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Was ein Hedgefonds-Veteran zum Einstieg in alternative Investments und Investmentbanken rät

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Hedge- und Private Equity-Fonds bieten immer noch attraktive Karrierewege, während die Investmentbanken bei Studenten ein wenig an Glanz verloren haben. Doch wie bei jedem Traumjob herrscht ein harter Wettbewerb um die Einstiegsmöglichkeiten.

Nach einer Probeumfrage unter Studenten auf der LSE Alternative Investment Conference, die diese Woche in London stattfindet, interessieren sich mehr Studenten für einen Berufseinstieg bei Private Equity- und Hedgefonds als im Investmentbanking. Sicherlich kann man von einer Veranstaltung der Alternative Investment-Branche auch kaum etwas anderes erwarten. Dennoch handelt es sich laut dem Hedgefonds-Veteranen Randall Dillard auch in den kommenden 20 Jahren um eine Wachstumsbranche.

Randall ist Chief Investment Officer und Mitbegründer des Hedgefonds Liongate. Der Mann muss es wissen: Nachdem er in 2003 im Alter von Mitte 40 seine erfolgreiche Karriere im Investmentbanking aufgegeben hatte, gründete er Liongate.

Zuvor war er Chef von Nomuras Investmentbanking gewesen und leitete damals auch deren Eigenhandel. Kurz, Randall hat schon die unterschiedlichsten Facetten der Branche gesehen. Hier seine Ratschläge für den Einstieg ins Investmentbanking.

1. Seien Sie pro-aktiv, nützlich und billig

Schon Berufseinsteiger verdienen in den Finanzdienstleistungen gutes Geld. In London oder New York liegen die Gehälter der Investmentbanking-Praktikanten sogar oberhalb der Durchschnittsvergütungen. Dagegen verfügen Hedgefonds einfach nicht über die Ressourcen, eine große Zahl an Praktikanten zu beschäftigen und sie halten sich auch bei der Bezahlung zurück. Dillard rät, sich dennoch pro-aktiv um ein Praktikum zu bemühen, auch wenn dies unbezahlt sein sollte.

„Gehen Sie zu einem Hedgefonds und bieten Sie ihm an, kostenlos zu arbeiten – die meisten Leute würden dies nicht machen“, sagt Dillard. „Einer meiner Kollegen war 18 Jahre alt, als er erste Erfahrungen bei einem Hedgefonds sammelte, noch bevor er sein Studium an der London School of Economics aufnahm. Mittlerweile ist er 26 und verfügt bereits über das Hedgefonds- und Investment-Wissen eines 36jährigen. Bieten Sie Mehrwert und Zeitersparnis und kümmern Sie sich nicht um die Bezahlung. Indem Sie einige Zeit mit Leuten aus der Branche verbringen, bekommen Sie einen Fuß in die Tür.“

2. Bringen Sie die Bereitschaft zu harter Arbeit mit

Die Investmentbanken versuchen reihum die Kontrolle über die ausufernden Arbeitszeiten der Nachwuchsbanker zurückzugewinnen. So sollen sich die Analysten gelegentlich ein freies Wochenende gönnen und sogar vor Mitternacht nachhause gehen. Laut einer Umfrage der Financial Times arbeiten „nur“ 15 Prozent der Analysten mehr als 90 Stunden in der Woche – allerdings dürfte es sich um die Minderheit handeln, die später tatsächlich Karriere macht. „Im Vergleich zu den Leuten, die 60 bis 70 Stunden pro Woche arbeiten, müssen Sie 10 bis 20 Prozent mehr leisten, um sich von ihnen abzusetzen“, sagt Dillard.

3. In Private Equity müssen Sie sogar noch härter arbeiten

Viele jüngere Investmentbanker planen nach einigen Jahren zu einer Private Equity-Gesellschaft abzuspringen. Denn dort – so heißt es – gebe es eine bessere Work/Life Balance und außerdem dürften die Mitarbeiter mehr Verantwortung bei einem Deal übernehmen. Doch dabei scheint es sich um eine Fehleinschätzung zu handeln. Dillard erzählt, dass er während seiner Zeit bei einer Private Equity-Gesellschaft nicht einmal ins Kino gehen konnte, ohne das Risiko einzugehen, dass sich einer seiner Deals auflösen würde. „Es nimmt nicht ab, vielmehr geht es in die andere Richtung“, warnt der Finanzprofi. „Es handelt sich um das härteste Geschäft. Nach sieben oder acht Jahren wollen Sie Selbstmord begehen.“

4. Unterschätzen Sie nicht die Soft-Skills

Doch was verlangen Hedge- und Private Equity-Fonds von ihren Mitarbeitern? Ganz oben auf der Wunschliste steht die Fähigkeit Probleme lösen zu können – gefolgt von Kommunikationskompetenz. Gefragt sind auch Kenntnisse in Mathe, Wirtschaftswissenschaften, Financial Engineering und manchmal auch Programmiersprachen. Laut Dillard könne man sich über die Soft-Skills von seinen Wettbewerbern absetzen.

5. Es dauert lange, bis man ein Experte ist

An Tradern unter 30 herrscht wahrlich kein Mangel. Doch wenn Sie es in einen Private Equity-Fonds schaffen wollen, dann sollten Sie akzeptieren, dass  es eine Menge Leute gibt, von denen Sie noch einiges lernen können und dass es lange dauert, bevor Sie sich tatsächlich als Experten bezeichnen dürfen. „Es handelt sich um einen acht- bis zwölfjährigen Lernprozess; von daher sollten Sie schon heute beginnen“, sagt Dillard.

6. Sie müssen sich ständig infrage stellen

Unter den Investmentbanking-Analysten gibt es eine hohe Ausfallquote. Einige Branchenbeobachter behaupten sogar, dass nur 20 Prozent die drei Jahr als Analyst überstehen. Laut Dillard halten die meisten 18 Monate aus. Einige seien nur an dem Geld interessiert und machten sich keine Vorstellungen über die Belastungen des Jobs, andere erleiden einfach einen Burnout. Doch auch auf den oberen Sprossen der Karriereleiter wird es nicht unbedingt besser. „Managing Directors im Investmentbanking überstehen auch nur 18 Monate“, erzählt Dillard. „Die meisten Leute können einfach nicht Jahr für Jahr die Erträge hereinbringen, die von ihnen erwartet werden.“

7. Konzentrieren Sie sich auf Wachstumsbereiche

Hedgefonds werden sich immer mehr zu normalen Anlagevehikeln entwickeln, prophezeit Dillard. So würden sich im Retailmarkt neue Absatzchancen auftun. Zusammen mit UCITS und ETFs könnte sich die Branche in den kommenden Jahren zu einem Multi-Milliarden-Dollar-Geschäft entwickeln. Der Schlüssel zum Erfolg bestehe im richtigen Einstiegszeitpunkt. So stieg Dillard selbst während der Boomjahre ins Investmentbanking ein, wechselte ins Private Equity, als sich dies auf Wachstumskurs befand, und begann in der Hedgefondsbranche, als diese sich noch in ihren Kinderjahren befand. „Ich war immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Einiges davon war einfach Glück, aber es hilft selbstbewusst zu sein.“

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