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Rückblick 2009 – Das Jahr der Krise

2009 war ein gutes Jahr für …

Allianz

Der Münchener Versicherungsriese ist gleich zu Jahresbeginn sein Milliarden-Missverständnis Dresdner Bank losgeworden. Der neue Eigentümer Commerzbank konnte die Finanzierung nur mit Hilfe des Steuerzahlers stemmen. Derweil ist die Allianz längst wieder auf die Überholspur gewechselt und scheffelt mit seinen Sach- und Lebensversicherungen, aber auch mit seiner Asset-Management-Tochter Allianz Global Investors Milliardengewinne. – Und für die Fehler des Allianz-Managements, die den “besten” Dresdner Bankern vor der Übernahme durch die Commerzbank fixe Millionen-Boni garantiert hatten, musste vor allem die Führungsriege um Co-Bank-Chef Martin Blessing in der Öffentlichkeit den Kopf hinhalten.

Josef Ackermann

Zu Jahresbeginn wegen des größten Verlustes aller Zeiten und seiner Weigerung, Staatshilfe anzunehmen von Medien und Politikern kritisiert, sitzt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann längst wieder fest im Sattel. Statt – wie kolportiert – vorzeitig zurückzutreten, trat der Schweizer Reserve-General wenige Monate später, als die Bank längst wieder Milliardengewinne verbuchte, die Flucht nach vorn an und verlängerte seinen Arbeitsvertrag – unter dem Beifall vieler Politiker und Medien!

Bundesbank

Die Finanzkrise konnte nur deshalb grassieren, weil die zuständige Bonner Aufsichtsbehörde BaFin pennte – das dachte sich wohl die neue schwarz-gelbe Bundesregierung und einigte sich im Koalitionsvertrag auf eine Stärkung der in Frankfurt residierenden Bundesbank. Zwar wird noch viel Wasser den Rhein hinabfließen, bis die Währungshüter tatsächlich das Zepter für die Finanzmarktaufsicht bei den Banken übernehmen, doch bei vielen BaFin-Mitarbeiter liegen verständlicherweise die Nerven blank.

Dagegen war 2009 ein schlechtes Jahr für …

Headhunter

Im Laufe des Jahres mussten mehrere Personalberater der Finanzkrise Tribut zollen. Weil die meisten Banken lediglich notwendige Schlüsselpositionen besetzten, aber sonst ihre Belegschaften weiter ausdünnten, rutschten auf die Bankenbranche spezialisierte Rekruter wie Smith & Jessen in die Insolvenz. Später machten mit Whitehead Man und MZ Consulting zwei weitere auf Finanzjobs fokussierte Headhunter Pleite.

Dresdner Banker

Nach der Übernahme durch die Commerzbank gingen die meisten Führungspositionen an Mitarbeiter des Frankfurter Erzkonkurrenten. Trotz des Verzichts auf betriebsbedingte Kündigungen ist das vergrößerte Institut seinem Ziel, 6.500 Stellen in Deutschland bis 2013 streichen zu wollen, schon ein großes Stück näher gekommen. Und während ehemalige Dresdner-Kleinwort-Topbanker wie Spartenchef Stefan Jentzsch und Capital-Markets-Head Jens-Peter Neumann seinen Millionenbonus vor Gericht durchsetzen konnte, sind viele ehemalige Dresdner-Kleinwort-Investmentbanker aus der zweiten Reihe mit dem gleichen Ansinnen gescheitert.

unabhängige Privatbanken

Der Niedergang der Privatbank Sal. Oppenheim zeigt, dass unabhängige Privatbanken in der globalisierten Welt wohl keine Zukunft haben werden. Derzeit wird nur noch Hauck & Aufhäuser von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt. Dagegen gehören Institute wie Delbrück Bethmann Maffei (ABN Amro) und Merck Finck (KBC Group) entweder längst ausländischen Finanzkonzernen oder wie Conrad Hinrich Donner Bank (Signal Iduna) und Fürst Fugger Privatbank (Nürnberger) einem Versicherer. Experten gehen davon aus, dass ein Arbeitsplatzabbau in diesem Sektor trotz wachsender Zahl vermögender Privatkunden unvermeidlich ist.

Boni

Die Debatte um Sondergratifikationen hat in diesem Jahr wegen der Milliardenhilfen des Steuerzahlers und Millionen-Abfindungen für entlassene Bankmanager an Schärfe zugenommen. Banken, die im Zuge der Finanzkrise nur mit Hilfe von Steuermitteln am Leben gehalten wurden, mussten auf Druck des neuen staatlichen Rettungsfonds Sofin und der Politik auf Boni verzichten. Das traf u.a. die (meisten) Mitarbeiter der Commerzbank und der WestLB. Inzwischen haben sich die führenden Banken und Versicherer unter Druck von Politik und Regulierern verpflichtet, ihre Boni künftig am langfristigen Unternehmenserfolg auszurichten.

Landesbanken

Die Staatsbanken entwickeln sich für die Eigentümer – zumeist Landesregierungen und örtliche Sparkassen(verbände) – zu Fässern ohne Boden. Nach dem Fiasko um die österreichische Tochter Hypo Alpe Adria hat die bayerische Staatsregierung nun angekündigt, die Mutter BayernLB so schnell wie möglich zu verkaufen. Gut möglich, dass es doch noch zu einer Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) kommen wird, denn auch Deutschlands größte in Stuttgart ansässige Landesbank ist längst zu einem Sanierungsfall für die Steuerzahler im Ländle verkommen. Bezeichnend, dass die mächtige EU-Kommission in Brüssel den Kirchturmpolitikern “helfen” muss – und den Verkauf der meisten Auslandstöchter – wie zuvor bei der WestLB – zur Bedingung für die rückwirkende Genehmigung von Staatshilfen gemacht hat.

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