, weichere und breitere Management-Kompetenzen und um die Fähigkeit Beziehungen aufzubauen.“

Einige MBA-Programme versuchen jedoch auch Lücken bei den Fachkenntnissen zu füllen. Die HEC bietet beispielsweise einen Doppelabschluss MBA und Master in Finance an.

Unterdessen betont Mehta, dass sich der CFA seit der Finanzkrise gewandelt habe. Mittlerweile würden Softskills eine  größere Rolle spielen. So mache der Bereiche Ethik beispielsweise 15 Prozent des Levels I aus.

„Es wird mehr Wert auf die Finanzgeschichte gelegt und darauf, wie Blasen entstehen“, betont Mehta. „Wir bringen den Leuten Modelle bei, aber auch deren Grenzen, was nach der aktuellen Finanzkrise eine Schlüsselkompetenz darstellt.“

Tatsächlich werden MBA-Absolventen vor allem für die Investment Banking Division eingestellt, wo sie Unternehmen z.B. bei Fusionen und Übernahmen beraten. Dagegen finden sie sich im Kapitalmarktgeschäft seltener. Oft wollen die Banken ihr Personal vom Berufseinstieg an selbst entwickeln und nicht von den Business Schools anheuern.

Flexibilität und Zeitaufwand

Viele Kandidaten unterschätzen den Zeitaufwand eines CFA, was auch einen Grund für die geringen Erfolgsquoten darstellt. Insgesamt ist ein Aufwand von 900 Stunden realistisch.

„Ich denke nicht, dass sich MBA und CFA gegenseitig ausschließen“, sagt Mehta weiter, der zufälligerweise beides besitzt. „Allerdings fangen die Leute mit einem CFA normalerweise früh an, während sie sich auch auf ihre Karriere konzentrieren, und später absolvieren einen MBA.“

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