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Zürcher Wissenschaftler finden heraus: Banking verdirbt den Charakter

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Banker stehen im Ruf einer besonders gierigen Berufsspezies anzugehören. Doch abgesehen von Klischees gab es hierfür bislang kaum wissenschaftliche Belege. Doch den scheinen jetzt einige Volkswirte der Universität Zürich nachzureichen. Dazu haben Alain Cohn, Ernst Fehr und André Maréchal ein kleines Experiment gewagt: Sie haben 128 Angestellte von Großbanken mit durchschnittlich 11,5 Jahren Berufserfahrungen aus den Bereichen Private Banking, Asset Managing, Trading und Investment Management zu einem kleinen Münzwurfspiel eingeladen.

Die Banker sollten zehnmal eine Münze werfen und online das Ergebnis mitteilen. Ihnen wurde in Aussicht gestellt, pro erfolgreichem Wurf etwa 20 Dollar zu verdienen, falls ihr Ergebnis besser als das einer Vergleichsgruppe ausfiel. Natürlich gab es keinerlei Möglichkeiten, das individuelle Fehlverhalten festzustellen.

Am Ende kam heraus, dass 58,2 Prozent der Banker – nach eigenen Angaben – das richtige Ergebnis getroffen hätten. Da jedoch die Wahrscheinlichkeit eines Münzwurfs bei lediglich exakt 50 Prozent liegt, beträgt die Schummelquote 16 Prozent. In der Vergleichsgruppe gaben Nichtbanker lediglich eine Erfolgsquote von 51,6 Prozent an, was nicht allzu weit von der tatsächlichen Quote von 50 Prozent entfernt liegt.

Zur Verteidigung der Banker muss gesagt werden, dass ihr Charakter besser als ihr Ruf ist. Denn bei einer Umfrage der Zürcher Volkswirte unter Nichtbankern, gaben die Befragten an, dass Banker eine Erfolgsquote von durchschnittlich 64 Prozent angeben würden, was auf eine Schummelquote von 27 Prozent hinausläuft.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die vorherrschende Geschäftskultur in der Bankenbranche unehrliches Verhalten begünstigt und so zum Verlust des Branchen-Ansehens beiträgt“, resümieren die Wissenschaftler. Die Anreize seien in der Branche offenbar falsch gesetzt. „Um mögliche Lösungen zu erkennen, ist es wichtig, die Gründe für die unehrlichen Geschäftspraktiken zu kennen.“ Dazu empfehlen die Wissenschaftler eine Art hippokratischen Eid, wie in Ärzte ablegen müssen.


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