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Die erstaunlichen Bewerbungstipps der Credit Suisse

Bewerben stellt eine hohe Kunst dar – vor allem bei den Branchenschwergewichten. Um Kandidaten den Weg durch den Dschungel der Karrierewebsites und der Bewerbungsprozesse zu erleichtern, hat die Credit Suisse einen Ratgeber entwickelt. Viele Tipps daraus sind nützlich, andere interessant und manche reichlich sonderbar:

Anschreiben sind auch bei Online-Bewerbungen Pflicht

Bis auf wenige Ausnahmen erwartet die Credit Suisse, dass sich Kandidaten über ihre Karrierewebsites bewerben. Dennoch legt das Institut großen Wert auf Anschreiben. „Beim Anschreiben handelt es sich um eine kurze Einführung zu Ihnen und enthält eine spezielle Begründung, wieso Sie sich für qualifiziert für die Arbeit bei der Credit Suisse halten“, heißt es von der Bank. „Es vervollständigt Ihren Lebenslauf, aber es wiederholt keine Details. Es handelt sich um eine zusätzliche Gelegenheit, um sich selbst von Ihren Wettbewerbern abzusetzen, in dem sie beschreiben, wieso sie den Job bekommen sollten.“

Die Kandidaten könnten darin mit Ihrem Wissen über die Branche, die Bank und die betreffende Stelle punkten. Allerdings warnt die Credit Suisse auch: „Begnügen Sie sich mit zwei oder drei Paragrafen: Damit zeigen Sie, wie Sie kurz und prägnant Informationen aufbereiten und wie Sie erfolgreich Interesse wecken können.“ Superlange Anschreiben sind also auch bei der Credit Suisse verpönt.

Der Lebenslauf

Selbstverständlich muss der Lebenslauf sämtliche Informationen zu Ausbildung und Berufserfahrung  in anti-chronologischer Ordnung aufweisen. Laut der Credit Suisse dienen die akademischen Angaben dazu, die „kognitiven“ und „Führungskompetenzen“ abzuschätzen. Ausdrücklich empfiehlt die Bank Unikurse und Spezialgebiete aufzulisten, die für die fragliche Stelle relevant sind. „Es handelt sich um Ihre Marketing-Präsentation“, betont die Bank.

Zum beruflichen Werdegang zählt die Credit Suisse sämtliche „relevanten“ Jobs, Praktika, universitären Tätigkeiten und Freiwilligenarbeit. Jede Station sollte mit wenigen Begriffen kurz umrissen werden. Darüber hinaus sollten Daten angegeben werden, die über ihren Rang (die Zahl der untergebenen Mitarbeiter), Ihre Leistungen (z.B. die generierten Erträge) und über Ihre Führungskompetenz Aufschluss geben.

Die persönlichen Angaben stellen laut der Credit Suisse eine Chance dar, die eigenen Soft-Skills zu illustrieren. Dazu dienen Interessen, Hobbies, Talente, Sprach- und IT-Kenntnisse sowie längere Reisen.

Großen Wert legt die Credit Suisse auf die formale Gestaltung eines Lebenslaufs. So sollten sämtliche Kontaktdaten, Grammatik, Satzbau, Rechtschreibung und Formatierungen mehrfach überprüft werden. Die Bank rät zu einem Verbalstil, der also eher Tätigkeiten wie „generieren, führen, entwickeln“ anstatt von Substantiven nutzt. Das ganz sollte möglichst nicht länger als eine Seite sein.

Der Vorstellungsprozess

Beim Vorstellungsgespräch wünscht sich die Credit Suisse einen professionellen Auftritt: „Hinterlassen Sie einen guten Eindruck, indem Sie auftreten, als ob sie bereits hier arbeiten würden.“ Neben Business-Outfit bedeutet dies auch, dass die Kandidaten jeden einzelnen Gesprächsteilnehmer „professionell und freundlich“ grüßen.

Laut der Credit Suisse umfasst der Bewerbungsprozess mehrere Vorstellungsgespräche, deren Inhalte sich unterscheiden. Im ersten gehe es allgemein um Kompetenzen, Wissen und das Potenzial des Kandidaten, während im zweiten oder dritten Gespräch der Fokus auf dem tatsächlichen Einsatzgebiet liegt. Im Klartext soll dies wohl heißen, dass das erste Gespräch eher eine Vorauswahl durch die Personalabteilung darstellt, während anschließend die Fachabteilungen den Kandidaten begutachtet.

Wie Sie ein Vorstellungsgespräch vorbereiten

Keine Frage: Banken legen großen Wert auf eine eingehende Vorbereitung eines Vorstellungsgesprächs. Die Credit Suisse stellt sich hierunter allerdings eher einen Marathon, denn einen Sprint vor. Hier die einzelnen Stationen:

–          Besuchen Sie Campus-Veranstaltungen und stellen Sie Fragen.

–          Bringen Sie mehrere Kopien Ihres Lebenslaufes mit. Anscheinend kommt es auch bei der Schweizer Bankengröße vor, dass so mancher Gesprächsteilnehmer den Lebenslauf eines Kandidaten erst während des Vorstellungsgesprächs zu Gesicht bekommt.

–          Kandidaten sollten sich eingehend über die Bank informiert haben. Darüber hinaus sollten Sie sich Gedanken gemacht haben, wie Sie mit Ihren Talenten zum Erfolg der Bank beitragen können.

–          Jeder Kandidat sollte drei Fragen zu der fraglichen Stelle vorbereitet haben. Damit signalisiere der Bewerber Interesse an dem Unternehmen, wobei es sich auch um ganz banale Fragen zum Arbeitsalltag handeln könne. Konkret nennt die Credit Suisse Fragen wie: „Wie sieht der typische Arbeitsalltag für einen Analysten aus? Worin bestehen Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen in den ersten Monaten im Job? Welches sind die wichtigsten Stärken, die ein Kandidat mitbringen sollte?“ Daneben sollte ein Kandidat natürlich auch ein paar clevere Fragen zum Geschäftsmodell der Credit Suisse und deren USPs parat haben.

Ausdrücklich empfiehlt die Credit Suisse den Ablauf eines Vorstellungsgesprächs vorab mit einem Freund einzustudieren sowie ehrlich und selbstbewusst aufzutreten.

Die ellenlange Leseliste der Credit Suisse

Besonders interessant ist die Leseliste der Credit Suisse, die so manche Lektüreliste aus Univorlesungen in den Schatten stellt. So empfiehlt die Großbank die Lektüre der Deutschschweizer und angelsächsischen Wirtschaftspresse: Bilanz, Finanz und Wirtschaft, Handelszeitung, NZZ, Stocks und Schweizer Bank aus der Schweiz sowie Bloomberg und die Financial Times aus New York und London.

Darüber hinaus listet die Credit Suisse gleich 14 Buchempfehlungen auf – sämtlich auf Neudeutsch:

After the Trade is Made, David M. Weiss

An Introduction to Capital Markets (Products & Applications), Andrew Chisholm

An Introduction to Equity Markets, Reuters

An Introduction to Global Financial Markets, Stephen Valdez

Beginner’s Guide to Investment, Bernard Gray

Don’t Send a Resume, Jeffrey J. Fox

How the Bond Market Works, Robert Zipf

How the Citiy of London Works, William M. Clarke

Principles of Corporate Finance, Brealey & Myers & Allen

Saving & Investing, Michael Fischer

Securities Operations: A Guide to Trade & Position Management, Michael Simmons

The Economist Guides

The Money Machine, Philip Coggan

Understanding Derivatives in a Day, Stefan Bernstein

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