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Von Goldman zu Social Media: Wie sich ein Banker beruflich neu erfindet

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Der ehemalige Goldman Sachs-Mitarbeiter Rajeev Gupta hat sich zwei Ziele gesetzt: Zunächst kultiviert er seine Bartpracht. Nebenbei versucht er auch die Weise zu revolutionieren, wie die Menschen mit sozialen Netzwerken im Internet umgehen.

Gupta hat das Banking aufgegeben. Nach neun Jahren als Technologie-Experte und Investor bei Goldman Sachs sowie nach zwei Jahren bei Tribeca Investments und drei Jahren bei Macquarie hat er sich entschlossen, etwas anderes mit seinem Leben anzufangen. Laut Gupta verlassen die meisten Investmentbanker die Branche Richtung Venture Capital oder Private Equity. Sie wollen ein „Unternehmen voranbringen“ und nicht nur jemanden anderes bei Fusionen oder Fund Raising beraten. Auch Gupta hat das versucht. Doch anstatt nur in Technologie zu investieren, betätigt er sich jetzt selbst als IT-Unternehmer.

„Das Banking zu verlassen, dabei handelt es sich um eine schwerwiegende Entscheidung. Es wird gut bezahlt und Sie arbeiten mit unglaublich talentierten Menschen zusammen. Aber manchmal muss man einfach Risiken eingehen“, ergänzt Gupta. „Ich habe Frau und vier Kinder. „Ich gehe mehr Risiken als viele andere ein.“

„Mein Vater hat mir vom Verlassen des Bankings abgeraten“, sagt Gupta. „Er sagte mir, dass man sich in meinem Alter konsolidieren und nicht etwas Neues unternehmen solle.“ Seine Frau gab bei der Entscheidung schließlich den Ausschlag. „Sie ermutigte mich und sie sagte mir, dass es mir schwer fallen werde, das Geschäft aufzubauen und dass dies ein großes Risiko für die Familie darstelle, aber zumindest gewänne ich die Kontrolle über mein eigenes Leben zurück und sie müsse sich nicht anhören, wie unglücklich ich bin. Wenn Sie etwas machen wollen, was die Muster und Verhaltensweisen ändert, dann müssen Sie wagemutig sein.“

Gupta will auch die Verhaltensmuster rund um GeckoLife ändern, wobei es sich um eine Networking-Site mit einem anderen Ansatz als Facebook handelt. „Wir denken, dass ‚sozial‘ nicht immer ‚sofort‘ heißen muss“, meint Gupta. „Bei sozialen Netzwerken sollte es nicht darum gehen, ständig online zu sein, sondern Archive zu Events anzulegen, die immer wieder besucht werden können.“

Es geht darum, einen besinnlicheren Ansatz für Soziale Netzwerke zu finden. So erlaubt GeckoLife beispielsweise keinen Live Chat. Die Nutzer legen spezifische Gruppen an, die sich um bestimmte Events oder Themen drehen. Oft geht es um Schulen oder Clubs. So könne ein Schulausflug z.B. das Thema einer Gruppe sein. Dabei lassen sich die Kontakte der Kinder ebenso kontrollieren wie Daten, die sie hochladen. „Wir möchten, dass unsere Nutzer digital verantwortliche Persönlichkeiten sind“, sagt Gupta. „Sie Gewohnheiten im Umgang mit Social Media ändern sich und wir wollen an der Spitze des Wandels stehen.“

Bislang kann GeckoLife etwa 5000 Nutzer vorweisen, wovon allerdings 64 Prozent aus dem asiatisch-pazifischen Raum stammen, wo auch Gupta seine Wurzeln hat. Und wie die meisten anderen Banker auch, die sich als Unternehmer neu erfunden haben, arbeitet er ebenso hart wie in seinem früheren Leben in den Finanzdienstleistungen. „Ich habe jetzt wahrscheinlich sogar längere Arbeitszeiten“, gesteht Gupta. „Ich habe immer ein Gerät bei mir; die meiste Zeit sogar einen Computer. Es handelt sich um ein Online-Produkt, das man nicht einfach abschalten kann. Wenn Nutzer ein Problem haben – gleich um welche Zeit es sich handelt, dann wollen sie eine Antwort.“

Doch was er in der Distanz zur Arbeit verloren hat, hat er an Autonomie zurückgewonnen. „Als ich noch im Banking war, habe ich drei Hochzeitstage mit meiner Frau und mehrere Geburtstage meiner Kinder verpasst, aber in den vergangenen anderthalb Jahren habe ich nichts verpasst. Jetzt bin ich Herr über meinen eigenen Zeitplan.“

Allerdings bringt der Ausstieg aus dem Banking auch Probleme mit sich. Gupta erzählt, wie er die Energie und den Sinn für Details von Finanzprofis vermisst. In der IT-Branche geben sich die meisten Leute relaxter und es herrsche die Auffassung, dass niemals etwas beendet werden könne, weil sich die Technik ständig wandle. Auch seine früheren Verdienste konnte er bislang nicht wieder erreichen. „Es dreht sich alles ums Geschäft.“ Und Guptas Frau muss sich mit neuen Schwierigkeiten herumschlagen. „Ich verpasse zwar keine Familienfeste mehr“, erzählt Gupta, „aber wenn wir vorm Fernseher sitzen und ich mit einem Nutzer kommuniziere, dann klagt meine Frau, dass ich nicht richtig aufpassen würde. Spätestens dann passe ich wieder auf.“

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