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Deutsche Bank-Analyse: Wie das Investment Banking im Jahre 2024 aussieht

Getty Images

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Die Analysten der Deutschen Bank haben eine umfangreiche Prognose zur Zukunft des Investment Bankings gewagt. Dabei fallen die Aussichten nicht ganz so trübe aus, wie zu erwarten gewesen wäre. Die Analysten können mit interessanten Beobachtungen aufwarten.

1. Erst in 2024 erreicht das Geschäft wieder Vorkrisenniveau

Die Finanzkrise beschert der Investment Banking-Branche mehr als anderthalb verlorene Jahrzehnte. So sei der weltweite Branchenumsatz von etwa 400 Mrd. US-Dollar auf nur 260 Mrd. Dollar in diesem Jahr abgestürzt. Damit beläuft sich der Einbruch auf 40 Prozent.

Der Hauptteil des Absturzes ist strukturell und nicht konjunkturell bedingt. Folglich ist auch nicht mit einer raschen Erholung zu rechnen. Dennoch gibt es einen Lichtblick: Da der Absturz bereits erfolgt ist, sehen die Analysten Raum für ein jährliches Umsatzwachstum von 4 bis 5 Prozent. Damit würden in 2024 wieder Erträge von 404 Mrd. Dollar erreicht.

2. Dennoch gehört Investment Banking zu den Wachstumsbranchen

Die Analysten der Deutschen Bank rechnen damit, dass die gewachsene Regulierung die Erträge mit 39 Mrd. Dollar belastet. Umgekehrt sorge eine Vertiefung der Finanzmärkte in den Schwellenländern für Zusatzerträge von 24 Mrd. Dollar.

Das Gros des Umsatzwachstums im Investment Banking gehe indes auf das allgemeine Wachstum der Weltwirtschaft zurück. Insgesamt zähle das Investment Banking in Hinsicht auf die Wachstumsperspektiven zur besseren Hälfte sämtlicher Branchen.

3. Investment Banking wächst nicht mehr überproportional

Ein Wachstum im Einklang mit der Weltwirtschaft stellt historisch betrachtet einen Einbruch dar. Die Analysten betonen, dass z.B. in den Vereinigten Staaten der Anteil des Investment Bankings an der Gesamtwirtschaft vor der Krise über 50 Jahre kontinuierlich angestiegen ist. Diese Entwicklung gehe nicht erst auf die Marktliberalisierung der 80er Jahre zurück.

Auch nach dem Ende des 50jährigen Trends falle das Potenzial der Branche beachtlich aus. „Wenn wir ein jährliches Wachstum von 4,5 Prozent in den kommenden zehn Jahren veranschlagen, was weniger als die 5,5 Prozent in den Jahrzehnten zuvor ist, dann könnte das Investment Banking durch Wachstum allein um 55 Prozent zulegen“, heißt es in der Studie der Deutschen Bank.

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4. Investment Banking als Sammelsurium unterschiedlicher Geschäfte

Laut den Analysten der Deutschen Bank bestehe das Investment Banking aus recht unterschiedlichen Geschäftsbereichen, die sich divergent entwickeln. „Nach unserer Analyse tendiert M&A dazu, nach seiner eigenen Pfeife zu tanzen: Gegenwärtig herrscht ein Trend zu Entflechtungen, Restrukturierungen und De-Investitionen, früher hingegen zu Fusionen“, schreiben die Experten. Darüber hinaus verhalte sich Equity Capital Markets leicht antizyklisch zu Debt Capital Markets.

Von den handelsorientierten Geschäften profitiere das Geschäft mit Währungen und Zinsen von einer steigenden Volatilität. Da diese derzeit gering ausfällt, hätten beide zu kämpfen. Dagegen könnten Verbriefungen und Kreditgeschäft auch bei fallender Volatilität gut laufen.

5. Westliche Banken werden vom chinesischen Boom nicht profitieren

Der chinesischen Volkswirtschaft attestieren die Analysten einen gewaltigen Nachholbedarf im Investment Banking. Das Dumme daran: Hiervon dürften wie schon in der jüngsten Vergangenheit hauptsächlich die inländischen Banken profitieren. „Der Kuchen ist also groß, aber er wird hauptsächlich unter den nationalen Banken aufgeteilt“, heißt es weiter.

6. Wie der elektronische Handel die Erträge ausradiert

Keine Frage: Der elektronische Handel befindet sich auf dem Siegeszug. Dies hat laut der Deutschen Bank gravierende Auswirkungen auf die Erträge aus dem Handelsgeschäft. So seien beispielsweise seit der Einführung des elektronischen Devisenhandels nach der Jahrtausendwende – immerhin der größte Markt der Welt – die Spreads zwischen Ankauf- und Verkauf um 85 Prozent „kollabiert.“ Niedrige Spreads bedeuten aber auch weniger Profit für diejenigen, die den Handel abwickeln – die Banken also.

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7. Investment Banken sind die Aldis unter den Finanzintermediären

So manche Finanzdienstleistung kann von unterschiedlichen Anbietern erbracht werden. Von daher stehen Investment Banking, Retail Banking und Asset Management in einem gewissen Konkurrenz- und Substitutionsverhältnis zueinander.

Unter den verschiedenen Sektoren verlangen ausgerechnet die viel gescholtenen Investmentbanken die niedrigsten Provisionen. Während sie bei Investmentbanken 0,16 Prozent betragen, sind es im Asset Management 0,5 Prozent und im Filialgeschäft sogar 1,5 bis 3,8 Prozent.

8. Es bleibt Platz für unterschiedliche Geschäftsmodelle

Durch die wachsende Regulierung besonders im Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (FICC) wird die Luft für kleinere Anbieter dünn. Laut den Analysten der Deutschen Bank vereinen die fünf weltweit größten Player bereits über 40 Prozent des Weltmarktanteils auf sich.

Dagegen nehme der Marktanteil der einzelnen Banken im Aktiengeschäft ständig ab. Somit hätten neben den FICC-Großbanken auch noch kleinere und sogar regionale Anbieter eine Existenzberechtigung. Dies dürfte UBS, Credit Suisse, Commerzbank, HVB und Landesbanken freuen. Denn zu den „Power Häusern“ im FICC-Geschäft zählt aus Mitteleuropa nur die Deutsche Bank.

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