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Die grauenvollsten Karrieretipps für junge Banker

Schlechter Karrieretipp

Nachwuchsbanker sollten nicht auf alles hören.

Über einen Mangel an gut oder schlecht gemeinten Ratschlägen braucht sich kein Nachwuchsbanker zu beklagen. Es gibt Mentoren, Networking-Veranstaltungen mit einflussreichen Persönlichkeiten und jede Menge Associates und Vice Presidents, die den Einsteigern erzählen, wo es lang geht.

Doch die Kunst einer erfolgreichen Karriere besteht nicht darin, möglichst viele Ratschläge aufzusaugen, sondern zwischen guten und schlechten Tipps zu unterscheiden. „Leider lautet die Wahrheit, dass jeder allgemeine Rat nicht auf alle Einzelfälle zutrifft, auch wenn einige erfahrene Banker diese Auffassung vertreten. So wiederholen sie kluge Ratschläge, die ihnen selbst Jahrzehnte zuvor erteilt wurden“, sagt Mark Franczyk, der zehn Jahre bei JP Morgan verbrachte, bevor sein eigenes Unternehmen Artisan Baking Business gründete.

Manche Tipps fallen einfach zu allgemein aus, manche sind abgegriffen und andere animieren tatsächlich zu falschen Karriereentscheidungen. Nach Gesprächen mit langjährigen Bankern und Berufseinsteigern haben wir die Tipps zusammengestellt, die mit Vorsicht zu genießen sind:

1. Wissen, wie man sich selbst verkauft

Junge Banker tendieren dazu, die Arbeit an ihrem Elevator Pitch zu ernst zu nehmen. In einem Elevator Pitch trainiert man, sich in wenigen Sätzen selbst zu verkaufen. Denn wer möchte schon die Selbstbelobigungen eines rotznäsigen Nachwuchsbankers hören. „Nach zahllosen Probedurchläufen werden Sie zu Ihrem Elevator Pitch, obwohl er ja eigentlich über Sie sein sollte“, sagt Franczyk. „Diese Gefahr dämmerte mir bei einer Cocktail Party mit Nicht-Bankern, als irgendeine Fremde mich fragte, wer ich denn sei. Ich antwortete mit meinem Elevator Pitch. Darauf fragte sie: ‚Gut, aber wer sind Sie wirklich?‘  und ging ihrer Wege. Ich kritisiere sie nicht, ich habe mich selbst gelangweilt.“

2. Es geht ums Detail

Wer einen Berufseinstieg in M&A anstrebt, kann in jedem Ratgeber lesen, dass es dafür ein Auge fürs Detail braucht. Die Banken beschäftigen sogar eigene Layoutteams um sicherzustellen, dass ihre Verkaufspräsentationen die richtigen Schriftarten, Fotos und Farben aufweisen. Junge Banker brüten über Excel-Tabellen, nur um makellose Daten für die Verkaufspräsentationen zu liefern. All das nur, um die Leute in der Hierarchie glücklich zu stimmen: Associates, Vice Presidents, Directors und Managing Directors.

Ein Analyst aus Debt Capital Markets berichtet, dass seine Associates und Vice Presidents keine Gelegenheit auslassen, schnelle und fehlerfreie Arbeit zu predigen, was allerdings oft auf Kosten von anderen Aspekten gehe, mit denen sich die Führungskräfte eher beeindrucken ließen. „Einmal wurde mir gesagt, dass ich mit dem Anpassen eines Fotos auf der Teamsite mehr Lorbeeren verdienen würde als mit einer anständigen Executive Summary für eine Verkaufsunterlage“, erzählt er. „In Wahrheit trifft dies schon in einem gewissen Sinn zu, indem es sie vor Directors und Managing Directors gut aussehen lässt. Aber opfern Sie niemals eine Stunde des Lernens und besseren Verstehens, nur um sie gut dastehen zu lassen.“

3. Loyalität zahlt sich aus

Auch wenn die Investmentbanken mehr Wert auf die Ausbildung legen, so handle es sich doch um eine Lüge, wenn der Arbeitgeber behaupte, dass ihm nur an Ihrem Wohl gelegen sei, sagt Graham Ward, der früher das Geschäft mit europäischen Aktien bei Goldman Sachs leitete und an der INSEAD Führung lehrt.

