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Vom Segen der Einwanderung: Was Schweizer Finanzdienstleistern nach dem Referendum droht

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Seit der mit 50,3 Prozent hauchdünnen Annahme der rechtspopulistischen „Masseneinwanderungs-Initiative“ herrscht unter Schweizer Arbeitgebern Ratlosigkeit. „Wir sind auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen“, betont Thomas Sutter, Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung. Rund 25 Prozent der Mitarbeiter Schweizer Banken stammen aus der EU, wobei allerdings der gesamte Ausländeranteil in der Schweiz schon bei 23 Prozent liegt. Die konkreten Auswirkungen auf die Institute ließen sich noch nicht absehen. So hat der Bundesrat immerhin drei Jahre Zeit, eine Regelung auszuhandeln. Außerdem seien Höhe und Verteilung der Quoten noch völlig offen.

Doch allein die seit Sonntag grassierende Unsicherheit dürfte auf Wachstum und Beschäftigung gravierende Auswirkungen haben. „Kurzfristig ist deshalb ein empfindlicher Rückgang des Beschäftigungswachstums zu erwarten. Gemäß unseren Berechnungen dürfte sich dieses ungefähr halbieren“, heißt es in einer Blitzanalyse der Credit Suisse-Volkswirte zum Volksentscheid. „In Zahlen ausgedrückt dürften über die nächsten drei Jahre rund 80.000 Arbeitsplätze weniger geschaffen werden.“ Mit der schwächeren Dynamik auf dem Arbeitsmarkt werde sich auch das Wirtschaftswachstum in der Schweiz um 0,3 Prozentpunkte abschwächen.

Während die Schweizer Banken also den anstehenden Talentmangel zu spüren bekommen, sieht die Bankiervereinigung mögliche Gegenmaßnahmen der EU gelassen. So regelten die verschiedenen Abkommen mit der EU lediglich den ungehinderten Warenaustausch. Der Dienstleistungsverkehr – zu dem auch das Bankwesen gehört – liege hingegen in nationaler Verantwortung. Während es mit Deutschland seit kurzem ein Abkommen zum Marktzugang gebe, werde dieser in Frankreich und Italien sehr restriktiv gehandhabt. Durch den Volksentscheid seien hier Verbesserungen auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. „Schlechter werden kann es kaum noch“, ergänzt Sutter.

Dagegen herrscht für Schweizer Versicherer durch ein Abkommen mit der EU aus 1992 ein weitgehend freier Marktzugang. Theoretisch könnte die EU dieses Abkommen als Gegenmaßnahme für die Aufgabe der Personenfreizügigkeit aufkündigen. Ob es jedoch so weit kommt, ist fraglich.

Headhunter Greg Beszant von Phaidon Capital in Zürich rechnet dennoch mit empfindlichen Folgen für den Finanzstandort Schweiz. Zürich und Genf drohten im Wettbewerb gegen London, New York und Singapur zurückzufallen, wenn hierzulande nicht mehr die besten Talente verfügbar seien. „Das wird sich vor allem auf das Front Office nachteilig auswirken“, prophezeit Beszant. Auch seine größten Kunden sähen das Referendum sehr kritisch. „Wenn es einen Vorrang für Schweizer auf dem Arbeitsmarkt gibt, dann müssen die Kunden mit weniger talentierten Ressourcen auskommen“, warnt Beszant.

Etwas entspannter sieht dies Headhunter Reto Jauch von Jauch Associates, der in Zürich und London tätig ist. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies für Spezialisten und für Senior-Positionen ein Problem wird“, sagt Jauch. Das gelte zumindest für die in der Schweiz etablierten Player. Anders dagegen bei Unternehmen, die mit dem Gedanken spielen, sich in der Schweiz anzusiedeln. „Bei der Abwägung, ob man in die Schweiz geht oder nicht, wird dies sicher eine Rolle spielen“, gibt Jauch zu Bedenken. Auch für die Initiative, das Asset Management zu einem zweiten Standbein des Finanzplatzes auszubauen, werde die Einschränkung der Personenfreizügigkeit gewiss nicht förderlich sein.

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