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Kommt jetzt der Rotstift? Credit Suisse schwächelt im Investment Banking

Rotstift

Auf den ersten Blick scheint bei der Credit Suisse mit einem Vorsteuergewinn von 3,2 Mrd. Franken alles im Lot zu sein, den der Konzern am heutigen Donnerstag (23. Juli) meldete. Allerdings entwickeln sich die beiden wichtigsten Geschäftsbereiche – Investment Banking und Wealth Management – recht unterschiedlich.

Neuer Chef kündigt Strategieschwenk an

Seit kurzem besitzt die Credit Suisse mit Tidjane Thiam einen neuen Chef. Thiam kündigte einen strategischen Schwenk an, der hauptsächlich zu Lasten des Investment Bankings gehen dürfte. „Das Management-Team und ich befinden uns zurzeit im Prozess einer tiefgreifenden strategischen Überprüfung, um die Bank optimal weiterentwickeln zu können. Noch vor Jahresende werden wir eine Strategie und ein Geschäftsmodell festlegen, die auf profitables und nachhaltiges Wachstum ausgerichtet sind“, sagte Thiam. „Dadurch soll sichergestellt werden, dass unsere Ergebnisse weniger volatil sind und sich das festgelegte Geschäftsportfolio auch in einem sehr herausfordernden Umfeld als widerstandsfähig erweist.“ Der Abbau von Volatilität und Kapitalintensität kann nur eine Verringerung des Investment Bankings bedeuten.

Schwächelndes Investment Banking

Im zweiten Quartal lief das Investment Banking nicht gut. Der Vorsteuergewinn purzelte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf 653 Mio. Dollar. Überzeugen konnten lediglich das M&A-Advisory-Geschäft und der Aktienhandel. Im Advisory-Geschäft kletterten die Erträge um 22 Prozent auf 221 Mio. Dollar und im Equity Sales & Trading um 10 Prozent auf 1,4 Mrd. Dollar.

Dagegen setzte sich der Absturz im Handel mit Anleihen weiter fort. In Fixed Income Sales & Trading fielen die Erträge um 18 Prozent auf 1,3 Mrd. Dollar. Damit generierte die Schweizer Großbank im Aktienhandel mehr Erträge als im kriselnden Anleihehandel. Daher ist es wenig verwunderlich, dass das Geschäft mit Anleiheemissionen ebenfalls um 9 Prozent auf 498 Mio. Dollar rückläufig war. Erstaunlich ist indes, dass die Credit Suisse im Geschäft mit Aktienemissionen nicht von den hohen Kursen profitieren konnte. Die Erträge aus dem Equity-Underwriting sanken sogar um 16 Prozent auf 255 Mio. Dollar.

Investment Banking hat ein Kostenproblem

Auf der Kostenseite kommt das Investment Banking hingegen kaum voran. Der Personalaufwand lag mit 1,6 Mrd. Dollar lediglich 3 Prozent unter Vorjahresniveau und die übrigen Kosten sogar 5 Prozent darüber. Die Aufwands-Ertrags-Quote stieg im zweiten Quartal mit 82 Prozent um immerhin 4 Prozent-Punkte gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Bank musste also für jeden Dollar Ertrag 82 Cent auf den Tisch legen. Im gesamten ersten Halbjahr lag dieser Wert immerhin noch bei 77 Prozent, womit die Credit Suisse deutlich über ihrem Zielwert von unter 70 Prozent liegt.

Daher ist bis zum Jahresende mit einem Sparprogramm für das Investment Banking zu rechnen. So gibt die Bank an, seit 2011 ihre jährlichen Kosten um 3,5 Mrd. Franken verringert zu haben. Dieser Wert war jedoch bereits Ende 2014 erreicht worden. Bis zum Jahresende will die Bank ihre Kostenbasis um weitere 500 Mio. Franken verschlanken. Da die Bank ausdrücklich darauf hinweist, dass sich die Kosten des Wealth Managements im Zielbereich befinden, dürfte der Rotstift im Investment Banking angesetzt werden.

Entsprechend muss wohl auch der Kommentar Thiams interpretiert werden: „Im Investment Banking verzeichneten wir trotz eines Beitrags des Aktien- und Beratungsgeschäfts rückläufige Erträge, die auf einen Anstieg der Kosten zurückzuführen waren. Das Leverage Exposure im Investment Banking haben wir im Berichtsquartal reduziert und müssen die Reduktion weiter vorantreiben.“

Wealth Management liefert überzeugende Ergebnisse

Dagegen scheinen die Geschäfte im Geschäft mit vermögenden Privatkunden besser zu laufen. Der Vorsteuergewinn kletterte im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf 669 Mio. Franken. Im ersten Halbjahr lag das Plus immerhin noch bei 14 Prozent. Dagegen legten die Kosten nur sehr moderat zu. Somit konnte die Credit Suisse ihre Aufwands-Ertrags-Quote sowohl im Quartals- als auch im Halbjahresvergleich von 71 auf 69 Prozent verringern. Da die Credit Suisse mittelfristig ihre Kostenquote unter 65 Prozent senken möchte, bleibt allerdings auch hier noch einiges zu tun.

An dem Erfolg haben die Weltregionen einen recht unterschiedlichen Anteil. „Insgesamt erzielte der Bereich Wealth Management ein verbessertes Ergebnis mit einer hohen Rendite auf dem regulatorischen Kapital, da sich eine Reihe von Initiativen, insbesondere in der Region Asien-Pazifik und in der Schweiz, auszuzahlen beginnen“, sagte Thiam.

Ergebnis in Asset Management halbiert

Im zweiten Quartal hat sich das Vorsteuerergebnis im Asset Management gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 88 Mio. Franken nahezu halbiert. Im ersten Halbjahr purzelte das Ergebnis immerhin noch um gut ein Drittel. Kein Wunder also, dass sich die Aufwands-Ertragsquote binnen Jahresfrist von 73 auf 79 Prozent verschlechterte.


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