„Die Leute ziehen weiter, die Geschäftsmodelle verändern sich und nehmen andere Gestalt an, die Wirtschaft bewegt sich. Seien Sie der Herr Ihres eigenen Schicksals“, sagt Ward. „Es ist gut sich an jemanden zu orientieren, aber sie werden nicht immer da sein. Wenn die Zeit gekommen ist, müssen Sie Ihren eigenen Weg gehen.“

4. Lassen Sie keine Chance zum Networking ungenutzt

Networking ist im Banking omnipräsent. Gleich ob es sich um Soziale Netzwerke, interne „Sponsoren“ oder um das Netzwerken außerhalb des eigenen Unternehmens handelt – die übliche Meinung lautet, dass man keine Gelegenheit zum Networking auslassen solle. Auch dies sieht Franczyk kritisch.

„Der ständige Networking-Druck beginnt mit dem ersten Tag der Analysten-Ausbildung. Treffen Sie so viele Leute wie möglich“, rät Franczyk. „Doch niemand weist darauf hin, dass die Qualität wichtiger als die Quantität ist. Obgleich man hunderte von Leuten im Unternehmen ‚kennt‘, spielen für die eigene Karriere und das Leben doch nur ein Bruchteil davon eine Rolle.“

5. Konzentrieren Sie sich auf Details

Wie bereits dargestellt, versperrt der Umgang mit Kleinigkeiten oft den Blick auf die wirklich karrierefördernden Dinge. „Ich habe so viele Zombie-Associates oder Zombie-VPs gesehen, die als Maschinen enden und wenige oder keine Chancen haben, es zum nächsten Level zu bringen. Und wissen Sie warum? Weil Sie eben genau auf den Rat gehört haben: Konzentriert Euch auf die Details.“

6. Haben Sie einen Fünf- und Zehnjahres-Plan

Senior Bankern raten Nachwuchskräften bereits beim Berufseinstieg den nächsten Karriereschritt im Hinterkopf zu haben. „Einen Fünfjahresplan zu haben, stellt womöglich den schlechtesten Rat dar, den ich jemals erhalten habe“, meint Franczyk. „Denn die Fokussierung, die mit einem wohl überlegten Plan einhergeht, kann auch blenden“, sagt Franczyk. „Das hat mich bei Myriaden von Chancen geblendet, die an mir vorübergezogen sind. Einige davon wären auf lange Sicht wohl die bessere Wahl gewesen. Es gab Möglichkeiten, in die unterschiedlichsten Richtungen abzubiegen. Aber ich habe sie nicht genutzt, weil sie nicht zum anfänglichen Plan passten.“

7. Folgen Sie dem Geld

Auch wenn Banken und Recruiter es gar nicht gern sehen, wenn es den Einsteigern nur ums große Geld geht, stellt der monetäre Aspekt für den Start einer Bankingkarriere immer noch einen der überzeugendsten Gründe dar. Denn die Vergütung fällt besser aus und steigt auch noch schneller als in fast allen anderen Branchen. Der einfachste Weg, um eine Gehaltserhöhung herauszuschlagen, stellt dabei ein Arbeitgeberwechsel dar. Doch Ward warnt, dass diese Taktik nicht immer von Erfolg gekrönt sei.

„Ich kenne viele Banker, die für mehr Geld gewechselt sind und es kein Jahr später bereut haben. Es ist schwierig, zu einer neuen Unternehmenskultur zu passen und sich zu integrieren“, sagt Ward. „Dazu müssen Sie Ihr Netzwerk neu aufbauen, eine Vertrauensverhältnis zu den neuen Kollegen schaffen und – weil Sie wegen eines Gehaltsaufschlags gewechselt sind – müssen Sie nicht nur mit der Eifersucht einiger Kollegen zurechtkommen, sondern auch die Erwartungen Ihres neuen Managements erfüllen.“

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