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Was ist so schlimm daran, ein Workaholic zu sein?

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Zählen Sie auch zu den Workaholics oder gehen Sie einfach nur so in Ihrem Beruf auf, dass Sie 80 Stunden pro Woche arbeiten? In wissenschaftlichen Untersuchungen wird die Sucht nach Arbeit – Workaholismus  – von der Liebe zur Arbeit unterschieden.

In einem neuen Buch definieren Forscher der Universität Georgia in den USA Workaholismus als „inneren Zwang zu arbeiten, indem die Persönlichkeit von Gedanken und Gefühlen zur Arbeit aufgezehrt wird und sie oder er exzessive Zeit mit Arbeit oder dem Nachdenken über Arbeit verbringen – selbst wenn es von ihnen gar nicht gefordert wird – was schließlich zur Aufgabe wichtiger anderer Lebensbereiche führt.“ Arbeitssüchtige werden von dem Zwang zur Arbeit völlig beherrscht. Dies stellt einen großen Unterschied zur Liebe zur Arbeit dar. Allerdings können die Folgen für das Privatleben ganz ähnlich ausfallen.

Kein Wunder also, dass die Forscher aus Georgia den schädlichen Einfluss des Workaholismus auf das Familienleben herausarbeiten. Nach diesen Untersuchungen leiden Frauen noch stärker unter dem mangelnden Privatlegen als ihre männlichen Leidensgenossen. Bei einer Untersuchung von 215 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 45 Jahren kam heraus, dass Frauen, die positiv auf Workaholismus getestet wurden, zuhause überproportional unter Angstzuständen, Wutausbrüchen und Depressionen leiden.

Damit ergebe sich ein Teufelskreis: Mehr Stress zuhause bedeute auch mehr Stress bei der Arbeit, was wiederum den Stress zuhause antreibe usf. Laut den Forschern würden männliche Betroffene weniger leiden. Denn mit ihrer harten Arbeit würden sie nur das männliche Rollenbild erfüllen. Dagegen steige bei weiblichen Workaholikern die Wahrscheinlichkeit, dass sie für die mangelnde Ausfüllung ihrer traditionellen Familienrolle gesellschaftlich abgestraft werden.

Doch was bedeutet dies für Betroffene beiderlei Geschlechts? Eine ehemalige M&A-Bankerin hält dies alles für Unsinn. „Die Frauen, die es ins Banking treibt, verfügen alle über hohe Ansprüche und schaffen es, alles zu managen. Wenn Sie immer noch im Spiel sind, dann sind sie extrem gut und bekommen alles hin“, erzählt sie. Doch sind sie darüber hinaus auch mit ihrem Privatleben zufrieden? „Das ist die Millionen-Dollar-Frage“, gesteht die ehemalige M&A-Bankerin.

Dagegen betont Louisa Symington-Mills, die früher als Analystin bei der US-Investmentbank Jefferies gearbeitet hat und den Verein City Mothers & City Fathers mitbegründet hat, dass Frauen und Männer gleichermaßen unter den ausufernden Arbeitszeiten im Investmentbanking leiden. Allerdings unterscheide sich die Art der Probleme tatsächlich je nach den Geschlechtern. Frauen wollen flexible Arbeitszeiten. Wenn Sie das aber tatsächlich durchsetzen können, dann sorgen sie sich um ihre Karriereaussichten. Auch Männer wollen flexible arbeiten, sorgen sich aber eher um die abschätzigen Blicke ihrer männlichen Kollegen. Die Folgen – nämlich das plötzliche Ausbleiben von Beförderungen – sind wiederum bei beiden Geschlechtern ähnlich, während sich die Begleitumstände unterscheiden. Bei Männern spielt das Machogehabe am Arbeitsplatz einfach eine größere Rolle.

Die ehemalige Bankerin und Personalexpertin Heather McGregor hält Workaholismus ebenfalls nicht für ein geschlechtsspezifisches Problem. „Im Banking finden sie männliche und weibliche Workaholics. Das große Problem besteht darin, dass Frauen viel mehr außerhalb der Arbeit zu tun haben. Wenn es sich nicht gerade um einen weiblichen Single ohne Kinder handelt, muss eine Frau, die 75 Stunden in der Woche arbeitet, zuhause viel mehr erledigen als ein Mann.“ Doch selbst Investment Banking-Analystinnen im Alter von 20 bis 30 entkommen diesem Problem nicht. „Vor einigen Jahren habe ich an der ‚Womens Conference‘ der Deutschen Bank teilgenommen und eine Teilnehmerin erzählte, dass sie um 5.30 Uhr aufstehe und um 8 Uhr nachhause komme und sie fragte, wie sie dabei irgendwann einmal Kinder haben könne“, sagt McGregor.

Interessanterweise scheint der Workaholismus unter Frauen mit dem Lebensalter anzusteigen, während er bei den Männern sinkt. Den Forschungsergebnissen zu folge fällt die Wahrscheinlichkeit einer 45jährigen unter zwanghafter Arbeit zu leiden höher als bei einer 25jährigen aus. Dagegen tendiert ein 25jähriger männlicher Banker härter zu arbeiten als sein 45jähriger Vorgesetzter. Dieser Befund ist umso erstaunlicher als verschiedene Studien belegen, dass im Bereich Banking und Rechnungswesen der Gehaltsunterschied zwischen Männer und Frauen im Laufe der Karriere ansteigt.

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