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Was Finanzprofis benötigen, um in die Private Equity-Branche zu wechseln

career change

Nach einigen Jahren Berufserfahrung zieht es viele junge Investmentbanker in die Private Equity-Branche. Obwohl sich dort durchaus Chancen bieten, fällt der Umstieg oft gar nicht so leicht. „Die Chancen, einen Job zu bekommen, fallen recht hoch aus. Normalerweise kommen nur 15 Bewerbungen auf jede Stelle“, berichtet Headhunterin Gail McManus von Private Equity Recruitment. „Es geht nur darum, sich gegenseitig gut kennenzulernen, um sicherzustellen, dass es für alle passt. Associates mit Deal-Erfahrung können lediglich bei ihrem aktuellen Arbeitgeber einen Bonus erhalten, was schon eine große Verbindlichkeit darstellt. Das wollen sie nicht für einen schlechten Karriereschritt aufgeben.“

Laut Headhunterin Hephzi Nicol von Kea Consultants fallen die Recruitment-Prozesse bei den Private Equity-Gesellschaften unstrukturierter als bei den Investmentbanken aus. „Oftmals handelt es sich eher um ein Meeting zwischen Kandidaten und Private Equity-Unternehmen zu beiderseitigem Vorteil als um eine Bewerbung auf eine offene Stelle“, sagt Nicol.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass es eine einfache Angelegenheit wäre. Vielmehr sollten Kandidaten mit drei bis fünf Interview-Runden und mindestens zehn unterschiedlichen Gesprächen rechnen. Mit ein paar Tricks lassen sich die Erfolgschancen jedoch deutlich steigern.

1. Wie Sie Ihre Deal-Erfahrung ganz groß herausbringen

An diesem Punkte der Karriere müssen Kandidaten bereits Erfahrung mit echten Deals vorweisen können. Falls ein Kandidat tatsächlich keinen Deal abgeschlossen hat, dann stellt seine Anstellung auch keinen großen Vorteil für ein Unternehmen dar, meint Nicol.

Auf dem Einstiegslevel müssen die jungen Investmentbanker beweisen, dass sie wie Aufkäufer von Unternehmen denken und dass sie langfristiges Investitionspotenzial erkennen können. Die meisten Associates verbinden mit ihrem Absprungswunsch Richtung Private Equity die Hoffnung auf einen Szenenwechsel. „Bei den meisten seitlichen Wechseln handelt es sich um Generalisten, die sich spezialisieren wollen oder z.B. auf die Energiebranche spezialisierte PE-Profis, die nicht in die Spezialisierungsfalle geraten wollen“, erzählt McManus. „Wir sehen selten einen Wechsel von gleichen zu gleichen.“

Von entscheidender Bedeutung sei jedoch, dass die bisherige Transaktionserfahrung auch für die zukünftige Stelle relevant ist. McManus empfiehlt, mit seinen Fachkenntnissen zu punkten und seinem Gegenüber darzustellen, wie diese im neuen Job wertschöpfend eingesetzt werden können.

2. Es muss einfach passen

Beim ersten Gespräch treffen die meisten Kandidaten zunächst auf das Top-Management, denn nur etwa 20 Prozent der Private Equity-Gesellschaften verfügen über eine eigene Personalabteilung. Es kann schon ein wenig nervenaufreibend sein, wenn Junior-Investmentbanker ihre Fachkenntnisse gegenüber dem Management beweisen müssen. Allerdings ist mindestens ebenso wichtig, dass ein Kandidat zum Unternehmen und seiner Kultur passt.

„Jedes Gespräch wird von der Frage überlagert, ob man dazu passt. Daher müssen Sie sich genau über die Unternehmenskultur informieren, um zu wissen, ob Sie wirklich dazu passen“, sagt McManus. „Die kleineren Unternehmen stellen oftmals auf der Basis eines Konsenses ein. Daher müssen Sie mit sämtlichen wichtigen Personen sprechen, bevor Ihnen ein Stellenangebot vorgelegt wird.“

3. Machen Sie sich auf eine anspruchsvolle Fallstudie gefasst

Auf dem Analysten-Level versorgen die PE-Gesellschaften die Bewerber mit einigen Informationen über irgendein Unternehmen. Anschließend müssen die Kandidaten überzeugend Stellung nehmen, ob es sich dabei um eine interessante Investitionschance handelt oder nicht. Dies dauert üblicherweise rund eine Stunde. Darüber hinaus wird meist auch ein Test zur Finanzmodellierung durchgeführt. Laut Nicol sei es dabei durchaus üblich, den Kandidaten einige Hinweise auf das gewünschte Ergebnis zu geben. Auf dem Associate-Level fielen die Prüfungen jedoch strenger aus.

