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GASTBEITRAG: Wie Bürokratie und Kleinkrieg den Spaß am Investment Banking verderben

Stress

Bürokratie macht keinen Spaß.

Mal angenommen, dass Bürokratie das Geschäft verdirbt, denn sie ist ineffizient und verschwenderisch. Bürokratie stellt die Eigenart staatlicher Einrichtungen dar, die Steuergelder verschlingen und jegliche persönliche Initiative sabotieren. Wer in einer Bank anfängt, dürfte erwarten, dass sämtliche Prozesse optimiert sind und es sich um eine schlanke Kampfmaschine handelt. Doch er wird enttäuscht werden.

Meiner Erfahrung nach zieht jeder Arbeitsschritt in einer Investmentbank eine lange Papierspur hinter sich her – besonders wenn mehrere Geschäftsbereiche involviert sind, was eigentlich immer der Fall ist. Banker stellen keine einsamen Wölfe dar und auch keine Unternehmer. Vielmehr sind sie kleine Räder in einer großen, Ressourcen verschwendenden, langsamen Maschine.

Ein Banker, der etwas erledigt bekommen möchte, kann nicht einfach zu einer Gruppe von Leuten gehen, die nur auf ihn warten. Umgekehrt betreten Sie mit jeder Anfrage einen neuen bürokratischen Weg, der voller Schlaglöcher und Zeitfallen ist, die Sie samt Anzug, Socken und Smartphone verschlingen.

Während der langen Monate eines Projekts muss ein junger Mitarbeiter in der Investment Banking Division die Zustimmung seines Vorgesetzten einholen und diesem laufend Bericht erstatten. Einige von ihnen führen sogar einen regelrechten Kleinkrieg mit ihren Vorgesetzten und Kollegen. Sie streiten sich um das Stück vom Kuchen, welches den geringsten Arbeitsaufwand und die größte Aufmerksamkeit verspricht. Anschließend präsentieren sie ihrem obersten Vorgesetzten die Änderungen, nur um dann weitere Änderungswünsche zu empfangen und abzuarbeiten. An jedem Punkt des Prozesses müssen sie heftige Kritik einstecken.

Sobald etwas abgesegnet wurde, wobei es sich zumeist um Kundenpräsentationen handelte, musste es in verschiedene Bereiche wie z.B. die Grafikabteilung implementiert werden. Der Banker wiederum muss Formulare ausfüllen und Instruktionen weiterleiten, von denen er bereits weiß, dass sie während der Weitergabe von Schicht zu Schicht unvermeidlich verloren gehen. Dies führt wiederum zu einer neuen Runde von selbstwidersprüchlichen Instruktionen, zu noch mehr Papierkrieg und Chaos. Das eigentliche Projekt wird schließlich verstümmelt und den Egos und Revierkämpfen geopfert.

Viel Zeit verbringen die Banker mit Herumsitzen, Warten, Warten und noch einmal Warten. Zwischenzeitlich können sie nicht einmal nachhause gehen. Dies stellt auch den Grund dafür dar, weshalb so viele Banker bei Online-Spielen ganz vorne liegen.

Auch eine Beförderung bedeutet keinesfalls das Ende der Zeitverschwendung. Denn desto höher Sie aufsteigen, umso mehr Zeit verschwenden Sie im Kampf zwischen den Abteilungen.

Das lächerlichste Beispiel, das ich miterleben durfte, war ein Abteilungsleiter – ein hohes Tier, das über die Support-Abteilungen regierte. Er verlagerte die Grafikabteilung, wobei sie ihr sämtliches Spezialgerät zurücklassen musste. Dies zwang uns dazu, auf veralteten Computern mit Bildschirmen zu arbeiten, die die Grafiken verzerrten. Es handelte sich um sehr heruntergekommene Bildschirme, die die Spuren von unzähligen Kugelschreibern aufwiesen, die verärgerte Banker gegen sie geworfen hatten. Währenddessen wurde unser Spezialgerät über Monate nicht angefasst.

Für uns als Mitarbeiter des Grafikteams war dies alles sehr frustrierend. Wir mussten Nächte lang auf die leeren Arbeitsplätze mit dem Spezialgerät starren, während wir den Bereich nicht einmal betreten durften. Wie alle Handwerker wollten wir mit den besten Instrumenten das bestmögliche Ergebnis erzielen. Einige Zeit später wurde uns vom Abteilungsleiter erklärt, dass wir einfach die Opfer einer Schlacht der unterschiedlichen Abteilungen geworden seien. ‚Ich wollte nicht, dass die anderen Abteilungsleiter erfahren, dass wir über dieses Equipment verfügen‘, sagte er.

Durch diese Entscheidung wurden tausende von Arbeitsstunden verschwendet, weil alles mit dem unzulänglichen Gerät einfach deutlich länger dauerte. Dies wiederum dürfte die Bank einen vierstelligen Eurobetrag gekostet haben, was eine Menge nicht erforderlicher Bürokratie nach sich zog.

Falls die Bank sich an ihr eigenes Motto gehalten hätte, dann wäre der Abteilungsleiter vor die Tür gesetzt worden. Stattdessen überstand er alles unbeschadet und wurde sogar auf eine noch höhere Position befördert. Es handelt sich um eine Realsatire.

Nyla Nox arbeitete sieben Jahre lang in der Grafikabteilung der „Wichtigsten Bank der Welt“ in London. Dabei hat sie mehr Pitch oder Deal Books – inklusive deren Fehlern –  gesehen als ein Banker in seinem ganzen Leben. Bei Pitch Books handelt es sich um Verkaufs- und Beratungsunterlagen, die mithilfe von Powerpoint erstellt werden. Unterdessen hat Nox bereits ihren ersten Roman unter dem Namen „Ich habe es fürs Geld getan“ veröffentlicht.

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