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Spanier und Franzosen greifen nach Commerzbank: Was kommt auf die Mitarbeiter zu?

Die Spekulationen um den Einstieg eines ausländischen Bankenriesen bei der Commerzbank erhalten neue Nahrung. Laut Medienberichten prüfen die spanische Santander und die französische Socíeté Générale (SocGen) einen Einstieg bei der Commerzbank. Angeblich sei SocGen bereits in Berlin vorstellig geworden, um beim Bund zu sondieren, unter welchen Bedingungen er sich von seiner Beteiligung von 17 Prozent trennen wolle.

Bund wird Ergebnis des Banken-Tüvs im Herbs abwarten

Da der Aktienkurs zum Kaufzeitpunkte allerdings deutlich höher als heute notierte, würde auf den Steuerzahler ein Verlust von derzeit etwa 2,5 Mrd. Euro zukommen. Dies mag auch der Grund dafür sein, wieso der Bund seinen Anteil noch nicht versilbert hat. Vor dem Ergebnis des umfangreichen Eigenkapitaltests der europäischen Großbanken, die im Oktober erwartet werden, ist jedoch mit keiner Entscheidung zu rechnen.

Mit der Übernahme könnten SocGen und Santander ihre Präsenz in der größten europäischen Volkswirtschaft deutlich ausbauen. Dabei gilt besonders das erfolgreiche Mittelstandsgeschäft als interessant. Beide Banken bringen darüber hinaus Erfahrungen im schwierigen Filialgeschäft mit. Vor einem Jahr war schon einmal über die Übernahme durch die UBS spekuliert worden, was allerdings aufgrund der unterschiedlichen Geschäftsmodelle wenig überzeugend war. Dagegen verfügen SocGen und Santander über ein umfangreiches Filialgeschäft.

Santander verdient im Filialgeschäft in Deutschland mehr als die gesamte Commerzbank

Die Santander Consumer Bank in Deutschland erzielte beispielsweise im abgelaufenen Geschäftsjahr mit gerade einmal 3727 Mitarbeitern einen Jahresüberschuss von 466 Mio. Euro. Dagegen erwirtschaftete der Commerzbank-Konzern mit annähernd 53.000 Beschäftigten nur ein Konzernergebnis von mickrigen 78 Mio. Euro.

Stellt sich die Frage, welche Auswirkungen ein Einstieg von Santander oder SocGen auf die Mitarbeiter hätte. Der deutliche üppigere Gewinn der Spanier scheint dabei nicht allein auf eine strengere Kostendisziplin zurückzugehen. So ließ die Santander Consumer Bank in Deutschland in 2013 durchschnittlich gut 68.400 Euro für jeden Mitarbeiter springen. Die Bruttobezüge pro Angestellten beliefen sich nach dem Geschäftsbericht auf knapp 56.300 Euro.

Im Commerzbank-Konzern belief sich der Personalaufwand pro Kopf indes auch nur auf etwa 72.000 Euro. Der Unterschied bei den Personalkosten liegt also gerade einmal bei rund 3600 Euro. Überdies sind hierin auch noch die Investment- und Mittelstandsbanker enthalten. Da es bei den Gehältern also wenig Spielraum gibt, könnte ein Investor also nur mit Personalausbau sparen oder höhere Erträge zu generieren versuchen.

Blessing kann sich mit Staatsausstieg anfreunden

In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) vom heutigen Freitag (6. Juni) betonte denn Commerzbank-Chef Martin Blessing auch, dass sein Institut kein Kosten-, sondern ein Ertragsproblem habe. „Nach der Übernahme der Dresdner Bank wiesen wir im Jahr 2007 Kosten von 10,5 Mrd. Euro aus. Im vergangenen Jahr waren es noch 6,9 Mrd. Euro“, sagte Blessing. „Die rekordtiefen Zinsen drücken aber die Erträge, die Kunden sind sehr zurückhaltend, die Einlagenmargen unter Druck. Derzeit ist das Generieren von Erträgen die größere Herausforderung als die Steuerung der Kosten.“

Dennoch bleibt auch bei der Commerzbank viel zu tun. So wies der Konzern in 2013 im operativen Geschäft eine Aufwands-Ertragsquote von 73,3 Prozent aus. Die Bank musste also für jeden Euro Ertrag mehr als 73 Cent ausgeben. In dieser Zahl sind die horrenden Verluste der hauseigenen Bad Bank noch nicht einmal berücksichtigt. Blessing will die Kostenquote in den kommenden Jahren auf 60 Prozent drücken. Dies könnte für die Mitarbeiter noch einmal ungemütlich werden. „Doch in diesem Zinsumfeld werden auch die Kosten weiterhin ein großes Thema sein – bei allen Banken“, sagte Blessing der NZZ.

Commerzbank treibt Outsourcing voran

Als Kostenbremse hat die Commerzbank wie viele andere Institute auch das Nearshoring und Outsourcing entdeckt. So werden Arbeitsplätze in Serviceöchter ausgelagert, in denen der Bankentarifvertrag nicht gilt, oder an Standorte, an denen das Gehaltsniveau deutlich niedriger als in Frankfurt ist. „Mittlerweile arbeiten dort über 2000 Mitarbeiter und noch im laufenden Jahr planen wir einen weiteren Ausbau um circa 300 neue Mitarbeiter”, sagte Commerzbank Personalchef Frank Annuscheit der Wirtschaftswoche. „Die Servicetöchter übernehmen nun auch aber immer anspruchsvollere Aufgaben wie Softwaretests, Teile der Wertpapierabwicklung oder Aufgaben aus der Kreditsachbearbeitung”, ergänzte Annuscheit.

Doch auch bei diesem Trend hinkt die Commerzbank hinterher. Während sich Santanders Deutschlandzentrale im kostengünstigen Möchengladbach befindet, beschäftigte die Commerzbank im teuren Frankfurt Ende vergangenen Jahres noch über 13.000 Mitarbeiter. Bei der Deutschen Bank waren es hingegen weniger als 10.000.

Einer Veräußerung der Staatsbeteiligung scheint Blessing jeden falls nicht abgeneigt zu sein. „Wenn Sie mich streng ordnungspolitisch fragen, erachte ich es aber nicht als sinnvoll, dass Banken auf Dauer von der öffentlichen Hand gehalten werden.“ Mit der Erholung des Aktienkurses wird ein Ausstieg des Staates immer wahrscheinlicher. Nach Bekanntwerden des Interesses von Santander und SocGen legte die Commerzbank-Aktie jedenfalls am Vormittag um bis zu 4 Prozent zu.

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