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Akuter Personalmangel an Investmentbankern: „2015 wird das Jahr der Juniors“

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Der grassierende Personalmangel im Investmentbanking führt zu Vorgängen, die vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen wären. So berichtet Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt, dass Credit Suisse und Rothschild für London Juniors von einem Team der Big 4 in Frankfurt abgeworben hätten. „Und das ohne persönliche Gespräche, sondern nur mit Videokonferenzen und extrem schnell.“

In den Bereichen M&A Advisory, Equity Capital Markets (ECM) und Corporate Banking seien einige Investmentbanken mittlerweile „komplett“ ohne Juniors. Auch in Leveraged und Structured Finance herrsche akuter Mangel an jungen Bankern mit zwei bis fünf Jahren Berufserfahrung. „Es herrscht ein richtiger ‚War for talents‘“, ergänzt Tamm. „Wer sich verändern möchte, hat jetzt die Chance dazu. 2015 wird das Jahr der Juniors.“

Von den Big 4 zu renommierten Investmentbanken

Aus diesem Grunde suchten die Investmentbanken mittlerweile selbst an Orten, die vor einiger Zeit noch für sie tabu gewesen wären. „Aus Sicht der Investmentbanken waren die Big 4 immer so etwas wie Tier 3“, erzählt Tamm. Diesen Dünkel hätten sie mittlerweile abgelegt und auch Juniors könnten von den Big 4 zu renommierten Investmentbanken wechseln.

„In der Vergangenheit gab es das zwar auch, aber es wurde die gesamte Berufserfahrung gestrichen.“ Tamm berichtet von einer Big 4-Mitarbeiterin mit anderthalb Jahren Berufserfahrung, die in der Vergangenheit beim Wechsel zu einer Bank noch einmal bei null anfangen musste. Dies habe sich mittlerweile gründlich geändert. „Die werden heute mit Handkuss genommen.“

Den Umschwung führt Tamm auf den schweren Mitarbeitermangel im Juniorbereich zurück. Nach der Finanzkrise hätten die Banken einfach zu wenige Einsteiger eingestellt, die jetzt – wo das Geschäft anzieht – fehlen. Wenig Nachfrage beobachtet Tamm indes auch weiterhin im Bereich Fixed Income.

Laut Tamm sei das Problem auch ein wenig hausgemacht. Oft würden die Investmentbanken erst neues Personal anheuern, wenn es tatsächlich gebraucht werde. Die langfristige Personalentwicklung leide unter kurzfristigem Denken. „Wir alle wissen, dass Investmentbanker oft keine guten Manager sind. Ihnen fehlt die mittel- und langfristige Perspektive.“

Investmentbanken verlangen viel von ihren Juniors

Auch Headhunter Dirk Albütz von Fibance in Frankfurt bestätigt den anhaltenden Mangel bei Juniors in den Bereichen M&A, ECM und Leveraged Finance: „Ich habe Anfragen von drei oder vier Banken vorliegen, die alle Leute mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung suchen. Und zwar über alle Player hinweg: Tier 1, Tier 2, Boutiquen und Privatbanken.“ Auch Londoner Player würden sich auf dem Frankfurter Markt umschauen, meint Albütz. Allerdings sei es gar nicht so leicht, passende Kandidaten zu finden. Auch in Fixed Income gebe es vereinzelt Wechsel, obwohl es hier doch wesentlich ruhiger zugehe.

Einen akuten Mangel sieht Personalberater Andreas Krischke von Indigo Headhunters vor allem in M&A. „Da wechseln halt viele Juniors ins Private Equity und zu Corporates“, erläutert Krischke. „Solange alles gut läuft, ist die Bereitschaft von M&A-Associates innerhalb der ,peer’ group zu wechseln gering.” Dagegen handle es sich bei einem Wechsel von Juniors der Big 4 zu renommierten Investmentbanken um einen sinnvollen Schritt. „Das ist besser für die Karriere und bringt mehr Internationalität mit sich“, erläutert Krischke. Allerdings werde dort von Juniors auch mehr verlangt.


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