„Diese Tests können zwischen drei und sechs Stunden dauern. Manchmal müssen Sie die Modelle vor Ort erstellen, manchmal dürfen Sie sie mit nachhause nehmen und eine eigene Studie anfertigen“, erzählt Nicol. „Dabei handelt es sich um einen Testlauf für den Arbeitsalltag. Ihnen werden gleich nach der Präsentation Fragen gestellt und es wird erwartet, dass sie ein völlig ausgearbeitetes Investitionskonzept vorweisen können.“

4. Sie müssen die Energie in den Vorstellungsgesprächen beibehalten

Bei den Vorstellungsgesprächen geht es zu wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – es wiederholt sich das immer Gleiche, meint McManus. Kandidaten müssen eine Vielzahl von Gesprächen durchstehen. Dabei werden ihnen regelmäßig die gleichen Fragen zum Lebenslauf, ihren Ansichten zu finanziellen und wirtschaftlichen Sachverhalten oder zur ihrer Deal-Erfahrung gestellt. Das kann schon ermüdend werden. „Dabei ist es wichtig, die Energie beizubehalten“, sagt McManus. „Es mag sich um das fünfte Mal handeln, dass Sie die gleiche Geschichte erzählen, aber es stellt das erste Mal dar, dass das Gegenüber sie hört.“

5. Gegenüber HR müssen Sie herausstreichen, wie Sie zur Unternehmenskultur passen

Bei den größeren Private Equity-Gesellschaften mit eigenen Personalabteilungen müssen sich Bewerber zunächst einmal gegenüber den HR-Mitarbeitern bewähren. Sie achten darauf, dass Kandidaten die erforderliche Deal-Erfahrung und Fachkenntnisse mitbringen und sich auch mit dem Unternehmen auskennen. „Darüber hinaus wachen sie jedoch auch über die Unternehmenskultur“, erläutert McManus. Daher wird sämtlichen Kandidaten wärmstens empfohlen, sich über die Selbstdarstellung des Unternehmens zu informieren.

6. Haben Sie gute Gründe für den Wechsel

„Viele Leute gehen auf diesem Karrierelevel, weil Sie nicht bei vielen Deals dabei sind und mehr Verantwortung erhalten wollen. Offensichtlich stellt dies nicht die Wechselmotivation dar, die man in einem Vorstellungsgespräch vorbringen sollte“, sagt Nicol. Dennoch betont Nicol die Wichtigkeit, über einen überzeugenden Wechselgrund zu verfügen. Auch schlecht über den alten Arbeitgeber zu sprechen, wirft meist nur ein schlechtes Bild auf den Kandidaten.

„Sie sollten über ein größeres Branchenwissen und ein besseres Verständnis dafür verfügen, wo Sie in Ihrer Karriere hinwollen“, sagt Nicol. „Vielleicht wollen Sie zu wachstumsstarken Unternehmen wechseln oder sich auf Technologie-Unternehmen spezialisieren. Vielleicht wollen Sie sich auch von einem Energie- zu einem generalistischen Fonds weiterentwickeln. In jeden Falls sollten Sie eine gute Geschichte erzählen.“

7. Zeigen Sie Leistung im Arbeitsalltag

Schließlich sollte niemand vergessen, worauf gute Referenzen beruhen. Wer seine Zukunft nicht bei seinem aktuellen Arbeitgeber sieht, erliegt leicht der Versuchung, ein wenig den Fuß vom Gas zu nehmen. Doch dies kann sich nachträglich als fataler Fehler erweisen. Denn gelegentlich holt der Arbeitgeber in spe – oder sein Headhunter – Informationen über einen Bewerber ein. „Sie wollen eine glühende Empfehlung erhalten. Soweit dies möglich ist, ohne dass man seinen Mitarbeiter freimütig an einen Wettbewerber weiterempfiehlt. Und nicht etwa: ‚OK, sie sind nicht schlecht‘“, warnt McManus. „Bei Private Equity handelt es sich um eine kleine Welt, daher sollten Sie Ihre Beziehungen pflegen.“

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