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Neuer Deutsche Bank-Chef stimmt Mitarbeiter auf Einschnitte ein

John Cryan

Eigentlich könnte der neue Deutsche Bank-Chef John Cryan zufrieden sein. Im zweiten Quartal sind die Erträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 9,2 Mrd. Euro angestiegen. Da aber die Kosten ebenfalls steil um 17 Prozent auf 7,8 Mrd. kletterten, müssen sich die Aktionäre mit einem Vorsteuergewinn von 1,2 Mrd. Euro begnügen.

Für Cryan stellt dies einen unhaltbaren Zustand dar. „Auf diesem Niveau sind die Kosten einfach inakzeptabel. Dies ist ein verschwenderischer Umgang mit unseren hart verdienten Erträgen, und wir müssen alle daran arbeiten, die Kosten zu senken“, schrieb der Nachfolger von Anshu Jain in einem Memo an die Mitarbeiter. „Der Gewinn nach Steuern betrug in diesem Quartal 818 Mio. Euro und lag damit deutlich über dem Vorjahresquartal, aber nicht annähernd da, wo wir sein sollten. Unsere Aufwand-Ertrag-Relation von 85 Prozent und unsere Rendite auf das materielle Eigenkapital von 5,7 Prozent liegen weit von unseren Zielgrößen entfernt.“

Massiver Anstieg der Personalkosten

Allein im zweiten Quartal musste der Konzern Kosten aus Rechtsstreitigkeiten von 1,2 Mrd. Euro schultern. Darüber hinaus führte die Bank Kostensteigerungen von 530 Mio. Euro auf Wechselkursbewegungen zurück. Hier rächt sich offensichtlich, dass die Deutsche Bank ihr Investment Banking von London aus steuert. Während ein Euro noch Ende Juli 2014 etwa 0,79 Pfund wert waren, sind es heute nur noch rund 0,70 Pfund. Weitere Kosten verursachte der Ausbau der Compliance.

Da der Anteil der Personalkosten an den Erträgen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 33 auf 38 Prozent in die Höhe schnellte, dürften heftige Einschnitte beim Personal anstehen. Mithin stimmte Cryan die Mitarbeiter schon einmal auf den beherzten Einsatz des Rotstiftes ein: „Das Quartalsergebnis zeigt also, wie unerlässlich für uns die Umsetzung der Strategie 2020 ist. Infolgedessen wird der Vorstand im weiteren Jahresverlauf eine Reihe wichtiger Veränderungen vornehmen. Veränderungen können belastend sein, aber den Status quo beizubehalten, ist keine Option.“

Schon vor einigen Wochen hatte Cryan angekündigt, die Details der neuen Strategie erst im Oktober zu präsentieren. Analysten gehen jedoch davon aus, dass sich die Bank teilweise aus dem eigenkapitalintensiven Geschäft mit Fixed Income-Produkten zurückziehen wird.

Erträge im Investment Banking steigen um 23 Prozent

Besonders gut entwickelte sich im zweiten Quartal das Investment Banking. Die Sparte Corporate Banking & Securities konnte ihre Erträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 4,3 Mrd. Euro steigern. Sales & Trading Debt legte um 16 Prozent und Sales & Trading Equities um 39 Prozent zu. Der Vorsteuergewinn des Geschäftsbereichs kletterte sogar um 45 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro.

Interessant fällt auch die Beschäftigungsentwicklung aus. Während im Front Office binnen Jahresfrist 3 Prozent der Stellen verloren gingen, stieg die Gesamtbeschäftigung um 7 Prozent an. Der Stellensegen dürfte hauptsächlich auf einen massiven Stellenaufbau in der Compliance zurückgehen.

Im Global Transaction Banking kletterten die Erträge um 11 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro und der Vorsteuergewinn um 28 Prozent auf 283 Mio. Euro. Dagegen enttäuschte das Filialgeschäft mit Erträgen auf Vorjahresniveau, während das Vorsteuerergebnis um 27 Prozent auf 483 Mio. zulegte.

Der Bereich Asset & Wealth Management scheint von den starken Aktienmärkten zu profitieren. Jedenfalls stiegen hier die Erträge um 25 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro an. Das Ergebnis vor Steuern verdoppelte sich sogar auf 422 Mio. Euro.


 

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